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Jahresvorschau – was bringt 2023?

24.1.2023 – Dr. Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV), hat wieder einen Blick in die Zukunft der Versicherungsbranche geworfen. Dabei hat er unerwartete Antworten auf die Frage gefunden, worauf sich Assekuranz und Vermittler einstellen müssen. Sein nicht ganz ernst gemeinter, gleichwohl bedenkenswerter Ausblick findet sich hier in Auszügen und in voller Länge in Ausgabe 02/2023 der ZfV.

Auch in diesem Jahr haben viele Leser wieder den Wunsch an uns herangetragen, aus Gründen einer größeren Aktualität nicht nur den traditionellen Jahresrückblick zu veröffentlichen (vergleiche ZfV, Nummer 1 vom 1. Januar 2023), sondern zusätzlich auch eine knappe Vorschau auf die wichtigsten Ereignisse des neuen Jahres zu geben, weil das nicht wenigen für ihre tägliche Arbeit hilfreich erscheint.

Wir kommen diesem Wunsch gern nach, weisen aber vorsorglich darauf hin, dass die folgende Jahresvorschau möglicherweise in dem einen oder anderen Punkt nicht vollständig mit den Ereignissen des Jahres übereinstimmen wird. Dies bitten wir zu entschuldigen.

Februar

Das Jahr 2023 beginnt mit einem Paukenschlag: Die vom GDV vorgeschlagene „Bürgerrente“ kommt – allerdings, so der Wermutstropfen für die deutschen Versicherer, nur in Verbindung mit der Bürgerversicherung. Das ist der Deal, den SPD und FDP in einer nächtlichen Marathonsitzung Ende Februar ausgehandelt haben.

Den Grünen war es egal, solange es auch eine Bürger:innen-Rente gibt. Zu so viel Bürgerlichkeit konnte auch die FDP nicht nein sagen und selbst die Union protestiert nur schwach.

Das Schicksal der PKV-Vollversicherung ist damit besiegelt. Allerdings gibt es eine großzügige zeitliche Übergangsfrist: Die Bürgerversicherung kommt erst dann, wenn es wieder einen SPD-Bundeskanzler gibt und er nicht Scholz heißt. Dafür kommt die Bürgerrente erst, wenn Walter Riester für unsterblich erklärt worden ist oder die Lebensversicherer auf alle Abschlusskosten verzichten – whatever comes first.

März

Die deutschen Vermittlerverbände laufen Sturm gegen das Internet. Sie halten es für fragwürdig, dass dort offenbar alle möglichen Dinge verkauft werden, neben Euro-Neuwagen, Fondssparplänen und Hundefutter zum Beispiel auch Lebensversicherungen.

Die Interessenvertreter wollen diesem Spuk ein Ende machen und starten die Initiative „Hände weg vom vermittlerlosen Verkauf“. Nach dem Motto „Beratung ist nicht alles, aber ohne Beratung ist alles nichts“ bemühen sie sich darum, dass die gesetzliche Beratungspflicht endlich ernstgenommen wird. Eine Ausnahme machen sie beim Thema ESG, wo die Lage unübersichtlich ist und noch keiner so recht kann und keiner so recht will.

Kurze Zeit später wird das Internet tatsächlich abgeschaltet und Herr Kaiser kommt zurück. Dann wachen alle auf und merken, dass Check24 schon zehn Prozent Marktanteil in der Krankenvollversicherung hat.

April

Bei den deutschen Lebensversicherern macht sich Unruhe breit. Axel Kleinlein ist verschwunden. Seit seinem Ausstieg beim Bund der Versicherten hat man nichts mehr von ihm gehört. Zwar hatte der Fundamentalkritiker der Lebensversicherung nicht viele Freunde in der Branche, aber jetzt, wo er weg ist, fehlt er irgendwie doch.

Im Auftrag des GDV-Präsidialausschusses Altersvorsorge und Zukunftssicherung macht sich Peter Schwark auf die Suche nach dem Verbraucherschützer, um wieder etwas Bewegung in die Debatte zur Zukunft der Lebensversicherung zu bringen. Er findet Kleinlein gleich um die Ecke in Berlin, wo er als Leiter der zentralen Schüler-Nachhilfestelle für Mathematik untergetaucht ist.

Das Angebot einer live übertragenen Simultan-Diskussions-Veranstaltung mit den Herren Asmussen, Schneidemann und Heinz in der Hamburger Elbphilharmonie und eine Probe-Ehrenmitgliedschaft in der DAV locken ihn nicht aus dem Exil zurück. „Das Leben ohne legalen Betrug ist wunderbar“, sagt Kleinlein.

Juli

„Der GDV darf nicht enden wie die katholische Kirche“ hatte der neue GDV-Präsident Norbert Rollinger 2022 bei seinem Amtsantritt gesagt. 2023 lässt er nun seiner Worten Taten folgen. Der Verband wird komplett modernisiert.

Nachdem Frauen bereits kurz vorher schon für die Geschäftsführung zugelassen worden waren, beschließt man jetzt auch noch die Abschaffung des Zölibats für sämtliche Präsidiumsmitglieder. Außerdem dürfen „Viri probati“ nun schon vor Vollendung ihres 50. Lebensjahres Ausschüsse leiten. Im Einzelfall kann diese Regelung auch auf „Feminae probata“ angewendet werden.

Vor der Wahl zum GDV-Papst auf Lebenszeit schreckt Rollinger allerdings bislang noch zurück. Er befürchtet wohl nicht zu Unrecht, sofort eine Mehrheit zu bekommen.

August

2023 steht für die deutsche Versicherungswirtschaft weiter im Zeichen der Transformation. Einmal mehr agiert die Zurich als Vorreiter und initiiert Mitte des Jahres einen umfassenden Change-Prozess. Hierbei soll die ganze Belegschaft untereinander tauschen, etwa innovative Ideen, Kochrezepte, Urlaubstage.

Leider geht bei dieser gigantischen Tausch-Aktion für die ganze Belegschaft, die kurz nach den Sommerferien stattfindet, das Data-Driven-Mindset des Chief Transformation Officers verloren. Er hatte es an einem Touchpoint kurz aus den Augen verloren. Zum Glück kann aus der Schweiz schnell Ersatz geliefert werden.

Am konsequentesten geht einmal mehr die deutsche Axa die Transformation an. Hatte sie sich vor Jahren schon mit der Umstellung der Büroarbeit auf „New Work“ hervorgetan und dann die Belegschaft in einem bewusstseins-erweiternden Prozess für „New Woke“ sensibilisiert, so setzt sie nun mit „New Wok“ auf eine neue Geschmacksachtsamkeit in der Kantine.

Nur der LVM widersetzt sich mutig dem Zeitgeist und führt in der zweiten Jahreshälfte einmal pro Woche einen „All Meat-Day“ ein.

Oktober

Ein unpassendes öffentliches Wort kann heute verheerende Folgen nach sich ziehen. Da die immer extremeren Ausprägungen der „Political Correctness“ aus den USA zunehmend auch in Deutschland zu spüren sind, bietet Marsh nun mit einer neuen „Language Protection Policy“ erstmals Schutz vor dem versehentlichen Gebrauch unangemessener Sprache durch das Management.

Es handelt sich dabei um eine parametrische Deckung. Gezahlt wird, wenn nach einer Äußerung der Shitstorm auf der Twitter-Skala eine Stärke von acht überschreitet. Die Prämien werden nach einer KI-gestützten Sprachanalyse sämtlicher öffentlicher und privater Äußerungen der Vorstandsmitglieder und der ersten Führungsebene in den letzten fünf Jahren ermittelt.

November

Der Wettbewerb um die Vertriebswege gewinnt weiter an Schärfe. Angesichts einer schrumpfenden Vermittlerschaft (der durchschnittliche Vermittler ist aktuell 55 Jahre alt und nur noch 1,79 m groß) wird viel Geld in die Hand genommen, um Vertriebskapazität aufzubauen.

Einige Banken verlangen mittlerweile ein extrem hohes Regalgeld und reagieren mit vorübergehender Auslistung von Produkten ihrer Versicherungspartner, wenn die Bedingungen nicht stimmen. So gibt es wochenlang bei der Commerzbank keine Allianz Perspektive mehr zu kaufen; von Klassik light sind immerhin noch Restbestände vorhanden.

Dezember

Beziehungs-Aus in der Assekuranz zum Jahresende: Das Verhältnis zwischen den Industrieversicherern und ihren Kunden war seit Jahren angespannt, mittlerweile scheint es wirklich zerrüttet zu sein.

Wie in vielen Beziehungen geht es auch hier vor allem um Kommunikation: Die Kunden werfen den Versicherern vor, nie über die Probleme zu reden und sie bei jeder Erneuerung vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Versicherer beklagen sich, dass die Kunden immer nur an das Eine denken (nämlich möglichst viel Deckung für möglichst wenig Geld), statt auch mal die Nöte der Gegenseite zu sehen.

Eine Paartherapie bei Aon bringt keine wirkliche Lösung – nur hohe Stundensätze. Längst orientieren sich die Partner um: Die Kunden zieht es verstärkt zu Captives, die Versicherer suchen ihr Glück im Mittelstand. Ein Happy End in dieser Beziehung dürfte auch für 2024 nicht in Sicht sein.

Dr. Marc Surminski

Der Autor ist Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen. Der vollständige Ausblick auf 2023 kann in der aktuellen Ausgabe 02/2023 der Zeitschrift nachgelesen werden. Auszüge aus den Jahresvorschauen der Vorjahre finden sich im VersicherungsJournal Archiv.

 
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