WERBUNG

Kompositmarkt steht vor radikalen Veränderungen

21.5.2019 – Die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG hat ihre diesjährige Studie „Die Zukunft der Kompositversicherung“ entlang von drei Thesen strukturiert. Danach kaufen Kunden zukünftig verstärkt Ökosysteme statt Versicherungen oder andere branchenspezifische Produkte. Dabei trauten insbesondere junge Kunden Technologiekonzernen wie Google mehr zu, als den klassischen Versicherungs-Unternehmen. Der Marktanteil von Ökosystem-Anbietern im Komposit-Privatkundengeschäft soll bis 2030 auf bis zu 15 Prozent steigen. Der Anteil des klassischen Marktsegments und die hier erzielbaren Margen sinken tendenziell.

WERBUNG
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Mit einem Stellengesuch in unserem Anzeigenmarkt finden Sie ihn heraus.
Kostenlos und unter Chiffre...

„Der Markt wird nicht schnell kippen, nicht in den nächsten ein, zwei Jahren“, beruhigte Hendrik C. Jahn, Partner der KPMG AG Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft, seine Zuhörer am Montag bei der Vorstellung der Studie „Die Zukunft der Kompositversicherung“. Er geht aber davon aus, dass „sich der Markt in den nächsten zehn Jahren zweiteilen wird“.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Berater ihre Auswertungen zur Zukunft der Lebensversicherung vorgestellt (VersicherungsJournal 8.3.2018). Die vorliegende Studie sei ein Produkt aus „zahlreichen Marktgesprächen, Projekten sowie Analysen“, schreiben die Berater in ihrer Auswertung. Sie solle einen „Standpunkt darstellen, der keinen Anspruch auf alleinige Gültigkeit erhebt, aber als Basis“ zur Vertiefung geeignet sei.

Kunden kaufen keine Versicherungen mehr, sondern „Ökosysteme“

Jahn schätzte, dass die großen Technologie- und Internetkonzerne wie Amazon, Google und Co. sowie andere branchenfremde Anbieter von „Ökosystemen“ bis zum Jahr 2030 zehn bis 15 Prozent des Komposit-Privatkundengeschäfts auf sich ziehen werden.

Von der Gewinngemeinschaft würden dann rund ein Drittel auf dieses neue Marktsegment entfallen. Das Wachstum werde dynamisch verlaufen.

Schutz und Services

Seine erste These: Kunden wollen keine Versicherung, sondern Schutz und Services. Sie denken in Lebensbereichen, also „Ökosystemen“ wie ein schönes Zuhause, Gesundheit, Mobilität oder Freizeit. Insbesondere Digital Natives, die sich via Internet selbst informieren, würden maßgeschneiderte Lösungen erwarten. Dafür seien sie bereit, Daten preiszugeben.

„Smart Home ist ein größerer Treiber für Marktverschiebungen als Mobilität“, meinte Experte Jahn und sein Kollege Markus Heyen schloss sich an. Ähnlich wie bei Kreditkarten die Versicherung meist unbemerkt mitgekauft werde, könne ein Hausbesitzer zukünftig sein digitales Überwachungs- und Warnpaket inklusive Risikoabsicherung erwerben.

Die drei Autoren der Studie (v.li.): Tobias Novy, Hendrik C. Jahn und Markus Heyen (Bild: Ullrich)
Die drei Autoren der Studie (v.li.): Tobias Novy, Hendrik C. Jahn und Markus Heyen (Bild: Ullrich)

Käuferverhalten wird sich langfristig ändern

„Unsere Hypothese ist, dass sich das Käuferverhalten langfristig deutlich verändern und der Zugang zu „Ökosystem-Daten“ ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil sein wird“, entwickelte KPMG-Partner Heyen die These weiter. „Der Kunde sieht eher nicht, dass sein Versicherungs-Unternehmen „Ökosystem“ kann“, so seine Beobachtung.

Dies trauten viele Internetbesteller weit eher Amazon und Co. zu. Die Folgerung für Versicherungs-Unternehmen: Investieren sie dennoch in den Aufbau von „Ökosystemen“ oder stellen sie sich eher darauf ein, als „Zulieferer“ zu fungieren? Es sei durchaus nicht einfach, den richtigen Weg zu finden, gaben die Partner eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deutschlands zu.

Es gäbe relativ viele, vor allem mittelgroße Kompositversicherer, die ihre Strategie nicht ehrlich und klar hinterfragen würden. „In Deutschland kommt Bewegung in den Markt“, zeigte sich Heyen überzeugt. Bei den Angeboten der Versicherer rund um Schutz, Prävention und Assistance sei der emotionale Nutzen vom Kunden noch schwer erkennbar.

Branchenfremde neue Wettbewerber stehen in den Startlöchern

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company rechnet sogar damit, dass bis 2025 rund 30 Prozent des weltweiten Prämienvolumens in Komposit in „Ökosysteme“ fließen wird. Noch seien die Marktanteile im Neugeschäft von Produktherstellern, Händlern oder Fintechs klein. Doch das kann sich schnell ändern.

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch die Unternehmensberatung Bain & Company Germany, Inc. in ihren Studien zum Versicherungsmarkt. Neben einer guten Aufstellung im Kerngeschäft und kontinuierlichen Innovationen gebe es einen dritten Erfolgsfaktor: den Auf- und Ausbau von Service-Ökosystemen (VersicherungsJournal 23.4.2019, 11.1.2018).

„Ich gehe davon aus, dass Google demnächst ein Versicherungsportal anbieten wird“, konkretisierte KPMG-Mann Jahn seine Vorstellungen. Amazon hat bereits ein Team aus Versicherungs-Spezialisten in London aufgebaut (VersicherungsJournal 12.1.2018), Apple ein eigenes primär geschlossenes „Ökosystem“. Über kurz oder lang dürften die Technologiegiganten zu Wettbewerbern um das leicht schrumpfende Kompositgeschäft werden.

Beispiele Ökosysteme (Bild: KPMG)
Beispiele für erste Ökosysteme am Markt. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: KPMG)

Der Kompositmarkt im Jahr 2030

KPMG geht davon aus, dass es weiterhin einen klassischen Versicherungsmarkt geben wird, mit klassischen Produkten und klassischen Vertriebswegen. Dessen Anteil würde tendenziell aber sinken, ebenso wie Margen und akzeptierte Transaktionskosten. Dem stehe ein wachsendes Segment unterschiedlicher „Ökosysteme“ gegenüber.

Erwartet werden solche Angebote in den Sparten Kraftfahrt, verbundene Wohngebäude, Hausrat, Unfall und Cyber. Hier sei der Versicherungsschutz nicht prominent erkennbar im Produktbündel enthalten. Infolge der detaillierten Daten und der Prävention rechnen die Experten mit unterdurchschnittlichen Schadenbedarfen und damit niedrigeren Prämien.

Für das gesamte Prämienvolumen der fünf Sparten wird ein leichter Rückgang von 34,5 auf 31 bis 32 Milliarden Euro im deutschen Komposit-Privatkundengeschäft bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Die Gewinne würden zugunsten der „Ökosystem“-Anbieter umverteilt.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Wenn der Umweg statt zur Arbeit vors Gericht führt

Wegeunfälle sind oft Anlass für einen Streit mit der Berufsgenossenschaft. Dann entscheiden Richter über die Versicherungsleistung.
Über aktuelle Urteile und Lücken im gesetzlichen Unfallschutz berichtet ein neues Dossier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie gewinnen Sie Ihre Neukunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Mit vielen Problemen wollen sich Verbraucher nicht beschäftigen.
In Vortragsveranstaltungen bringen Sie sie dazu, ein Thema zu ihrer eigenen Sache zu machen.

Interessiert?
Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
7.6.2017 – Manch ein Start-up-Gründer mag als schrille Erscheinung durchgehen: Die neuen digitalen Konzepte zeigen jedoch, dass einiges an versicherungs-technischen Kenntnissen vorhanden ist. Ein Gastbeitrag von Dr. Moritz Finkelnburg. (Bild: privat) mehr ...
 
21.8.2018 – Der traditionelle Versicherungsvertrieb steht vor seiner größten Bewährungsprobe, schreibt Michal Trochimczuk von Sollers Consulting, in einem Gastbeitrag. Neben der Lebensversicherung drängen Banken jetzt zunehmend auch in die Schadenversicherung. (Bild: Marek Popowski) mehr ...
 
1.2.2016 – Die Zurich Leben will schneller werden, Maxpool im Investmentgeschäft fit für Mifid ll. Neues melden zudem Allianz, Roland, der Maklerverbund Status – und mit Finance App stößt ein weiteres Insuretec-Unternehmen auf den deutschen Markt. mehr ...
 
29.5.2019 – Auf der Bilanzpressekonferenz stellte der Versicherer neben den Geschäftszahlen und den Zukunftsaussichten auch einige Innovationen vor, darunter eine Baustellenversicherung. Die erst 2018 eingeführte digitale Patientenakte stellt das Unternehmen in Frage. (Bild: Lier) mehr ...
 
5.3.2019 – Degenia verschlankt den Unfalltarif, die Haftpflichtkasse bietet auch Straf-Rechtsschutz und Cosmos erweitert die Hausrat-Versicherung. Autofahrer erhalten bei der Barmenia Hilfe gegen fahrerflüchtige Parkrempler, bei der Allianz Zusatzschutz ab 30 Minuten Dauer und bei der Bayerischen eine schnellere Regulierung. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
12.12.2018 – Die Nürnberger-Tochter Codecamp N testet digitale Services im Markt, die Finanzen und Vorsorge verbinden. Wie hoch die Akzeptanz für solche Tools ist, welche Mehrwerte die Kunden gut finden und wem sie Zugriff auf ihre Kontodaten gewähren. (Bild: Codecamp N) mehr ...
 
26.10.2018 – Auf der diesjährigen DKM diskutierten Versicherungsvermittler die Folgen digitaler Vertriebskonzepte für ihren Berufsstand. Benannt wurden die Gefahren, aber auch Lösungsstrategien. Zudem wurde eine Prognose gewagt, wie sich der Marktanteil volldigitaler Vermittler entwickeln wird. (Bild: Winkel) mehr ...
WERBUNG