Kollision beim Abbiegen mit schwerem Gerät

25.9.2020 – Zwei Lastkraftwagen waren sich auf einer Fahrbahn zu nahe gekommen. Vor Gericht stritt man sich anschließend, ob der eine Fahrer nicht auf den Verkehr geachtet beziehungsweise der andere die Gefahrensituation nicht erkannt hat. (Bild: Pixabay CC0)

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Weil das Heck des Tiefladers eines Schwertransporters bei einem Abbiegevorgang auf die Gegenfahrbahn ausgeschwenkt war, war es zu einer Kollision mit einem Lastkraftwagen gekommen, der sich auf der Gegenfahrbahn näherte.

Beim Abbiegen nicht auf den Gegenverkehr geachtet?

Dessen Halter war der Meinung, dass der Unfall ausschließlich auf das Verschulden des Fahrers des Schwertransporters zurückzuführen sei. Denn er habe beim Abbiegen nicht ausreichend auf den Gegenverkehr geachtet.

Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Essener Landgericht war anderer Ansicht. Die Richter gingen von einem gegenseitigen Verschulden der Unfallbeteiligten und somit von einer Schadenteilung aus. Beide hätten gegen die sich aus § 1 Absatz 2 StVO ergebenden Sorgfaltspflichten verstoßen.

Abbiegevorgang des Schwertransporters rechtzeitig erkannt

Dem schloss sich das von dem Halter des Lastkraftwagens in Berufung angerufene Hammer Oberlandesgericht an.

Nach Überzeugung der Richter hatte der Fahrer des klägerischen Lkw den Abbiegevorgang des Schwertransporters rechtzeitig erkannt. Er hätte daher nicht in den Gefahrenbereich einfahren dürfen, sondern hätte die Beendigung des Abbiegens abwarten müssen.

Dem Lkw-Lenker hätte wie anderen Verkehrsteilnehmern bekannt sein müssen, dass Sattelauflieger beim Abbiegen einen erheblichen Radius benötigen und gegebenenfalls auf die Gegenfahrbahn ausscheren. Das gelte in besonderem Maße, da der Mann Berufskraftfahrer war.

Sehenden Auges in einen erkennbaren Gefahrenbereich

Der Fahrer des klägerischen Lkw habe im Übrigen davon ausgehen müssen, dass der Fahrer des Schwertransporters den begonnenen Abbiegevorgang fortsetzen wird und der Auflieger dabei in die Gegenfahrbahn geraten kann. Es sei nämlich erkennbar gewesen, dass für das Manöver aufgrund der Ortsverhältnisse wenig Platz zur Verfügung stand.

Angesichts dieser Umstände hielten die Richter des Berufungsgerichts die Schadenteilung, welche der Vorinstanz vorgenommen hat, für sachgerecht. Denn der Lkw-Lenker sei „sehenden Auges“ in einen für ihn erkennbaren und erkannten Gefahrenbereich gefahren. Unabwendbar sei der Unfall für keinen der beiden Fahrzeugführer gewesen.

 
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