Jeder dritte Lebensversicherer schwächelt

18.10.2018 – Das Analysehaus Morgen & Morgen hat sein Rating von Lebensversicherungs-Unternehmen aktualisiert. Anhand von neun Bilanzkennzahlen wurden 65 Anbieter unter die Lupe genommen. Neun Gesellschaften erhielten die Höchstnote (Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Deutsche Ärzte, Europa, Hannoversche, Ideal, R+V a.G. und WGV). Nur „sehr schwach“ schnitten die Barmenia, die Landeslebenshilfe, die Öffentliche Berlin Brandenburg, die Provinzial Nordwest und die Rheinland ab.

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Das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen GmbH (M&M) hat bereits zum 24. Mal die Lebensversicherer auf dem deutschen Markt hinsichtlich Kosten, Sicherheitspolster, Erträge und Marktstellung untersucht.

Zu den Bewertungskriterien des „M&M Rating LV-Unternehmen“ gehören wie üblich die neun Kennzahlen Nettoverzinsung, Überschussquote, Abschlusskostenquote, Verwaltungskostenquote, Wachstumsquote, Normalstornoquote, modifizierte Eigenmittelquote, RfB-Quote sowie Reservequote.

Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich über die zurückliegenden fünf Jahre, aktuell also 2013 bis 2017. Weitere Details zur Bewertungsmethodik können in der Ratingdokumentation (PDF, 562 KB) nachgelesen werden.

Zinszusatzreserve belastet die Lebensversicherer

„Die Kapitalmarktsituation strapaziert die Lebensversicherer weiterhin. Insbesondere die hohen Aufwände für die Zinszusatzreserve belasten die Gesellschaften“, erläutert das Analysehaus anlässlich der Rating-Aktualisierung.

„Um die damit notwendigen Aufwände stemmen zu können, haben die Versicherer Bewertungsreserven realisiert und dadurch eine akzeptable Nettoverzinsung von durchschnittlich 4,3 Prozent erzielt“, wird weiter ausgeführt.

Für die Zinszusatzreserve (ZZR) musste die Branche laut M&M in den vergangenen Jahren einen immer größeren Anteil der Zinserträge aufwenden. 2015 waren es erst 23 Prozent, 2016 bereits 32 Prozent und im vergangenen Jahr 37 Prozent. „Dieser Aufwand ist gleichbedeutend mit einer theoretischen Verminderung der Nettoverzinsung um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte“, rechnet das Analysehaus vor.

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Allianz führte der ZZR 2017 fast 2,7 Milliarden Euro zu

Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften zeigen sich große Unterschiede bei der 2017 getätigten Zuführung zur Zinszusatzreserve. Dies ist dem aktuellen Map-Report 904 – „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2017“ zu entnehmen.

Der Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG liegt mit einer Zuführung von fast 2,7 Milliarden Euro an der Spitze, gefolgt vom Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. mit über einer Milliarde Euro. Jeweils über 700 Millionen Euro führten die Axa Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG und die Generali Lebensversicherung AG der ZZR zu.

ZZR-Zuführung (Bild: Wichert)

Insgesamt hat die Allianz die Zinszusatzreserve mittlerweile mit weit über zehn Milliarden Euro dotiert. Das entspricht etwa einem Sechstel des gesamten ZZR-Bestandes. Der Marktanteil (nach Beiträgen) beläuft sich indes auf rund ein Viertel (VersicherungsJournal 8.10.2018).

Bei der Debeka sind es über vier Milliarden Euro und bei der Axa über drei Milliarden Euro. Die R+V AG und die Generali liegen deutlich, die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG leicht über der Zwei-Milliarden-Marke.

ZZR-Bestand (Bild: Wichert)

65 Lebensversicherer im Test

Insgesamt hat das Analysehaus in diesem Jahr 65 Lebensversicherungs-Unternehmen unter die Lupe genommen und damit erneut eines weniger als im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 19.10.2017, 20.10.2016).

Die Bewertung erfolgte auf einer fünfstufigen Skala (fünf Sterne = „ausgezeichnet“, vier Sterne = „sehr gut“, drei Sterne = „durchschnittlich“, zwei Sterne = „schwach“, ein Stern = „sehr schwach“).

Die Analysten vergaben an 19 (Vorjahr: 23) Gesellschaften eine überdurchschnittliche Beurteilung. 25 (22) Anbieter erhielten eine durchschnittliche underneut 21 Lebensversicherer eine unterdurchschnittliche Bewertung.

Notenverteilung (Bild: Wichert)

Die Gesellschaften mit den besten und schlechtesten Bewertungen

Die Höchstnote erhielten, wie im Vorjahr, die Allianz, die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., die Debeka, die Europa Lebensversicherung AG, die Hannoversche Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung a.G. und die WGV-Lebensversicherung AG. In die Spitzengruppe aufgestiegen sind die Deutsche Ärzteversicherung AG sowie die Ideal Lebensversicherung a.G.

„Sehr schwach“ (ein Stern) bewertet wurden die Barmenia Lebensversicherung a.G., die Landeslebenshilfe V.V.a.G., die Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg AG, die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG und die Rheinland Lebensversicherung AG.

M&M Rating LV-Unternehmen 2018

ausgezeichnet (*****)

sehr gut (****)

durchschnittlich (***)

schwach (**)

sehr schwach (*)

Allianz

Condor

Axa

Aachen-münchener

Barmenia

Alte Leipziger

DEVK a.G.

Basler

Concordia Oeco

Landeslebenshilfe

Debeka

Direkte Leben

Bayern Versicherung

Cosmos

Öffentliche Berlin Brandenburg

Deutsche Ärzte

Huk-Coburg

Continentale

Ergo

Provinzial Nordwest

Europa

Interrisk

DEVK Allgemeine

Ergo Direkt

Rheinland

Hannoversche

LV 1871

Familienfürsorge

Gothaer

Ideal

Öffentliche Braunschweig

Hansemerkur

HDI

R+V a.G.

Stuttgarter

Inter

Helvetia

WGV-Leben

VGH

Itzehoer

Münchener Verein

WWK

Karlsruher

Öffentliche Oldenburg

LVM

Provinzial Rheinland

Mecklenburgische

Saarland

Neue Bayerische Beamten

Süddeutsche

Neue Leben

Targo

Nürnberger

VPV

Öffentliche Sachsen-Anhalt

Württembergische

PB Leben

R+V AG

Signal Iduna

SV Leben

SV Sachsen

Swiss Life

Universa

Volkswohl Bund

Zurich Deutscher Herold

Weitere Rangverschiebungen

Insgesamt gab es sieben weitere Rangveränderungen. Um jeweils eine Ratingstufe verbesserten sich die Lebensversicherung von 1871 a.G. (LV 1871) (auf vier Sterne) sowie die Gothaer Lebensversicherung AG (auf zwei Sterne)

Fünf Anbieter büßten jeweils eine Ratingklasse ein und erhielten nur noch drei Sterne. Hierzu gehören die Bayern Versicherung Lebensversicherung AG, die LVM Lebensversicherungs-AG, die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG (die Bayerische), die PB Lebensversicherung AG und die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht · Lebensversicherung · Mapreport · Marktanteil · Rating · Zinszusatzreserve
 
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