Klinikkosten für psychische Erkrankungen immer höher

13.8.2018 – Zum 14. Mal präsentierte die Barmer ihren Krankenhausreport. Seit 2006 steigen die Krankenhausfälle. Psychisch Erkrankte bleiben mittlerweile länger in der Klinik, während die Tage für körperlich Erkrankte zurückgehen. Insgesamt sind stationäre Behandlungen immer noch der größte Kostenblock für die gesetzlichen Kassen.

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Die Barmer GEK legte jetzt ihren „Krankenhausreport 2018“ vor. Wichtigstes Ziel des Krankenhausreports ist Transparenz in der stationären Gesundheitsversorgung. Neben den wiederkehrenden Standardauswertungen widmet sich der Report einem jährlich wechselnden ausgewählten Schwerpunktthema. 2018 stand „die Operation an der Bauchschlagader“ im Fokus.

Der Krankenhausreport soll Entscheidungsträgern auf verschiedenen Ebenen des Gesundheitswesens wie Krankenhäusern, Krankenversicherungen und der Politik, empirisch abgesicherte Erkenntnisse über die stationäre Versorgung in Deutschland bieten.

Datenbasis des Krankenhausreports 2018

Grundlage für die Auswertung stellen die Daten von rund 8,4 Millionen Barmer-Versicherten dar. Das entspricht etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Datenerhebung umfasst den Zeitraum von 2006 bis 2017. Dieses Material erlaube Analysen zur stationären und ambulanten Versorgung – als auch der damit verbundenen Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV), so die Krankenkasse.

Fallzahlen steigen

Von 2006 bis 2017 stieg laut Report die Zahl der Krankenhausfälle von 188 auf 214 je 1.000 Versichertenjahre an.

In den Bereichen Somatik (körperlich bedingte Krankheiten) und psychische Erkrankungen zeigen sich ähnliche Steigerungen. In der Somatik erhöhten sich entsprechend die Fallzahlen von 175 auf 200 (je 1.000 Versichertenjahre) und bei den psychischen Erkrankungen von 13 auf 15.

Barmer Krankenhausreport 2018 (Bild: Barmer GEK)
Bild: Barmer GEK

Krankenhaustage steigen für psychisch Erkrankte

Die vollstationären Krankenhaustage haben sich gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent auf 1.607 (je 1.000 Versichertenjahre) erhöht. Die Entwicklung unterscheidet sich aber in den Bereichen.

In der Somatik ging die Zahl gegenüber dem Jahr 2006 um 4,4 Prozent auf 1.255 im Jahr 2017 (je 1.000 Versichertenjahre) zurück. Die psychischen Erkrankungen stiegen gleichzeitig um 24 Prozent auf 353 Krankenhaustage.

Verweildauer geht teilweise zurück

Bei der Dauer der Krankenhausaufenthalte zeigt sich ein ähnlicher Trend wie bei der Auswertung der Krankenhaustage. In den letzten elf Jahren habe sich die Verweildauer im Krankenhaus um insgesamt rund zwölf Prozent kontinuierlich verringert, schreiben die Autoren des Barmer-Reports. Zuletzt waren es 7,5 Tage.

Nach Bereichen getrennt, ergibt sich ein anderes Bild. Bei den somatischen Fällen hat sich die Verweildauer seit 2006 um 16 Prozent auf 6,3 Tage im vergangenen Jahr reduziert. Demgegenüber stieg die Verweildauer bei psychischen Erkrankungen um 9,2 Prozent auf 24,2 Tage an.

Barmer Krankenhausreport 2018 (Bild: Barmer GEK)
Bild: Barmer GEK

Regionale Unterschiede

Die niedrigsten Fallzahlen verzeichnete im vergangenen Jahr Baden-Württemberg mit 174 Fällen (je 1.000 Versichertenjahre). Thüringen hatte mit 243 Fällen dagegen die meisten Fälle. Das mache einen Unterschied von knapp 40 Prozent aus, resümiert der Barmer-Krankenhausreport.

In der Somatik wiesen folgende Bundesländer die höchsten Fallzahlen je 1.000 Versichertenjahre auf:

  • Thüringen mit 228;
  • Sachsen-Anhalt mit 227;
  • Saarland mit 226;
  • Brandenburg mit 218.

Die geringsten Fallzahlen verzeichneten laut Barmer-Auswertung dagegen Hamburg mit 169 und Baden-Württemberg mit 162. Bei den psychischen Erkrankungen reichte die Skala von Baden-Württemberg mit 13 bis Bremen mit 22.

Barmer Krankenhausreport 2018 (Bild: Barmer GEK)
Bild: Barmer GEK

Männer gehen seltener ins Krankenhaus als Frauen

Männer ließen sich 2017 mit 187 somatischen Behandlungsfällen (je 1.000 Versichertenjahre) seltener vollstationär behandeln aus Frauen mit 205 Fällen. Das macht einen Unterschied von 9,1 Prozent.

Auch die Krankenhaustage männlicher Patienten waren weniger als bei Frauen, zeigt der Barmer-Krankenhausreport. Die jährlichen Kosten bei den somatischen Fällen fielen bei den Frauen dagegen geringer aus. Bei den psychischen Erkrankungen lagen sie bei den Frauen aber höher als bei den Männern.

Männer teurer in der Somatik

Bei den männlichen Versicherten der Barmer lagen die durchschnittlichen Ausgaben pro Versichertenjahr für vollstationäre Aufenthalte im Bereich Somatik bei 802 Euro. Bei den psychischen Erkrankungen lagen die Kosten bei 90 Euro.

Bei Frauen waren es im Bereich Somatik dagegen 771 Euro, bei den psychischen Erkrankungen 102 Euro.

Bei den Ausgaben pro Fall lag der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei 507 Euro für somatische Fälle. Bei den psychischen Erkrankungen betrug der Unterschied zwischen den Geschlechtern dagegen 1.559 Euro, so der Barmer-Report.

Fazit: Ausgaben der GKV

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands betrugen die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen 2016 über 210 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von etwa 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit rund 73 Milliarden Euro entfielen 35 Prozent der GKV-Gesamtausgaben auf Krankenhausbehandlungen. Sie machten wieder den größten Leistungsbereich aus.

Wie in den vergangenen Jahren stieg die Fallzahl laut dem Spitzenverband weiter an: 2016 auf über 19,5 Millionen Fälle, was einer Steigerung von 1,5 Prozent entspricht.

Die Belegungstage nahmen im Vergleich zu den Vorjahren erst einmal auf über 142 Millionen Tage zu (plus 0,6 Prozent). Die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus ging dagegen insgesamt auf durchschnittlich 7,3 Tage zurück.

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Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform
 
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