Diese Haftpflichtversicherer schrieben 2020 (tief)rote Zahlen

11.1.2022 – Mit der Feuersozietät, der Inter, der Janitos, der BGV und der DEVK Allgemeinen kamen 2020 fünf der 50 größten Anbieter in der allgemeinen Haftpflichtversicherung auf eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent. Dies zeigt der „Branchenmonitor 2015-2020: Haftpflichtversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig.

Im Geschäftsjahr 2020 fuhren die Anbieter auf dem deutschen Markt in der allgemeinen Haftpflichtversicherung ein weiteres Mal kräftige versicherungstechnische Gewinne ein. Im Schnitt erwirtschaftete die Branche über 16 Cent pro Beitragseuro.

Damit konnte die Branche das Topergebnis aus dem Vorjahr noch einmal verbessern. Dies ist dem „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2021“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zu entnehmen.

Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (nach Abwicklung in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) von 83,9 Prozent bedeutet den niedrigsten Wert seit 2002. In jenem Jahr lief es mit nicht einmal drei Cent Gewinn pro Beitragseuro am schlechtesten.

Branchenmonitor Haftpflichtversicherung Combined ration 2002-2020 (Bild: Wichert)

Fünfmal Verlust in der Haftpflichtversicherung

Doch längst nicht alle der 50 größten Gesellschaften nahmen im vergangenen Jahr in diesem Versicherungszweig mehr an Prämien ein als sie für Schäden und Kosten ausgaben. Dem stehen andererseits elf Anbieter gegenüber, die versicherungstechnisch mehr als 25 Cent Gewinn pro Beitragseuro schrieben.

Dies zeigt der „Branchenmonitor 2015-2020: Haftpflichtversicherung“ von der V.E.R.S. Leipzig GmbH. In diesem werden zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Marktteilnehmer mit rund 93 Prozent Marktanteil dargestellt.

Feuersozietät mit der höchsten Combined Ratio

Die höchste kombinierte Schaden-Kosten-Quote wird mit 113 Prozent für die Feuersozietät Berlin Brandenburg Versicherung AG ausgewiesen. Auf Werte von knapp über beziehungsweise 110 Prozent kamen die Inter Allgemeine Versicherung AG und die Janitos Versicherung AG.

Für die BGV-Versicherung AG stand mit rund 106 Prozent ebenfalls eine vergleichsweise hohe Combined Ratio zu Buche. Versicherungstechnisch nur knapp in der Verlustzone landete die DEVK Allgemeine Versicherungs-AG.

Branchenmonitor Haftpflichtversicherung höchste Combined Ratio (Bild: Wichert)

Feuersozietät verschlechterte sich um 24 Prozentpunkte

Bei allen fünf genannten Akteuren war im Vergleich zu 2019 eine Verschlechterung zu beobachten. Diese fiel bei der Feuersozietät mit 24 Prozentpunkten besonders groß aus.

Dies ist allein schadenseitig bedingt. Denn die Betriebsaufwendungen reduzierten sich von 9,7 auf 8,3 Millionen Euro. Dadurch verminderte sich die Betriebskostenquote von fast 48 auf etwa 40 Prozent. Dies bedeutet Position 37 (Vorjahr: 49) unter den aufgelisteten Marktteilnehmern.

Andererseits nahmen die Schadenaufwendungen laut Geschäftsbericht 2020 (PDF, 872 KB) um fast vier Fünftel auf knapp 14,9 Millionen Euro zu. Das Prämienvolumen stieg nur um gut ein Prozent auf 20,5 Millionen Euro. In der Folge wuchs die Schadenquote von 41 auf fast 73 Prozent an. Dies ist der zweithöchste Wert.

BGV mit der höchsten Schadenquote

Schlechter schnitt nur die BGV mit fast 92 Prozent ab. Die Steigerung der Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle von 29,5 auf 34,1 Millionen Euro führt das Unternehmen im Geschäftsbericht 2020 (PDF, 1,2 MB) auf gestiegene Geschäftsjahres-Schadenaufwendungen sowie ein schlechteres Abwicklungsergebnis zurück.

„Dieser Abwicklungsverlust ist insbesondere auf die Erhöhung der Renten-Deckungsrückstellung durch das weitere Absenken des Rechnungszinses sowie auf das geringere Abwicklungsergebnis aus den Schadenrückstellungen zurückzuführen“, wird in dem Bericht erläutert.

Auch Inter und Janitos mit hohen Schadenquoten

Die Inter hatte mit fast 72 Prozent die dritthöchste Schadenquote zu verzeichnen. Bei dem Anbieter erhöhten sich die Beitragseinnahmen (plus 3,8 Prozent auf 21 Millionen Euro) nicht einmal halb so stark wie die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle (plus 10,7 Prozent auf 15 Millionen Euro).

Dazu wird im Geschäftsbericht 2020 (PDF, 1,6 MB) ausgeführt: „Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf den Zuwachs der Geschäftsjahres-Schadenaufwendungen in Haftpflicht Gewerbe zurückzuführen, welche sich auch auf die Höhe der Spätschadenreserve auswirken.“

Für die Janitos stand die siebthöchste Schadenquote zu Buche. Bei dem Unternehmen nahmen die Schadenaufwendungen kräftig zu (plus 15 Prozent auf 8,9 Millionen Euro), während das Prämienvolumen um etwa zwei Prozent auf unter 14 Millionen Euro sank.

Nur einige Prozentpunkte über dem Schnitt der 50 im Branchenmonitor aufgeführten Gesellschaften lag die Schadenquote der DEVK Allgemeinen (54 zu 49 Prozent). Bei nur leicht erhöhtem Umsatz (plus ein Prozent auf 95,3 Millionen Euro) stiegen die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle um fast ein Drittel auf 51,5 Millionen Euro. Dabei wurde laut Geschäftsbericht 2020 (PDF, 526 KB) die Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle von 81,3 auf 98,8 Millionen Euro erhöht.

Branchenmonitor Haftpflichtversicherung Schadenquoten (Bild: Wichert)

Meist überdurchschnittlich hohe Betriebskostenquoten

Bei den fünf Akteuren mit Combined Ratios von über 100 Prozent fällt auf, dass die Betriebskostenquoten (Betriebsaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)) bis auf eine Ausnahme überdurchschnittlich hoch waren. So wird für die BGV der insgesamt niedrigste Wert von 14,7 Prozent aufgeführt.

Auf den höchsten Wert unter den 50 aufgelisteten Anbietern kommt andererseits die DEVK Allgemeine mit etwa 46,5 Prozent, was einen leichten Zuwachs von etwa zwei Prozentpunkten bedeutet.

Nur unwesentlich niedriger lag der Wert bei der Janitos (Platz 47 mit 46,3 Prozent). Betriebskostenquoten von jeweils um die 40 Prozent verzeichneten die Feuersozietät und die Inter.

Branchenmonitor Haftpflichtversicherung Betriebskostenquoten (Bild: Wichert)

Weitere Studiendetails und Bezugsmöglichkeiten

Der „Branchenmonitor 2015-2020: Haftpflichtversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse.

Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 803,25 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Maik Entrich per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659262 bestellt werden.

 
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