Die (un-)profitabelsten Schaden-/Unfallversicherer

9.1.2019 – Lediglich vier der 50 größten Kompositversicherer hatten 2017 eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von mehr als 100 Prozent zu verzeichnen. Auf den besten Wert kam nach dem „Branchenmonitor 2015-2017: Kompositversicherung“ die SV Sparkassenversicherung, auf den schlechtesten die Oldenburgische Landesbrand.

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2017 haben die deutschen Schaden-/Unfallversicherer nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) fast sieben Cent pro Beitragseuro Gewinn geschrieben.

Das ist noch einmal mehr als im Jahr zuvor und stellt den besten Wert seit 2006 dar. Versicherungstechnisch in der Verlustzone lagen die Kompositversicherer in den vergangenen 15 Jahren lediglich ein Mal – und zwar 2013.

Branchenmonitor Komposit (Bild: Wichert)

Seinerzeit waren die Versicherungsleistungen aufgrund gehäufter Extremwetterereignisse wie dem Juni-Hochwasser sowie diversen Hagelstürmen (VersicherungsJournal 6.1.2014) auf einen Höchstwert von 50 Milliarden Euro gestiegen.

Vier Anbieter in der Verlustzone

Insgesamt schrieben 2017 laut dem „Branchenmonitor 2015-2017: Kompositversicherung“ nur vier der 50 größten Anbieter rote Zahlen. Im Jahr zuvor traf dies noch auf sechs Anbieter zu (VersicherungsJournal 1.2.2018). Zum Vergleich: 2013 hatte sogar über die Hälfte der Marktgrößen eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent zu verzeichnen (VersicherungsJournal 22.1.2015).

Der Branchenmonitor wird von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Yougov Deutschland GmbH durchgeführt. Die Studie enthält zahlreiche Kennzahlen der 50 nach Beitragseinnahmen größten Komposit-Anbieter, die auf eine Marktabdeckung von rund 84 Prozent kommen.

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Oldenburgische Landesbrand mit der höchsten Combined Ratio

Der höchste Wert im Jahr 2017 wird für die Oldenburgische Landesbrandkasse ausgewiesen. Die Combined Ratio verschlechterte sich um über drei Prozentpunkte auf fast 117 Prozent. Die Ursache hierfür ist allerdings nicht im selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft zu suchen. Denn dort lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote laut Geschäftsbericht 2017 (PDF, 2,1 MB) nur bei 91,5 Prozent.

Hintergrund ist vielmehr ein 2016 mit der Öffentlichen Lebensversicherungs-Anstalt Oldenburg abgeschlossener Quoten-Rückversicherungsvertrag. „Dieser langfristig ausgerichtete Vertrag sieht die Übernahme von Zins- und biometrischen Risiken durch die Landesbrandkasse vor. Für die Landesbrandkasse bietet der Vertrag langfristig eine angemessene Ertragserwartung“, heißt es im Geschäftsbericht.

Diesem ist weiter zu entnehmen, dass die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle aus dem übernommenen Geschäft mit knapp 53 Millionen Euro fast ein Drittel der gesamten Aufwendungen ausmachten. Die Einnahmen dort kamen mit knapp 13 Millionen Euro nur auf einen Anteil von etwa einem Vierzehntel am Prämienaufkommen.

Weitere Anbieter mit hohen Quoten

Eine mit über 114 Prozent vergleichsweise hohe Combined Ratio stand auch für die Basler Sachversicherungs-AG zu Buche. Die Gesellschaft konnte zwar das Beitragsvolumen um gut vier Prozent auf knapp 652 Millionen Euro ausbauen. Gleichzeitig erhöhten sich aber die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle um fast ein Viertel auf über 520 Millionen Euro.

Dies führt die Gesellschaft im Geschäftsbericht 2017 (PDF, 1,6 MB) auf „die überproportionale Höhe und Häufung von Groß- und Spätschäden sowie nachteilige Entwicklungen insbesondere bei Personenschäden“ zurück.

Dies betraf vor allem die Kfz- sowie die allgemeine Haftpflichtversicherung. Dort erwirtschaftet die Basler zusammengerechnet über ein Fünftel des Prämienaufkommens. In diesen Bereichen hatte das Unternehmen jeweils die höchste kombinierte Schaden-Kosten-Quote unter den 50 größten Marktteilnehmern zu verzeichnen (VersicherungsJournal 26.11.2018, 20.12.2018).

In der Verlustzone lagen ansonsten nur noch die Allsecur Deutschland AG mit fast 107 Prozent und die Condor Allgemeine Versicherungs-AG mit knapp 102 Prozent.

Branchenmonitor Komposit (Bild: Wichert)

Die profitabelsten Schaden-/Unfallversicherer

Am besten schnitt dem Branchenmonitor zufolge die SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung AG mit einer Quote von etwa 82 Prozent ab.

Aufgrund einer gesunkenen Großschadenbelastung und deutlich niedrigerer Schadenaufwendungen vor allem in den Bereichen Wohngebäude und Extended Coverage fiel die Combined Ratio 2017 um fast zehn Prozentpunkte besser aus als im Jahr zuvor. Die erläutert das Unternehmen im Geschäftsbericht 2017 (PDF, 1,6 MB).

Dahinter folgen die Haftpflichtkasse VVaG und die Westfälische Provinzial Versicherung AG mit kombinierten Schaden-Kosten-Quoten von jeweils knapp 84 Prozent. Die beiden Gesellschaften hatten auch 2016 zu den profitabelsten Anbietern gehört.

Unter der 90-Prozent-Marke lagen 2017 ferner die Provinzial Rheinland Versicherung AG, die Landschaftliche Brandkasse Hannover (VGH), die Mannheimer Versicherung AG, die Bayerische Landesbrandversicherung AG, die WGV-Versicherung AG sowie die Debeka Allgemeine Versicherung AG.

Branchenmonitor Komposit (Bild: Wichert)

Weitere Studiendetails

Der rund 100-seitige „Branchenmonitor 2015-2017: Kompositversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zu dem Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für 743,75 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

Wie in den offiziellen Statistiken des GDV, geht auch aus den Kennzahlen des Branchenmonitors nicht hervor, wie sich die Beitragseinnahmen der einzelnen Gesellschaften hinsichtlich Privat- und Gewerbekundengeschäft verteilen.

Zudem werden große Industrieversicherer wie die Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) oder die HDI Global SE (früher HDI-Gerling Industrieversicherung AG – VersicherungsJournal 16.1.2016) nicht in der Untersuchung aufgeführt.

 
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