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Finanzstärke der Krankenversicherer in der Kritik

3.12.2018 – Zielke Research hat für den Bund der Versicherten die Solvenzberichte 2017 der privaten Krankenversicherer untersucht. Die Finanzkraft wird vom BdV meistens angemessen, bei manchen Unternehmen aber als zu niedrig oder zu hoch bewertet. Die Transparenz wird weiterhin kritisiert, einige Gesellschaften haben sich aber verbessert. Bewertet wurden zudem sechs weitere Kriterien und die Wahrscheinlichkeit von Beitragssteigerungen.

Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) hat eine Analyse der Solvenzberichte der PKV-Unternehmen 2017 veröffentlicht. Darin hat die Zielke Research Consult GmbH die SFCR-Berichte von 38 (Vorjahr 40) deutschen Versicherungs-Unternehmen untersucht, darunter ein Schadenversicherer.

Bewertet wurden die Transparenz der Berichte und die Kennzahlen der Unternehmen für das Geschäftsjahr 2017. Auch die für das Jahr 2016 waren diese Reports untersucht worden (VersicherungsJournal 10.11.2017).

Am transparentesten ist die Hallesche

Besonders hervorgehoben wird die Transparenz der Berichte. Bewertet wurde, wie verständlich, nachvollziehbar und umfassend diese gehalten sind und wie auskunftsbereit die Unternehmen gegenüber Nachfragen sind.

Die Transparenzwertung für 2017 gewinnt die Hallesche Krankenversicherung a.G. vor DEVK Krankenversicherungs-AG, Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG und Signal Iduna Krankenversicherung a.G.

Diagramm Bewertung der SFCR-Berichte der PKV-Anbieter (Ausschnitt, vollständige Tabelle s. Link im Text) (Bild: BdV)
Diagramm Bewertung der SFCR-Berichte der PKV-Anbieter (Ausschnitt, vollständige Tabelle siehe Link im Text) (Bild: BdV) Zum Vergrößern Bild klicken.

Am stärksten verbessert haben sich Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G., Landeskrankenhilfe V.V.a.G., Central Krankenversicherung AG, Envivas Krankenversicherung AG und Ergo Direkt Krankenversicherung AG. Insgesamt sind 18 der untersuchten Unternehmen nach Ansicht des BdV ausreichend transparent.

Am negativsten aufgefallen sind laut der Untersuchung Münchener Verein Krankenversicherung a.G. und Vigo Krankenversicherung VVaG.

Solvabilität ist meistens stabil geblieben

Axel Kleinlein (Bild: BDV/Achenbach)
Axel Kleinlein (Bild: BDV/Achenbach)

Zur Finanzstärke der Branche schreibt der BdV: „Die Unternehmen sind durchweg solvent. Doch das ist nicht überraschend, da die Kunden und Kundinnen selbst für die Solvenz geradestehen müssen." Die Beiträge könnten laufend angepasst werden. Das Hauptrisiko liege daher bei den Versicherten.

„Die Versicherungs-Unternehmen können bei privaten Krankenversicherungen deutlich entspannter sein als bei einem Lebensversicherer“, so BdV-Vorstandschef Axel Kleinlein. Daher zeigten sich auch nur bei wenigen Unternehmen deutlich höhere Solvenzquoten als im Vorjahr. Meist hätten die Unternehmen das Niveau gehalten.

Insgesamt hat der Markt die SCR-Bedeckung ohne Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen von 510 Prozent in 2016 auf 480 Prozent in 2017 erhöht. Dabei veränderten sich einzelne Unternehmen teilweise sehr deutlich. Das zeigt der Map-Report Nummer 902 „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“ (VersicherungsJournal 14.6.2018).

Finanzkraft ist meistens angemessen

Mit 22 den meisten der untersuchten Unternehmen wird von dem Verbraucherverein eine „angemessen gute“ Solvabilität bescheinigt. Diese wird mit 350 und 650 Prozent im Standardmodell und 250 bis 450 Prozent im internen Modell definiert. Bewertet wird entweder die im SFCR-Bericht ausgewiesene Quote oder eine von Zielke berechnete, wenn diese schlechter ist.

Handlungsbedarf sieht der BdV bei den unterhalb von 200 beziehungsweise 150 Prozent liegenden Anbietern. Das sind die Neue Leben Unfallversicherung AG und Ergo direkt.

Die Solvenzquote ist ähnlich wie der Body-Mass-Index zu sehen. Zu dürr ist negativ, aber auch zu dick ist nicht gut.

Bund der Versicherten

Einige schießen über das Ziel des BdV hinaus

Bei Solvenzquoten über 800 Prozent im Standardmodell beziehungsweise 550 Prozent im internen Modell sehen die Verbraucherschützer ebenfalls Handlungsbedarf: „Ein übermäßig hoher Wert kann auch bedeuten, dass der Versicherer eine schlechte Risikosituation innerhalb und zwischen seinen Tarifwerken ausgleichen muss.

Hierbei wäre aber positiv zu bewerten, dass der Versicherer gerüstet ist, Tarife mit einer schlechten Risikoselektion durch Eigenmittel – und nicht ausschließlich durch Prämienanpassungen – zu sanieren. Die Solvenzquote ist ähnlich wie der Body-Mass-Index zu sehen. "Zu dürr ist negativ, aber auch zu dick ist nicht gut.“

Zu hohe Solvenzquoten sehen die Analysten bei der Allianz Private Krankenversicherungs-AG, der Arag Krankenversicherungs-AG, der Central, der Freien Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG, der Gothaer Krankenversicherung AG, der Süddeutschen Krankenversicherung a.G. und der Universa Krankenversicherung a.G.

Sechs weitere Kennzahlen

Neben der Transparenz und der Solvabilität wurden sechs weitere Kennzahlen bewertet.

  • Gewinnerwartung
  • Marktrisiko
  • Staatsanleihen
  • Diversifizierung
  • Überschussfonds
  • Risikomarge

Die Erläuterungen zu der Bewertung ist in der „Begriffsbestimmung“ (PDF, 281 KB) zu finden.

Nach der Definition des BdV schafft es kein einziger Versicherer in allen sechs Kriterien in den „grünen Bereich“. Die Arag erreicht immerhin in fünf dieser Kategorien die Höchstnote.

Den größten Handlungsbedarf mit jeweils drei Kriterien im „roten Bereich“ sehen die Verbraucherschützer bei Envivas und der Holdinggesellschaft Hansemerkur Krankenversicherung a.G.

Ausblick auf Beitragssteigerungen

Außerdem hat Dr. Carsten Zielke, Geschäftsführer von Zielke Research Consult, einen „Ausblick zur kurzfristigen Beitragsstabilität“ gegeben. Gemeint ist eine relative Stabilität in den nächsten drei bis fünf Jahren.

Positiv aus Versichertensicht bewertet der Analyst Allianz, Arag, Axa Krankenversicherung AG, Barmenia Krankenversicherung a.G., Central, DEVK, Envivas, Ergo direkt, Hansemerkur Krankenversicherung AG, Landeskrankenhilfe, LVM Krankenversicherungs-AG, Pax-Familienfürsorge Krankenversicherung AG im Raum der Kirchen, Provinzial Krankenversicherung Hannover AG, R+V Krankenversicherung AG und Württembergische Krankenversicherung AG.

 
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