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Dies sind die größten Verlust- und Gewinnbringer in Schaden/Unfall

26.1.2023 – Die Beitragseinnahmen in der Kompositversicherung sind 2022 um vier Prozent auf über 80 Milliarden gestiegen. Dies gab der GDV am Donnerstag auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt. Versicherungstechnisch schaffte das Segment den Sprung zurück in die Gewinnzone, die Combined Ratio sank von 102,3 auf 95 Prozent. Die Wohngebäudeversicherung verbesserte sich von 139 auf 106 Prozent. Die höchste kombinierte Schaden-Kosten-Quote erwartet der Verband in Vollkasko (107 Prozent), wodurch auch die Kraftfahrtversicherung insgesamt in die roten Zahlen rutschte.

Im vergangenen Jahr haben die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zusammengeschlossenen Versicherer mit voraussichtlich 224 Milliarden Euro etwa 0,7 Prozent weniger Beitragseinnahmen erzielt.

In der Schaden-/ Unfallversicherung ging es um vier Prozent auf 80,4 Milliarden Euro nach oben. Dies teilte der GDV am Donnerstag im Rahmen der Jahresmedienkonferenz der deutschen Versicherer mit.

Vorläufige Zahlen

Bei den Zahlen für 2022 handelt es sich um Hochrechnungen auf Basis des dritten Quartals (Stand Ende November 2022). Das heißt, dass noch Abweichungen möglich sind. Dies war vor fünf Jahren besonders deutlich zu beobachten:

Ende Januar hatte der GDV in Wohngebäude zunächst von einer Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) von voraussichtlich 101 Prozent berichtet (VersicherungsJournal 27.1.2017).

Mitte März 2017 hatte der Versichererverband den Wert auf etwa 97 Prozent nach unten korrigiert (15.3.2017). Im Herbst wurde dann eine endgültige kombinierte Schaden-Kosten-Quote von nur 96 Prozent vermeldet (6.11.2017).

Schaden-/Unfallversicherung wieder in die Gewinnzone

Die Versicherungsleistungen (Aufwand für Geschäftsjahresschäden inklusive Schadenregulierungs-Kosten und Rückstellungen) verminderten sich im vergangenen Jahr um voraussichtlich 5,6 Prozent auf rund 59,9 Milliarden Euro.

2021 hatte allerdings noch das Sturmtief „Bernd“ (Archiv) für verheerende Schäden und Ausgaben auf Rekordniveau in Höhe von 63,5 Milliarden Euro gesorgt. Damit sind die Ausgaben nur moderat gesunken. Zum Vergleich: 2019 waren es nicht einmal 52 Milliarden Euro (29.1.2020).

Dies führt GDV-Präsident Dr. Norbert Rollinger unter anderem „zurück auf die hohe Inflation von fast acht Prozent, die sich in nahezu allen Sparten der Schaden- und Unfallversicherer niederschlug, etwa durch steigende Kosten für Autoersatzteile oder höhere Preise für Baustoffe“.

Unter dem Strich erwartet der Verband einen versicherungs-technischen Gewinn von fünf Prozent und somit eine kombinierten Schaden-Kosten-Quote von 95 Prozent. Im Vorjahr war die Quote von 90,7 auf 102,3 Prozent nach oben geschnellt.

Flotte fällt in Verlustzone zurück

Ein Blick auf die einzelnen Komposit-Versicherungssparten zeigt wenig überraschend eine große Spannbreite bei den versicherungs-technischen Ergebnissen. Das einstige „Sorgenkind“ Flottenversicherung, das zuvor zwei Mal in Folge in den schwarzen Zahlen gelandet war, fiel wieder in die Verlustzone zurück.

Der Aufwand für Geschäftsjahresschäden erhöhte sich mit 8,5 Prozent (auf vier Milliarden Euro) fast drei Mal so stark wie die Einnahmen (plus 3,0 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro). Die Combined Ratio von etwa 103 Prozent ist die höchste seit 2017. Allerdings waren es 2010 sogar noch über 117 Prozent.

Flotte (Bild: Wichert)

Wohngebäude deutlich verbessert

Drei weitere Versicherungszweige waren der GDV-Prognose zufolge im vergangenen Jahr in der Verlustzone. Dies war zum einen die verbundene Wohngebäudeversicherung. Hier rechnet der Verband mit einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von 106 Prozent nach 139,2 Prozent im Jahr 2021.

Zwar gingen die Kosten bei einer Steigerung des Prämienaufkommens um acht Prozent (auf 10,1 Milliarden Euro) um ein Viertel auf 8,0 Milliarden Euro zurück. Das reichte aber zusammengenommen nicht für eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Denn 2021 hatten sich die Ausgaben beinahe verdoppelt.

Wohngebäude (Bild: Wichert)

Kraftfahrt rutscht wieder ins Minus

In der Kraftfahrtversicherung insgesamt erhöhten sich die Einnahmen um vermutlich ein Prozent auf 29,4 Milliarden Euro. Die Kosten wuchsen fast acht Mal so stark, und zwar um 7,6 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro. Dies wird zu einer um etwa sechs Prozentpunkte schlechteren Combined Ratio von rund 101 Prozent führen.

Für den Bereich Vollkasko wird ein leicht höherer Wert von 107 (2021: 104,7) Prozent, für die Kfz-Haftpflicht ein deutlich höherer Wert von 98 (88,3) Prozent erwartet. In Teilkasko wird die Combined Ratio von 102,0 auf etwa 93 Prozent zurückgehen.

Dies ist vor allem ausgabenseitig begründet. So stiegen die Kosten in Kfz-Haftpflicht mit zwölf Prozent (auf 15,2 Milliarden Euro) 24 Mal so stark wie die Einnahmen (auf 17,1 Milliarden Euro). In Teilkasko sanken die Kosten mit 12,5 Prozent (auf 1,1 Milliarden Euro) etwa 25 Mal so stark wie die Beiträge (auf 1,7 Milliarden Euro). In Vollkasko stiegen die Ausgaben mit vier Prozent (auf 9,8 Milliarden Euro) in etwa doppelt so stark wie die Prämien (auf 10,4 Milliarden Euro).

Ansonsten findet sich nur das Segment „Sach Gewerbe/ Industrie/ Landwirtschaft“ mit 103 Prozent – trotz einer Verbesserung um über 40 Prozentpunkte – weiterhin im Minus wieder.

Die größten Gewinnbringer

Andererseits gehörten insbesondere die Zweige „Kredit-, Kautions-, Vertrauensschaden-Versicherung“ (plus weit über zehn Punkte auf 70 Prozent), verbundene Hausratversicherung (minus fast 20 Punkte auf 75 Prozent) und private Unfallversicherung (plus drei Punkte auf 77 Prozent) zu den Gewinnbringern in der Kompositversicherung.

In der allgemeinen Haftpflichtversicherung lag die Combined Ratio mit 87 Prozent in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, in Rechtsschutz fiel sie mit 97 Prozent etwas niedriger aus.

Combined Ration Sparten (Bild: Wichert)

Prognose für 2023

Auf der Jahresmedienkonferenz prognostizierte der GDV ferner eine deutliche Steigerung der Beitragseinnahmen in der Schaden-/ Unfallversicherung von etwa sechs Prozent für das laufende Jahr. Der Verband erwartet zwei gegenläufige Entwicklungen:

„Auf der einen Seite dürfte sich die Inflation weiterhin bei Versicherungssummen und Beiträgen niederschlagen. Auf der anderen Seite dürften der starke Wettbewerb und die schwierige finanzielle Situation vieler Haushalte die Beitragsentwicklung dämpfen“.

Die einzelnen Sparten seien davon in unterschiedlicher Größenordnung betroffen. So rechnet der GDV in Rechtsschutz und Unfall mit leichten, in Kraftfahrt aber bereits mit „spürbaren“ Steigerungen. Das Plus in Wohngebäude schätzt der Verband auf 16 Prozent, insbesondere wegen der kräftig gestiegenen Material- und Handwerkerkosten.

 
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