Gewerblicher Risikoschutz hat noch Luft nach oben

9.10.2018 – Unternehmen sehen beim eigenen Risiko-Management noch Verbesserungsbedarf. Der Faktor Risikotransfer wird im Haftpflichtbereich bereits gut genutzt. Nachbessern wollen Firmen vor allem bei Cyberpolicen, Vertrauensschaden-Absicherung und Rechtsschutz. Auf die Beratung von Maklern setzt dabei die Mehrheit. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie von GVNW und der V.E.R.S. Leipzig.

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Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) hat in konzeptioneller Zusammenarbeit mit der V.E.R.S Leipzig GmbH eine aktuelle Studie zum gewerblichen Risikomanagement umgesetzt. Unter dem Titel „Risikomanagement im Industrieunternehmen – Wertbeitrag für mittelständische Unternehmen“ wurde die empirische Auswertung veröffentlicht.

Ziel der Untersuchung war es, den Stand des Risikomanagements in Industrieunternehmen zu analysieren, bestehende Konzepte zu vergleichen und Potenziale aufzuzeigen, heißt es in der Auswertung. Sie steht hier zum Download zur Verfügung (PDF, 3,6 MB).

Der wertschöpfende Charakter von Risikomanagement wird nicht ausreichend erkannt und auch nicht positiv genutzt.

Fazit der Autoren der Studie „Risikomanagement im Industrieunternehmen“.

Forschungsdesign der Studie

Die Wissenschaftler führten nach eigenen Angaben 25 persönliche Interviews mit Repräsentanten des Risikomanagements von mittelständischen Industrieunternehmen durch. Diese fanden im Zeitraum von Dezember 2017 bis August 2018 statt.

Dazu wurden von Mai bis Juli 2018 zudem 15 Teilnehmer „sowohl größerer als auch kleinerer mittelständische Industrieunternehmen aus verschiedenen Branchen“ befragt, so die Autoren der Studie.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Risikomanagement heterogen ausgeprägt ist. „Der wertschöpfende Charakter von Risikomanagement wird nicht ausreichend erkannt und auch nicht positiv genutzt“, fasst der GVNW zusammen.

Verbesserungsbedarf bei Risikomanagement

Risikomanagement ist in vielen Unternehmen dennoch mittlerweile fester Bestandteil der Organisationsstruktur. So verfügt ein Großteil der befragten Firmen mit 80 Prozent über ein systematisches Risikomanagementsystem. In fast 70 Prozent der Betriebe bestehe dieses schon seit mehr als zehn Jahren, resümiert die Studie.

Hierbei seien sowohl zentrale als auch dezentrale Konzepte oder Organisations-Mischformen zu erkennen. Trotz dieser etablierten Position des Risikomanagements planen 82 Prozent der Befragten weiterführende Maßnahmen. Somit sieht die Mehrheit der Unternehmen hier noch einen Verbesserungsbedarf bei den eigenen Strukturen.

Risikotransfer spielt wichtige Rolle in Unternehmen

Die Befragten sehen in der Risikoverminderung das bedeutendste Instrument des Risikomanagements. 98 Prozent der Verantwortlichen geben hier „eher bedeutend“ oder „bedeutend“ an. Gefolgt wird dieses Instrument von dem Risikotransfer mit 83 Prozent, der Risikovermeidung (68 Prozent) und der Risikotragung (61 Prozent).

In der Regel trifft die Unternehmensleitung die Entscheidungen, welche Versicherungen für den Risikotransfer abgeschlossen werden sollen (93 Prozent) oder bei welcher Höhe die Versicherungssumme liegt (83 Prozent).

Auf die Frage, welche Versicherungen das befragte Unternehmen für den Risikotransfer abgeschlossen hat, nannten alle Befragten folgende Absicherungen: Feuerversicherung, Kraftfahrtversicherung und Kfz-Haftpflichtpolice sowie Unfallversicherung. Mehrfachnennungen waren bei den Interviews möglich.

Bild: GVNW

Handlungsbedarf bei Cyber- und Rechtsschutz-Policen

In der Sparte Haftpflicht setzen 100 Prozent der Unternehmen auf eine Betriebshaftpflicht-Police. 97 Prozent nannten außerdem einen Produkthaftpflicht-Vertrag und 92 Prozent eine Betriebsunterbrechungs-Police. Die Absicherung von D&O-Risiken gingen bereits 95 Prozent der Befragten an. Gegen die Gefahren durch Cyber-Kriminalität waren nur 39 Prozent der Unternehmen versichert.

Allerdings werden die virtuellen Risiken durchaus wahrgenommen: 83 Prozent der Verantwortlichen planen den Abschluss einer Cyber-Versicherung in den nächsten zwei Jahren.

Des Weiteren beabsichtigen 50 Prozent der Befragten eine D&O-Versicherung und 33 Prozent eine Vertrauensschaden-Police. 17 Prozent sehen im Rechtsschutzbereich Handlungsbedarf, insbesondere nannten sie hier den Strafrechtsschutz.

Hilfe vom Makler ist gefragt

Die Entscheidung, ob und welche Risiken für das Unternehmen versichert werden sollen, trifft bei der Mehrheit der befragten Unternehmen der Vorstand oder die Geschäftsführung.

Auf die Hilfe und Beratung eines Versicherungsmaklers setzen dabei 60 Prozent der Manager. Andere externe Berater ziehen 16 Prozent hinzu. 20 Prozent der Manager entscheiden ohne Hilfe über den Versicherungsschutz.

Als wichtige Faktoren, die die Höhe der Versicherungssumme oder Deckung bestimmen, nannten die Entscheider folgende Einflüsse:

  • vergangene Schäden: 68 Prozent,
  • Abwägung Prämie und erhaltene Versicherungssumme: 68 Prozent,
  • Szenario-Analysen: 65 Prozent,
  • Qualität der Deckung: 60 Prozent,
  • Einschätzung von Maklern und Beratern: 55 Prozent,
  • angebotene Deckungshöhe durch Versicherer: 48 Prozent,
  • Risiko-Modellierung: 40 Prozent,
  • Benchmarking mit Peergroups: 40 Prozent,
  • verfügbare Marktkapazitäten: 35 Prozent.

Bei der Entscheidung über die Höhe der Versicherungssumme oder Deckung setzten 61 Prozent der Befragten auf die Unterstützung durch einen Makler und 13 Prozent auf die Hilfe anderer externer Berater.

 
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