DIW: Besserverdiener leben länger und erzielen Renten-Plus

6.6.2019 – Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Besserverdiener überproportional mehr Rente beziehen. Untersucht wurde, wie sich die Lebenserwartungen verschiedener Geburtsjahrgänge im Verhältnis zu den Lebenslohn-Einkommen im Zeitablauf entwickelt haben und welche Verteilungswirkung dies für die Rente hat. Ausgewertet wurden Daten für männliche westdeutsche Arbeitnehmer, die zwischen 1926 und 1949 geboren wurden.

WERBUNG

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt wie in allen anderen Industrienationen auch kontinuierlich an. Allerdings haben Besserverdiener eine höhere Lebenserwartung und damit auch einen längeren Rentenbezug, stellten Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) in Berlin fest. Dadurch würden sie wiederum überproportional zu ihren eingezahlten Beiträgen profitieren.

Bis zu sieben Jahre mehr

Die Wissenschaftler des Forschungsinstituts stützen ihre Berechnungen auf das umfangreiche Datenmaterial der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ausgewertet wurden ausschließlich Daten für männliche westdeutsche Arbeitnehmer (ohne Ausländer), die zwischen 1926 und 1949 geboren wurden und die mindestens 30 Rentenentgeltpunkte angesammelt haben.

Lebenserwartung (Bild: DIW)
Die Lebenserwartung westdeutscher, männlicher Arbeitnehmer ab 65 Jahren. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: DIW)

Vergleicht man die zehn Prozent mit dem höchsten Lohneinkommen (oberstes Lohndezil) mit den unteren zehn Prozent, dann haben die Besserverdienenden der Jahrgänge 1926 bis 1949 nicht nur eine höhere Lebenserwartung. Im Zeitablauf vergrößert sich der Abstand sogar von zunächst rund vier Jahren bei den ältesten Jahrgängen auf sieben Jahre bei den heute 70-Jährigen.

DIW: Äquivalenzprinzip gerät in Schieflage

Die DIW-Wissenschaftler leiten daraus eine Schieflage ab, da die Besserverdienenden beim Rentenbezug überproportional zu ihren Einzahlungen in die Rentenkasse profitieren würden, während die unterste Lohngruppe benachteiligt würde. Angemessen wäre von daher eine Aufwertung der unteren Rentenansprüche, um die Verhältnismäßigkeit wiederherzustellen und das Altersarmutsrisiko zu senken.

Wenn Menschen mit niedrigem Lebenslohn-Einkommen nicht nur weniger, sondern auch kürzer Rente beziehen würden, dann widerspreche dies dem Äquivalenzprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung, schreiben die drei Autoren der Studie. Und diese Ungleichheit steige im Zeitablauf noch an. Die Grundsatzidee sei ja eigentlich, dass jeder relativ zu seinen eingezahlten Beiträgen gleich viel aus der Rentenkasse ausgezahlt bekommt.

Grundrente wäre eine Möglichkeit Rentenansprüche aufzuwerten

Die DIW-Wissenschaftler vermuten, dass der Zusammenhang zwischen Lebenslohn-Einkommen und Lebenserwartung künftig auch bei Frauen auftreten wird, da diese zunehmend längere Erwerbsbiografien und damit höhere Lebenslohn-Einkommen erzielen würden.

Nach Einschätzung der Forscher machen die Untersuchungsergebnisse deutlich, dass das Äquivalenzprinzip in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht gilt und damit als Argument gegen eine Aufwertung von geringen Rentenansprüchen nicht zieht. Eine solche Aufwertung würde auch der Altersarmut vorbeugen.

Das von Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) ins Spiel gebrachte Grundrenten-Modell (VersicherungsJournal 20.3.2019) wäre dabei – unabhängig von der Frage einer Bedürftigkeitsprüfung – eine Möglichkeit, schreiben die DIW-Wissenschaftler. Allerdings sollte das Armutsrisiko nicht nur über die Rentenversicherung aufgefangen werden. Als gesamtgesellschaftliche Herausforderung wären auch steuerliche Maßnahmen denkbar.

Leserbriefe zum Artikel:

Dietmar Neuleuf - Entwicklungen können ganz unterschiedlich begründet werden. mehr ...

Peter Schramm - Rentenabschlag aus Gerechtigkeitsgründen? mehr ...

Rolf Kischkat - Versicherungsjournal und Leserbriefe – ein Highlight. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersarmut · Grundrente · Lebenserwartung · Rente · Senioren
 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Wenn der Umweg statt zur Arbeit vors Gericht führt

Wegeunfälle sind oft Anlass für einen Streit mit der Berufsgenossenschaft. Dann entscheiden Richter über die Versicherungsleistung.
Über aktuelle Urteile und Lücken im gesetzlichen Unfallschutz berichtet ein neues Dossier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie gewinnen Sie Ihre Neukunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Mit vielen Problemen wollen sich Verbraucher nicht beschäftigen.
In Vortragsveranstaltungen bringen Sie sie dazu, ein Thema zu ihrer eigenen Sache zu machen.

Interessiert?
Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
4.4.2019 – Das Statistische Bundesamt hat aktuelle Zahlen veröffentlicht, wie viele Bundesbürger auf Leistungen aus der Grundsicherung angewiesen sind. Die Daten beleuchten die Situation von Personen im Rentenalter und bei Erwerbsminderung. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
21.3.2019 – Im Sommer erhalten die etwa 21 Millionen Ruheständler deutlich höhere Altersbezüge, wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil am Mittwoch verkündete. Doch darüber dürfte sich längst nicht jeder Rentner freuen. (Bild: Wichert) mehr ...
 
5.2.2019 – Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) hat mit seinem Vorstoß zur Grundrente einen neuerlichen Koalitionsstreit heraufbeschworen. Kritik kommt nicht nur von der Union, sondern auch weiteren Parteien und Wirtschaftsexperten. (Bild: Brüss) mehr ...
 
5.7.2018 – Die Deutsche Rentenversicherung hat untersuchen lassen, wie sich bis 2030 der Grundsicherungsbedarf bei älteren Menschen entwickeln wird. Dabei wurden eine ungünstige und eine eher günstige Projektion vorgestellt. (Bild: Brüss) mehr ...
 
8.6.2017 – Die Sozialdemokraten haben gestern ihr rentenpolitisches Konzept vorgelegt, das nach einer gewonnenen Bundestagwahl umgesetzt werden soll. Mit der Union dürfte das Konzept so allerdings nicht umsetzbar sein. mehr ...
 
11.5.2017 – Wie sich das Einkommen im Alter über die letzten Jahrzehnte entwickelt hat, wie hoch das Armutsrisiko ist und wie es sich zukünftig entwickeln könnte, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. (Bild: IW Köln) mehr ...
 
8.3.2017 – Was Frauen zu einer attraktiven Zielgruppe für die private Vorsorge macht, zeigen eine aktuelle Studie der R+V Versicherung und Untersuchungen des GDV. (Bild: R+V) mehr ...
 
25.10.2016 – Das Beratungsunternehmen Mercer hat die Altersversorgungs-Systeme von 27 Ländern miteinander verglichen. Die Bundesrepublik schneidet im internationalen Vergleich alles andere als überragend ab. (Bild: Mercer) mehr ...
WERBUNG