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DIW: Armutsrisiko im Alter steigt auf fast 22 Prozent

13.9.2019 – In den kommenden 20 Jahren wird das Armutsrisiko im Alter deutlich steigen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, die das DIW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Betrachtet wurden darin auch die Grundrentenmodelle der Bundesregierung. Sie werden als problematisch gesehen, insbesondere der Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung. Die Forscher plädieren für einen Freibetrag der gesetzlichen Rente beim Bezug der Grundsicherung.

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Auch bei unverändert günstigen Konjunkturaussichten in Deutschland dürfte das Armutsrisiko im Alter von derzeit 16,8 Prozent auf 21,6 Prozent im Jahr 2039 ansteigen. Dies ist ein Ergebnis einer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführten Untersuchung.

Das DIW hat hierfür verschiedene Szenarien berechnet. Vor allem den Grundrentenmodellen fehle es an Zielgenauigkeit, stellen die Autoren fest. Betrachtet haben sie hierbei die Vereinbarung laut Koalitionsvertrag und die von Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) favorisierte Variante (VersicherungsJournal 15.2.2019)

Modell zu teuer

Die Modellvariante des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) mit dem Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung sei mit jährlich rund sieben Milliarden Euro sehr teuer. Von den 3,1 Millionen berechtigten Personen hätten laut Studie 85 Prozent (2,7 Millionen Personen) aufgrund anderer Einkünfte im Haushalt eigentlich keinen Anspruch auf Leistungen der Grundrente im Alter.

Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Grundrenten-Modell würde zu jährlichen Mehrbelastungen von einer Milliarden Euro führen.

In beiden Grundrentenmodellen wird vom DIW die geforderte Versicherungszeit (einschließlich Kindererziehungszeiten und Zeiten der Pflege) von 35 Jahren als problematisch angesehen, da viele Menschen diese Marke gar nicht erreichen würden.

Mikrosimulation der Alterseinkommen

Die Studie „Anstieg der Altersarmut in Deutschland: Wie wirken verschiedene Rentenreformen?“ basiert den Angaben zufolge auf einer Mikrosimulation der Alterseinkommen 2015 bis 2050. Grundlage für die Simulationsrechnungen des DIW sind repräsentative Haushaltsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Berechnet wurde der gesamte zukünftige Einkommensmix im Alter unter Einbeziehung der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und privaten Altersvorsorge. Eine Pflichtversicherung für Selbstständige könnte der Studie zufolge erst langfristig eine Wirkung erzielen.

Freibetrag würde helfen

Selbst bei einer positiven Arbeitsmarktentwicklung müsse man mit einem deutlichen Anstieg der Altersarmut in den nächsten 20 Jahren rechnen, erklärte Christof Schiller, Studienleiter bei der Bertelsmann Stiftung.

Einem erhöhten Armutsrisiko sind der Studie zufolge Problemgruppen wie Geringqualifizierte, Solo-Selbstständige, Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, chronisch Kranke oder Menschen mit Migrationshintergrund ausgesetzt.

Eine wirksame Maßnahme könnte ein Freibetrag der gesetzlichen Rente beim Bezug der Grundsicherung sein, schreiben die Wissenschaftler. Bei einem anrechenbaren Freibetrag von 100 Euro, der heute bis auf 212 Euro weiter ansteigen könnte, müssten Begünstigte im Gegensatz zu den beiden Grundrentenmodellen keine bestimmte Mindestversicherungs-Zeit in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) nachweisen. In der Folge würde die Armutsrisikoquote sogar sinken.

Haltelinie lässt GRV-Beiträge explodieren

Die Regierungskoalition hat bis zum Jahr 2025 Haltlinien beim Rentenniveau (nicht unter 48 Prozent) und beim Beitrag (nicht über 20 Prozent) beschlossen. In der Studie wird untersucht, wie sich die Beibehaltung der Haltelinie bei 48 Prozent auf die Beitragsentwicklung auswirken würde.

Klar sei, dass jeder höhere Beitragssatz zulasten der jüngeren Generationen und zum Vorteil der Rentnergeneration gehen würde, stellt die Studie nüchtern fest.

Würde der Beitragssatz freigegeben, dann läge dieser im Jahr 2035 bereits bei 24,5 Prozent und würde bis zum Jahr 2050 weiter auf 26,7 Prozent steigen. Auch wäre das Potenzial einer solchen Reform, den zukünftigen Anstieg der Altersarmut zu bremsen, begrenzt, stellt die Studie weiter fest.

 
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