Die privaten Krankenversicherer mit den höchsten Beschwerdequoten

3.5.2022 – Die Bafin hat 2021 in der privaten Krankenversicherung mit fast 1.100 Beschwerden etwa ein Zwölftel mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es rund 2,5 Reklamationen pro 100.000 versicherte Personen. Auf die höchste Beschwerdequote (pro 100.000 Versicherte) kam die Inter. Die Marktgrößen weisen mehrheitlich überdurchschnittliche Werte aus.

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Im Jahr 2021 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) in der privaten Krankenversicherung (PKV) 1.088 Beschwerden abschließend bearbeitet. Das ist der aktuellen Beschwerdestatistik der Aufsicht zu entnehmen.

Dies entspricht einer Zunahme um 80 Stück beziehungsweise rund ein Zwölftel. Bereits im Jahr zuvor hatte die Bafin einen Anstieg vermeldet (VersicherungsJournal 18.5.2021), nachdem das Reklamationsaufkommen zuvor auf einen neuen Tiefststand gesunken war (12.5.2020).

Langfristig gesehen ist jedoch eine massive Abnahme zu beobachten. So lag der Wert 2004 mit fast 3.800 Reklamationen noch mehr als dreimal so hoch wie aktuell.

Entwicklung Beschwerdequote (Bild: Wichert)

Weiterhin sehr geringe Beschwerdequote

Aus diesem auf lange Sicht rückläufigen Trend kann nicht zwingend darauf geschlossen werden, dass die Kunden deutlich zufriedener mit den PKV-Anbietern geworden sind. Zumindest ein Teil der Verminderung dürfte auf die steigende Akzeptanz des Ombudsmanns Private Kranken- und Pflegeversicherung (PKV-Ombudsmann) zurückzuführen sein. Bei diesem gingen 2021 rund 6.050 weitere Beschwerden ein (2.2.2022).

Setzt man die Anzahl der Beanstandungen in Relation zu den privat krankenversicherten Personen (Voll- und Zusatzversicherung) von etwa 43,2 Millionen (9.12.2021), so kann man allerdings auch nicht von einer großen Unzufriedenheit sprechen.

Denn die Beschwerdequote bei Bafin und PKV-Ombudsmann zusammen liegt auf einem verschwindend geringen Niveau von circa 16 Eingaben pro 100.000 krankenversicherte natürliche Personen. Betrachtet man nur die Reklamationen bei der Aufsicht, liegt die Quote sogar nur bei rund 2,5 Beschwerden pro 100.000 Versicherte.

Einige Krankenversicherer ganz ohne Beschwerden

Die nach Versicherungs-Unternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik stellt nach Angaben der Aufsicht eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann.

Versicherer ohne Beanstandungen werden beispielsweise gar nicht aufgeführt. Dies gilt aktuell für die Concordia Krankenversicherungs-AG, die DEVK Krankenversicherungs-AG, die Freie Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG (FAMK), die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG und die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG.

Inter mit der höchsten Quote

Insgesamt werden in der Statistik 33 (Vorjahr: 37) PKV-Anbieter aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Versichertenbestand von mehr als 100.000 hatte die Inter Krankenversicherung AG mit einem Wert von über sieben die höchste Beschwerdequote zu verzeichnen. Laut der Statistik gab es 28 Eingaben bei etwa 392.000 Versicherten.

Eine Quote von 6,5 errechnet sich für die Axa Krankenversicherung AG, die im Vorjahr und vor vier Jahren (4.5.2018) jeweils die unrühmliche Spitzenposition belegt hatte.

Vergleichsweise hohe Werte von jeweils über fünf Eingaben pro 100.000 Versicherte stehen für die Münchener Verein Krankenversicherung a.G., die Süddeutsche Krankenversicherung a.G. (SDK), die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG (BBKK), die Gothaer Krankenversicherung AG und die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH) zu Buche.

Rangliste (Bild: Wichert)

Die Beschwerdequoten entwickelten sich bei den vorgenannten Akteuren höchst unterschiedlich. So ging es bei der Inter, dem Münchener Verein und der SDK deutlich nach oben. Bei der Axa hingegen war der Wert deutlich rückläufig.

So schlugen sich die Branchengrößen der PKV

Von den neun größten Anbietern mit mehr als 1,5 Millionen Versicherten blieb einzig die Hansemerkur Speziale Krankenversicherung AG unter der Marke von einer Beschwerde pro 100.000 Versicherte. Sie ist nicht in der Vollversicherung aktiv und verkauft hauptsächlich Brillenversicherungen im Kooperationsgeschäft mit der Optikerkette Fielmann.

Unter dem Branchenschnitt liegen mit jeweils rund 1,5 Reklamationen pro 100.000 Versicherte die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. und die Ergo Krankenversicherung AG. Leicht überdurchschnittliche Werte errechnen sich für den Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G., die DKV Deutsche Krankenversicherung AG und die Generali Deutschland Krankenversicherung AG.

Quoten von jeweils über drei hatten die Hansemerkur Krankenversicherung AG und die Allianz Private Krankenversicherungs-AG zu verzeichnen. Auf den höchsten Wert kommt wie oben beschrieben die Axa.

Branchengrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Die jährlich veröffentlichte und nach Versicherungs-Unternehmen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik soll „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Bafin. Die Aufsicht weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin.

Denn die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl wird in Relation zu den versicherten Personen zum Vorjahresende gesetzt.

„Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

 
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