Gewinner und Verlierer in der privaten Unfallversicherung

11.3.2019 – Zwischen 2015 und 2017 hat Marktführer Allianz am stärksten Marktanteile verloren. Den größten Zuwachs erzielte die Debeka Allgemeine. Dies zeigt der „Branchenmonitor 2015-2017: Unfallversicherung“.

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Die private Unfallversicherung gehört schon seit vielen Jahren zu den großen Gewinnbringern der Assekuranz. So landeten die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) organisierten Anbieter 2018 nach vorläufigen GDV-Zahlen bereits zum 16. Mal in Folge versicherungstechnisch in der Gewinnzone (VersicherungsJournal 31.1.2018)

Dabei hat die Branche bestenfalls fast 23 und schlechtestenfalls etwa 14 Cent Gewinn pro Beitragseuro geschrieben. Eine Combined Ratio (nach Abwicklung; in Relation zu den verdienten Brutto-Risikobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) von 80 Prozent und höher gab es neben den letzten beiden Jahren nur 2010 und 2014 sowie zwischen 2003 und 2006.

Combined Ratio Unfallversicherung (Bild: Wichert)

Seit 2002 fast ein Sechstel Prämienzuwachs

Die Prämieneinnahmen sind zwischen 2002 und 2017 zwar um fast ein Sechstel auf zuletzt fast 6,5 Milliarden Euro angestiegen. Allerdings liegen die gebuchten Bruttobeiträge nach GDV-Angaben seit 2009 relativ konstant zwischen knapp 6,4 und gut 6,5 Milliarden Euro.

Beiträge Unfallversicherung (Bild: Wichert)

Der Vertragsbestand ist seit 2007 kontinuierlich zurückgegangen auf zuletzt (2017) 25,4 Millionen Policen. 2014 waren es noch über 26 Millionen, 2009 sogar noch 28 Millionen Kontrakte. Seit 2007 betrug das Minus hier beinahe ein Achtel.

Verträge Unfallversicherung (Bild: Wichert)

Allianz verliert kräftig Marktanteile

Das Prämienaufkommen und die Marktanteile der einzelnen Gesellschaften unterschieden sich dem „Branchenmonitor 2015-2017: Unfallversicherung“ zufolge gehörig.

Die Untersuchung wird von der V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit der Yougov Deutschland GmbH durchgeführt. Sie enthält Übersichten zu zahlreichen Kennzahlen der 50 nach Beitragseinnahmen größten Anbieter, die auf etwa 93 Prozent Marktanteil kommen.

So büßte Marktführer Allianz Versicherungs-AG (VersicherungsJournal 7.1.2019) fast 0,9 Prozentpunkte an Marktanteil ein. Grund hierfür ist vor allem ein Bestandsrückgang im Geschäft mit Unfallversicherungen mit garantierter Beitragsrückzahlung (UBR).

In der Folge ging das Prämienvolumen allein im Geschäftsjahr 2017 um 2,2 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zurück. Im Geschäft mit Risiko-Unfallpolicen sind die Einnahmen Unternehmensangaben zufolge insbesondere durch das neue Produkt „UnfallSchutz“ (VersicherungsJournal 28.6.2017) hingegen angestiegen.

Auch Generali und Ergo mit hohen Marktanteilsverlusten

Vergleichsweise starke Rückgänge hatten auch die Generali Versicherung AG und die Ergo Versicherung AG zu verzeichnen. Für diese beiden Gesellschaften standen Marktanteilsverluste von jeweils fast 0,6 Prozentpunkten zu Buche.

Dabei verminderte sich das Prämienaufkommen bei der Generali zwischen 2015 und 2017 um etwa ein Siebtel auf 208 Millionen Euro. Dies dürfte auf fortgeführte „Portfolio-Pflegemaßnahmen“, wie es die Münchener in ihrem Geschäftsbericht 2016 formulierten (VersicherungsJournal 25.4.2018), zurückzuführen sein.

Bei der Ergo gingen die Beitragseinnahmen gleichermaßen in der Risiko-Unfallversicherung wie auch im inzwischen nicht mehr gezeichneten UBR-Geschäft zurück. 2017 fiel das Minus mit gut einem Prozent allerdings deutlich moderater aus als im Jahr zuvor. Auf Dreijahressichtsicht betrug die Verringerung fast vier Prozent (auf 630 Millionen Euro).

Marktanteilsverlierer Unfallversicherung (Bild: Wichert)

Auffällig ist, dass insgesamt nur für acht der im Branchenmonitor aufgeführten Gesellschaften Marktanteilsverluste zu Buche standen, die zu mehr oder weniger großen Anteilen den verbleibenden 42 Anbietern zugutekamen.

Debeka Allgemeine mit dem größten Marktanteilsgewinn

Den Marktanteil um fast einem halben Prozentpunkt und damit am stärksten ausgebaut hat im Berichtszeitraum die Debeka Allgemeine Versicherung AG. Deren Prämien legten um etwa ein Achtel auf fast 330 Millionen Euro zu.

Dies resultierte nach Unternehmensangaben „aus dem Neu- und Ersatzgeschäft mit höheren Versicherungssummen und Durchschnittsbeiträgen sowie aus Dynamisierungen im Bestand“, heißt es im Geschäftsbericht 2017 (PDF, 550 KB).

Um knapp 0,2 Prozentpunkte steigerte die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG ihren Marktanteil. Sie erklärt dies mit einer fortgesetzten positiven Neugeschäfts- und Bestandsentwicklung. Zwischen 2015 und 2017 wuchsen die Einnahmen um über ein Drittel auf gut 44 Millionen Euro an.

Zuwachs durch Dread-Disease-Elemente und vereinfachte Annahme

Vergleichsweise hohe Zuwächse von jeweils rund 0,15 Prozentpunkten hatten auch die SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung AG und die VHV Allgemeine Versicherung AG zu verzeichnen.

Die SV steigerte das Beitragsvolumen nach eigenen Angaben sowohl in der klassischen Unfallversicherung als auch bei dem Produkt „SV ExistenzSchutz“, das zusätzliche Dread-Disease-Elemente enthält.

Die VHV führt „das erfreuliche Wachstum […] auf das nach wie vor gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die vereinfachte Annahmepolitik unserer Unfallprodukte“ zurück, heißt es im Geschäftsbericht 2017 (PDF, 1.8 MB).

Marktanteilsgewinner Unfallversicherung (Bild: Wichert)

Weitere Studiendetails

Die Verantwortlichen des Branchenmonitors weisen im Fazit explizit darauf hin, „dass die Kunden- und Produktstrukturen in der Unfallversicherung bei den einzelnen Versicherungs-Unternehmen zum Teil unterschiedlich sind und den Geschäftsberichten nicht immer im Detail entnommen werden können“. Dies sollte bei der Interpretation des Vergleichs von Kennzahlen berücksichtigt werden.

Der „Branchenmonitor 2015-2017: Unfallversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für 743,75 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

 
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