Diese Branchen haben das höchste Arbeitsunfallrisiko

15.10.2021 – Ein Blick in die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. zeigt, dass die Anzahl der Vollarbeiter 2020 gegenüber dem Vorjahr trotz der Coronakrise nur geringfügig gesunken ist. Deutlich höher war der Rückgang der reinen Arbeitsunfälle. Von denen wurden 2020 knapp 760.500 registriert, rund 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Daten belegen zudem, dass wie in den Vorjahren das Arbeitsunfallrisiko je nach Branche unterschiedlich war.

Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) wurden letztes Jahr 913.315 Arbeits- und Wegeunfälle gemeldet. Das waren 13,7 Prozent weniger als 2019.

Ein Unfall ist laut Siebtes Sozialgesetzbuch meldepflichtig, wenn eine gesetzlich unfallversicherte Person dabei „getötet oder so verletzt wird, dass sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig ist“. Von den über 913.300 Arbeits- und Wegeunfällen waren 760.492 (minus 12,7 Prozent) reine Arbeitsunfälle, also während der Berufsausübung und nicht auf dem Weg von oder zum Betrieb.

Etwas weniger Vollarbeiter

Aus den DGUV-Zahlen geht auch hervor, dass sich trotz der Coronapandemie die Zahl der Vollarbeiter in 2020 gegenüber dem Vorjahr nur um 0,8 Prozent auf knapp 41,22 Millionen reduziert hat.

Laut dem Verband entspricht „ein Vollarbeiter der durchschnittlich von einer vollbeschäftigten Person im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich tatsächlich geleisteten Arbeitsstundenzahl pro Jahr“.

Bei der Personalentwicklung zeigen sich unter anderem die Auswirkungen der Coronamaßnahmen wie der teils branchenspezifische Lockdown. Besonders stark ging die Beschäftigung im Bereich Nahrungsmittel und Gastgewerbe um 17,4 Prozent oder fast 360.000 Mitarbeiter und in der Branche Holz und Metall um 8,0 Prozent (fast 350.000 Vollarbeiter) zurück.

Den mit 7,8 Prozent (über 580.000 Beschäftigte) größten Zuwachs verzeichnet die öffentliche Hand.

Das sind die Versicherungsträger der gesetzlichen Unfallversicherung

Je nach Branche muss ein Unternehmen in einer Berufsgenossenschaft (BG) und damit einem Träger der gesetzlichen Unfallversicherung Mitglied sein.

Im Einzelnen sind dies die

In der DGUV-Statistik sind die Anzahl der Arbeitnehmer und die gemeldeten Arbeitsunfälle der Berufsgenossenschaften und der öffentlichen Unfallkassen berücksichtigt.

Nicht in die Statistik eingeflossen sind die Unfalldaten der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft oder im Gartenbau. Sie sind über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gesetzlich unfallversichert. Daten von 2020 liegen hierzu noch nicht vor.

Im Schnitt 18,45 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter

Summenmäßig mit rund 125.600 Fällen die meisten Arbeitsunfälle hatten die Betriebe, die bei der BG Holz und Metall abgesichert waren. Die Anzahl der Arbeitsunfälle alleine sagt jedoch wenig über das Arbeitsunfallrisiko aus.

Anders die Unfallquote, sie zeigt die Anzahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter. Statistisch gesehen gab es bei allen in der Statistik berücksichtigten Branchen letztes Jahr 18,45 Arbeitsunfälle pro 1.000 Beschäftigten und damit 12,0 Prozent weniger als im Vorjahr – 2019 waren es nämlich noch 20,97 Arbeitsunfälle je 1.000 Personen.

Bei den Berufsgenossenschaften der gewerblichen Wirtschaft ging die Quote um 9,8 Prozent auf 21,20 zurück. Den stärksten Rückgang mit 24,3 Prozent auf eine Quote von 7,2 verzeichnete die öffentliche Hand.

Arbeitsunfallstatistik für das Jahr 2020

Zuständige Versicherung

Anzahl der Vollarbeiter

+/- zu 2019 in Prozent

Anzahl der Unfälle

+/- zu 2019 in Prozent

Unfälle je 1.000 Vollarbeiter

+/- zu 2019 in Prozent

Alle BGs* und Unfallkassen**

8.089.493

7,8

58.249

-18,5

7,20

-24,3

UV der öffentlichen Hand insgesamt (Allgemeine UV)

33.129.825

-2,7

702.243

-12,2

21,20

-9,8

UV der gewerblichen Wirtschaft insgesamt

2.086.522

1,7

103.970

-2,6

49,83

-4,2

- Bauwirtschaft

1.685.411

-1,9

65.730

-11,3

39,00

-9,6

- Verkehrswirt-schaft Post-Logistik Tele-kommunikation

1.706.333

-17,4

53.878

-22,1

31,58

-5,7

- Nahrungsmittel und Gastgewerbe

3.994.973

-8,0

125.617

-11,8

31,44

-4,1

- Holz und Metall

4.482.120

-2,4

99.360

-8,2

22,17

-6,0

- Handel und Warenlogistik

1.305.794

-0,9

22.760

-9,2

17,43

-8,4

- Rohstoffe und chemische Industrie

3.051.822

-1,9

48.812

-12,1

15,99

-10,4

- Energie Textil Elektro Medien-erzeugnisse

5.230.090

2,2

72.448

-9,7

13,85

-11,6

- Gesundheits-dienst und Wohl-fahrtspflege

9.586.760

-1,6

109.668

-20,8

11,44

-19,6

- Verwaltung

8.089.493

7,8

58.249

-18,5

7,20

-24,3

Die Bauwirtschaft hatte das höchste Unfallrisiko

Die höchste Unfallquote hatte wie auch in den beiden Jahren zuvor die Bauwirtschaft zu verzeichnen. 2020 ereigneten sich hier je 1.000 Vollarbeiter 49,83 Arbeitsunfälle. Damit lag das Arbeitsunfallrisiko der Bauwirtschaft 2,7-mal höher als der Durchschnitt aller in der Statistik berücksichtigten Firmen und Institutionen.

Deutlich über dem durchschnittlichen Arbeitsunfallrisiko lagen auch die Branchen Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation mit 39,00, der Nahrungsmittel und Gastgewerbe mit 31,58 und Holz und Metall mit 31,44 Arbeitsunfällen pro 1.000 Beschäftigten.

Geringer als bei der gewerblichen Wirtschaft insgesamt, aber etwas höher als der Durchschnitt aller Firmen lag das Arbeitsunfallrisiko in Handel und Warenlogistik mit 22,17 Arbeitsunfällen je 1.000 Mitarbeiter.

Die sichersten Arbeitsplätze bietet die öffentliche Hand

Ein unterdurchschnittliches Arbeitsunfallrisiko hatten dagegen die Branchen Rohstoffe und chemische Industrie (Unfallquote: 17,43), Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (Unfallquote: 15,99), Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (13,85) und Verwaltung mit 11,44 Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter.

Die Verwaltungs-BG hatte damit eine Unfallquote, die 4,4-mal niedriger war als die der BG-Bau. Noch niedriger war das Arbeitsunfallrisiko der öffentlichen Hand mit 7,20 Arbeitsunfällen pro 1.000 Beschäftigten.

Gesetzlicher Unfallschutz mit Lücken

Anspruch auf eine gesetzliche Unfallrente von der gesetzlichen Unfallversicherung haben Verunglückte, die dadurch um eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent erleiden.

Doch selbst bei einer 100-prozentigen Erwerbsunfähigkeit ist die dann zustehende Vollrente deutlich niedriger als der Verdienst, den der Betroffene vor dem Unfall erhalten hat. Die höchste Versorgung beträgt nämlich maximal zwei Drittel des letzten Arbeitseinkommens der vergangenen zwölf Monate (Jahresarbeits-Verdienst) vor dem Unfall.

Lesetipp „Die Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung“
Cover Dossier (Bild: VersicherungsJournal)

Oft entscheiden wenige Zentimeter, ob die gesetzliche Unfallversicherung bei einem Arbeitsunfall leistet. Der Gesundheitsschaden wird dann schnell zu einem Fall für die Gerichte.

Wie begrenzt der Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung ist, wird in einem VersicherungsJournal-Dossier illustriert. Hierfür wurden zahlreiche konkrete Entscheidungen aus der Sozialgerichtsbarkeit zusammengestellt (VersicherungsJournal 13.9.2018).

Berücksichtigt werden Wegeunfälle sowie Arbeitsunfälle bei betrieblichen Veranstaltungen, Toilettengängen und im Homeoffice. Zudem liefert das Dossier statistische Daten zum Unfallgeschehen in Deutschland sowie einen Überblick über den Markt der privaten Unfallversicherung.

Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit finden sich unter diesem Link. Die Publikation steht Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals zur persönlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung.

 
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 13.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
„Da muss ich noch einmal drüber nachdenken“

Wenn Sie beim Fondsverkauf zu oft diesen Satz zu hören bekommen, dann lesen Sie dieses Buch. Ein Fondsexperte erklärt, wie der Vertriebsprozess bei Fondsprodukten funktioniert und welche Verkaufsstorys Kunden überzeugen.

Mehr Informationen erhalten Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
24.2.2021 – Der Marktführer in der privaten Krankenvollversicherung hat den Einfluss der Pandemie auf seine Versicherten untersucht. Einige Behandlungen legten im Herbst 2020 besonders zu. Das könnte auch für andere Sparten von Bedeutung sein. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
9.7.2018 – Jeder zweite Berufstätige hält nicht bis zum regulären Renteneintrittsdatum durch. Die Zweige, die besonders betroffen sind, und Faktoren, die Erwerbs- und Berufsunfähigkeit fördern, nennt der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. (Bild: TK) mehr ...
 
16.9.2021 – Einem Verwaltungsmitarbeiter war es aus medizinischen Gründen nicht möglich, die Corona-Maßnahmen zu befolgen. Daraufhin verweigerte ihm sein Arbeitgeber den Zugang zum Arbeitsplatz. Er wollte den Mann auch nicht im Homeoffice beschäftigen. Die Sache endete vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
7.6.2021 – Eine Mitarbeiterin musste wegen einer möglichen Corona-Infektion zwei Wochen zu Hause bleiben. Ihr Arbeitgeber wollte daher, dass ihm im Rahmen des Infektionsschutz-Gesetzes die von ihm geleisteten Zahlungen erstattet werden. Sein Antrag wurde abgelehnt, er zog vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
28.4.2021 – Der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat sich dazu geäußert, wann Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, Corona-Infektionen ihrer Beschäftigten der Berufsgenossenschaft mitzuteilen. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
26.4.2021 – Arbeitgeber werden zunehmend in den Infektionsschutz eingebunden. Neben Homeoffice müssen sie jetzt auch regelmäßige Corona-Tests anbieten. Wie Firmen die Vorgaben richtig anwenden, erklären AfW und BVK. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
11.3.2021 – Nicht alle Berufstätigen sind gleichermaßen vom Risiko einer Corona-Erkrankung bedroht. Wie sich die Gefahr nach Branchen aufschlüsselt, hat die AOK anhand eigener Daten ermittelt. Sie liefert auch Zahlen zu den Versicherungskaufleuten. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
19.2.2021 – Der schon geraume Zeit anhaltende Personalabbau bei den Finanz- und Versicherungs-Dienstleistern hat sich zwar auch im vierten Quartal fortgesetzt, im Branchenvergleich sieht es allerdings besser aus. Das zeigen aktuelle Destatis-Zahlen. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
16.2.2021 – Die Gefahr einer Erkrankung und bei den Betroffenen die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist je nach Branche sehr unterschiedlich. Das zeigt eine Auswertung der Barmer. (Bild: Barmer) mehr ...

Das VersicherungsJournal finanziert sich überwiegend durch Werbeeinnahmen. Dazu gehört auch, dass für die Bannerwerbung Cookies gesetzt werden. Dafür hoffen wir auf Ihr Verständnis und bitten um Ihre Zustimmung.

Nutzung mit Werbung und Cookies

Ich stimme der Verwendung von Cookies für Webanalyse und personalisierte Werbung (Tracking) zu. Details hierzu finden Sie nachfolgend und in unserer Datenschutzerklärung.

Verarbeitungszwecke

Eine Verarbeitung der auf Ihrem Gerät gespeicherten Informationen wie z.B. Cookies oder persönliche Identifikatoren, IP-Adressen sowie Ihres individuellen Nutzungsverhaltens erfolgt dabei zu den folgenden Zwecken:

  • Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen
    Für die Ihnen angezeigten Verarbeitungszwecke können Cookies, Geräte-Kennungen oder andere Informationen auf Ihrem Gerät gespeichert oder abgerufen werden.
  • Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessungen, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklungen
    Anzeigen und Inhalte können basierend auf einem Profil personalisiert werden. Es können mehr Daten hinzugefügt werden, um Anzeigen und Inhalte besser zu personalisieren. Die Performance von Anzeigen und Inhalten kann gemessen werden. Erkenntnisse über Zielgruppen, die die Anzeigen und Inhalte betrachtet haben, können abgeleitet werden. Daten können verwendet werden, um Benutzerfreundlichkeit, Systeme und Software aufzubauen oder zu verbessern.

Hinweise

Mit der Einwilligung stimmen Sie gemäß Art. 49 Abs. 1 DSGVO zu, dass auch Anbieter außerhalb der EU Ihre Daten verarbeiten. In diesem Falle ist es möglich, dass die übermittelten Daten durch lokale Behörden verarbeitet werden. Andere als die vorstehend genannten Daten werden mittels Cookies oder ähnlichen Technologien nicht gespeichert.
Im Übrigen setzen wir darauf, mit Leserdaten so sparsam wie möglich umzugehen. So setzen wir zum Beispiel zum Zählen der Seitenzugriffe einen Server ein, auf den nur wir selbst Zugriff haben. Auch das aktive Weitergeben von Namen, Anschriften oder E-Mail-Adressen an Werbetreibende kommt für uns selbstverständlich nicht in Betracht.

Impressum - Datenschutzerklärung