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Ein Ausblick auf die Prämienentwicklung 2020 und 2021

15.11.2019 – Das globale Prämienwachstum in Nichtleben wird von 2,9 Prozent 2019 auf durchschnittlich je 2,7 Prozent 2020/21 sinken; in der Leben-Sparte wird es von 2,3 auf durchschnittlich 3,1 pro Jahr steigen. So lautet eine aktuelle Prognose des Swiss Re Institute. Für die Niedrigzinsphase sehen die Fachleute noch kein Ende.

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Das Swiss Re Institute (SRI) geht in seinem jüngsten „Sigma“-Bericht 6/2019 davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei Jahren verlangsamen wird. Als Gründe führt es die erschwerten Handelsbedingungen und geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres an.

„Unsere Einschätzung des globalen Wirtschaftswachstums hat sich seit dem letzten Jahr verschlechtert“, sagt Jérôme Jean Haegeli, Chefökonom der Swiss Re Group. „Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hatte gravierendere Auswirkungen als zunächst angenommen.“

Damit nicht genug: „Die zunehmende Polarisierung, die wir rund um die Welt beobachten, trägt zu einem Klima der Unsicherheit bei, das sich auch auf das Wirtschaftsleben auswirkt.“

Wirtschaftswachstum nach unten revidiert

Für die Eurozone hat das SRI seine ursprüngliche Wachstumsprognose für 2020 (VersicherungsJournal 23.11.2018) von den im vergangenen Jahr prognostizierten +1,4 Prozent auf +0,9 Prozent nach unten korrigiert.

„Mehr noch als den USA droht der Eurozone in Anbetracht ihrer alternden Bevölkerung eine Periode niedrigen Wachstums, niedriger Inflation und niedriger Zinssätze – auch bekannt als ‚Japanifizierung‘“, schreibt das Institut.

Ohne Reformen könnte diese Entwicklung in der Eurozone aber „sogar negativer verlaufen als in Japan selbst“, meint man im SRI. Haegeli: „Angesichts der gegenüber Japan niedrigeren Produktivität und geringeren technischen Innovationskraft kann die Eurozone von Glück reden, wenn sie eine wirtschaftliche Stagnation so gut übersteht wie Japan.“

Ein „Schlüsselelement“ sei Stabilität in einem „gut kapitalisierten Finanzsystem, das den Investitionsbedarf von Unternehmen stützen kann“.

Prämienwachstum vor allem dank Asiens Emerging Markets

In Sachen Prämienentwicklung wird 2020 und 2021 trotz dieser widrigen Verhältnisse mit einem globalen Wachstum um real drei Prozent pro Jahr gerechnet.

Der „Löwenanteil“ entfalle dabei auf die asiatischen Schwellenländer, vor allem China, wo 2020 in Nichtleben ein Plus von neun und in Leben von elf Prozent erwartet wird.

„Das exponentielle Wachstum des Mittelsegmentes privater Krankenversicherungen in China, mit einem Prämienwachstum von 1.500 Prozent in den letzten beiden Jahren, vermittelt einen Eindruck des Potenzials in diesem Markt“, veranschaulicht Haegeli.

Nichtleben: Region „Europa, Naher Osten, Afrika“ konstant

Für die Region Europa, Naher Osten und Afrika prognostiziert das SRI in der Nichtlebensversicherung 2019, 2020 und 2021 ein konstantes Wachstum von durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr.

Global läge das Plus laut SRI-Einschätzung 2019 bei 2,9 Prozent und 2020 und 2021 im Schnitt bei je 2,7 Prozent.

Prämienentwicklung Nichtleben: Rückblick und Prognose ab 2019 *

Region

2014–2018

2019

2020–2021

Entwickelte Märkte

– Europa, Naher Osten, Afrika

– Nordamerika

– Asien-Pazifik

+1,5 %

+2,2 %

+1,7 %

+1,1 %

+2,4 %

+3,2 %

+1,1 %

+1,5 %

+2,5 %

Emerging Markets

+7,8 %

+5,8 %

+6,8 %

Welt

+3,1 %

+2,9 %

+2,7 %

Zunehmendes Wachstum in der Lebensversicherung

Das globale Wachstum in der Lebensversicherung setzt die SRI-Prognose für 2019 bei 2,3 Prozent an, für die beiden kommenden Jahre im Schnitt bei je 3,1 Prozent.

Auch für die Region Europa, Naher Osten, Afrika würde es den Swiss-Re-Experten zufolge wieder nach oben gehen: Nachdem für 2019 noch mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet wird, sollte es 2020 und 2021 wieder ein Plus von durchschnittlich je 1,0 Prozent geben.

Prämienentwicklung Leben: Rückblick und Prognose ab 2019 *

Region

2014–2018

2019

2020–2021

Entwickelte Märkte

– Europa, Naher Osten, Afrika

– Nordamerika

– Asien-Pazifik

+2,2 %

+0,9 %

+0,7 %

-0,3 %

+2,0 %

+0,1 %

+1,0 %

+2,2 %

+1,3 %

Emerging Markets

+9 %

+8,8 %

+9 %

Welt

+2,7 %

+2,3 %

+3,1 %

„Kein Ende der Niedrig- und Negativzinsphase in Sicht“

Für die Niedrigzinsphase sieht das Institut derweil kein Ende und ergänzt diesen Ausblick mit einem kritischen Wort. So sei „die entschlossene Geldpolitik“ zwar ein „ausschlaggebendes, notwendiges und erfolgreiches“ Mittel zur Bewältigung der Finanzkrise gewesen.

Langfristig gesehen seien Negativzinsen jedoch schädlich, denn, so Haegeli, „sie führen zu höheren Ersparnissen, einer Fehlallokation von Kapital, mehr Schulden und Fremdfinanzierung und einer geringeren Profitabilität von Banken und Versicherungen“.

Auf kurze Sicht gehe ein niedriges Wachstum nicht unbedingt mit einer geringeren Leistungsfähigkeit der Finanzmärkte einher, solange die Zentralbanken eine expansive Geldpolitik verfolgen. „Bei einer langfristigen geldpolitischen Lockerung wächst jedoch die Gefahr der finanziellen Instabilität.“

„Neue Ansätze“ nötig

Da die geldpolitischen Optionen nach Ansicht des SRI „nahezu ausgeschöpft“ sind, bedürfe es neuer Ansätze, um den Wirtschaftsmotor „angesichts von demographischem Wandel, Protektionismus und politischer Unsicherheit“ am Laufen zu halten.

Das Institut spricht von einer Notwendigkeit „umfassenderer Reformen auf der Angebotsseite“ sowie höherer öffentlicher Investitionen, um die Produktivität zu verbessern.

„Diese werden in den kommenden Jahren vermutlich über höhere Staatsausgaben umgesetzt werden. Diese können die Produktionsleistung einer Wirtschaft ankurbeln, etwa durch Investitionen in Infrastruktur und in nachhaltige Projekte.“

Zum Herunterladen

Die Sigma-Studie „Sustaining resilience amid slowing growth: global economic and insurance market outlook 2020/21“ (englisch) ist auf einer Webseite des Swiss Re Institute abrufbar.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Konjunktur · Lebensversicherung
 
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