Die Naturkatastrophen-Bilanz des ersten Halbjahrs

12.7.2018 – Naturkatastrophen verursachten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 laut Munich Re Schäden in Höhe von umgerechnet 28 Milliarden Euro. Das ist etwa eine Halbierung gegenüber dem Vorjahr. Versichert waren Werte von etwa 14,5 Milliarden Euro. Teuerstes Ereignis war der Wintersturm Friederike mit 2,2 Milliarden Euro Schaden; rund zwei Drittel betrafen allein Deutschland.

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2017 hatten Naturkatastrophen besonders hohe Schäden hinterlassen (VersicherungsJournal 11.4.2018). Wie die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re) am Mittwoch berichtete, war das Schadenausmaß im ersten Halbjahr 2018 deutlich geringer.

Dies, obwohl der Rückversicherer in seiner „Natcatservice“-Datenbank 430 relevante Naturkatastrophen registrierte, „mehr als im langfristigen Durchschnitt (250) und im Vorjahr (380)“.

Von 28 Milliarden Euro Schaden etwa die Hälfte versichert

Munich Re beziffert die globalen Gesamtschäden mit 33 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 28 Milliarden Euro (Tageskurs vom 11. Juli 2018). Damit seien sie etwa halb so hoch wie der Vergleichswert von 2017 (65 Milliarden Dollar oder zirka 55,5 Milliarden Euro).

Die versicherten Schäden beliefen sich laut Munich Re auf 17 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro), nach 25,5 Milliarden Dollar (21,8 Milliarden Euro) im Vorjahr.

Rund 3.000 Menschen kamen im ersten Halbjahr 2018 bei Naturkatastrophen ums Leben.

Schadenträchtigstes Ereignis war Wintersturm Friederike.

Bilanz des Winters in Europa: 3,9 Milliarden Euro Schaden

In Europa prägten Winterschäden das Schadengeschehen, so Munich Re. Sie schlugen mit 3,9 Milliarden Euro zu Buche, wovon nach Angaben des Rückversicherers 2,9 Milliarden Euro versichert waren.

„Schadenträchtigstes Ereignis war Wintersturm Friederike, der Mitte Januar mit Windgeschwindigkeiten bis zu 150 km/h im Flachland und 200 km/h in den Bergen über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland hinweg zog.“

Tausende Gebäude und Autos seien beschädigt worden, der Zugfernverkehr in Deutschland wegen umgerissener Oberleitungen eingestellt. Gesamtschaden: 2,2 Milliarden Euro, davon waren – wegen der hohen Versicherungsdichte in Europa – 1,7 Milliarden Euro versichert. Deutschland traf es besonders hart, etwa zwei Drittel der Schäden entfielen auf die Bundesrepublik.

Dabei hatte erst wenige Wochen zuvor der in denselben Regionen aufgetretene Wintersturm Eleanor (in Deutschland Burglind) einen Schaden „nahe der Milliardengrenze“ verursacht.

Gewitter und Sturzfluten

Mit einer „ungewöhnlichen Wetterkombination“ war Zentraleuropa im Mai und Anfang Juni konfrontiert. „Im Süden und Westen Deutschlands sowie in Frankreich bildeten sich in feuchtwarmen Luftmassen Serien von sehr langsam ziehenden Gewittern, die vielerorts Sturzfluten auslösten.“

Die Schäden in Folge dieser Unwetter summierten sich auf rund 1,6 Milliarden Euro, davon waren gut 900 Millionen Euro versichert. Insgesamt seien die Schäden durch Schwergewitter in Deutschland selbst nach Bereinigung um den Wertezuwachs im Zunehmen begriffen.

Während bei Schäden durch Sturm oder Hagel der größte Teil von Versicherern getragen werde, liege der versicherte Anteil bei Sturzflutschäden meist deutlich unter 50 Prozent, fügt Munich Re hinzu.

Vielerorts werden Einbußen bis hin zu Totalausfällen befürchtet.

Hitze und Dürre

Gleichzeitig hatten Nordostdeutschland, Dänemark sowie Teile Polens, Skandinaviens, des Baltikums und des Balkans mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen. Die Folge sei, „dass in vielen betroffenen Regionen die Getreideernte sehr schlecht ausfallen wird. Vielerorts werden Einbußen bis hin zu Totalausfällen befürchtet“.

Ursache beider Phänomene war eine Wetterlage, bei der ein blockierendes Hochdruckgebiet über Skandinavien und ein hochreichendes Tiefdruckgebiet über westlichen bis zentralen Teilen Europas lag, erläutert Munich Re. „Teile Zentraleuropas verzeichneten den wärmsten Mai seit 1881, wie auch bereits den wärmsten April.“

Blick in eine Zukunft mit Klimawandel

Auf den Klimawandel können solche einzelnen Ereignisse nicht zurückgeführt werden, sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re.

„Aber: Klimamodell-Studien zeigen, dass ein künftiger Effekt der Temperaturzunahme häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie intensivere konvektive Starkniederschläge sind. Die Wetterabläufe passen also grob in das Muster, das der Klimawandel für die Zukunft noch häufiger erwarten lässt.“

Torsten Jeworrek (Bild: Munich Re)
Torsten Jeworrek (Bild: Munich Re)

Dr. Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied bei Munich Re, betont, es sei wichtig, die langfristigen Entwicklungen zu kennen. Es gelte, „weiter jede Anstrengung [zu] unternehmen“, die Hintergründe von Naturkatastrophen zu verstehen und Präventionsmaßnahmen einzuleiten.

„Wie sinnvoll das ist, zeigen Statistiken zu Hochwasserschäden in Europa, die durch Investitionen in Schutzmaßnahmen tendenziell zurückgegangen sind.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Geschäftsbericht · Katastrophen · Rückversicherung · Unwetter
 
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