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Die Lebensversicherer mit den größten Stornoproblemen

13.1.2021 – Im Schnitt der Jahre 2015 bis 2019 betrug die Bestandsstornoquote der deutschen Lebensversicherer laut Map-Report 917 2,76 Prozent. Die besten Werte (jeweils unter ein Prozent) werden für die Hannoversche Leben und die Europa ausgewiesen. Auf vergleichsweise hohe Quoten kamen Targo, PB, Neue Leben und Provinzial Rheinland. Von den Branchengrößen landeten nur Cosmos und Marktführer Allianz in den Top Ten.

Die Bestandsstornoquote (Hauptversicherungen, Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen zuzüglich sonstiger vorzeitiger Abgänge in Prozent des mittleren Vertragsbestandes des Geschäftsjahres) der deutschen Lebensversicherer ist 2019 nach zuvor zehn Rückgängen in Folge wieder angestiegen.

Mit 2,70 Prozent fiel die Quote allerdings um fast ein Drittel niedriger aus als 2008, als noch eine Vier vor dem Komma stand (VersicherungsJournal 2.12.2020). Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre (2015 bis 2019) betrug die Quote laut dem Map-Report Nummer 917 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2019“ (30.11.2020) 2,76 Prozent.

Stornoquote

Bei der Stornoquote werden Rückkäufe und vorzeitige Abgänge in Beziehung zum mittleren Jahresbestand gesetzt. Diese Quote ist für den Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Lebensversicherers, die „misst, wie viele Verträge, in Prozent des Bestandes, vorzeitig gekündigt werden“.

Durch diese Quote werden junge, schnell wachsende Unternehmen laut Klages möglicherweise benachteiligt. Denn der Nenner ist klein, und in den ersten Jahren passieren viele Storni.

Häufig ist diese Kennzahl – neben schlechter Beratung – auch ein Indiz für eine Strategie, die stark auf Finanzierungen oder Geldanlagen setzt. Ändern sich dann steuerliche Rahmenbedingungen oder fällt der Investitionszweck weg, wird schnell storniert, erläutert der Map-Report-Chefredakteur.

Der vorzeitige Abgang von Verträgen hänge auch von externen Faktoren ab, die sich dem Einflussbereich des Versicherers entzögen – so beispielsweise von der wirtschaftlichen und persönlichen Situation des Versicherungsnehmers. In der Regel nehme die Stornohäufigkeit mit zunehmender Bestandszugehörigkeit ab, so Klages weiter.

Direkt auf die Unternehmensqualität schließen lässt die Stornoquote allerdings nicht. Dies hat der Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) Peter Schramm vor einiger Zeit in einem Leserbrief im VersicherungsJournal dargelegt.

Fünf Lebensversicherer mit Werten von unter 1,5 Prozent

Den Daten aus der Map-Report-Datenbank zufolge blieben im Betrachtungszeitraum insgesamt 18 von 58 aufgeführten Anbietern unter der Zwei-Prozent-Marke. Auf den ersten beiden Plätzen liegen die Hannoversche Lebensversicherung AG und die Europa Lebensversicherung AG, bei denen die Quoten sogar jeweils unter einem Prozent liegt.

An dritter Stelle folgt mit der Cosmos Lebensversicherungs-AG ein weiterer Direktversicherer. Die Position vier belegt die Allianz Lebensversicherungs-AG mit hauchdünnem Vorsprung vor der Münchener Verein Lebensversicherung AG.

Niedrige Stornoquoten (Bild: Wichert)

Die niedrigen Quoten sind zum Teil unter anderem auf die Bestandszusammensetzung zurückzuführen. So sind die Europa sowie die Dialog ganz überwiegend im Risiko-Geschäft unterwegs. Der Anteil dieser Policen am Gesamtbestand liegt jeweils bei um die 90 Prozent. Bei der Hannoverschen und der Cosmos sind es zwischen gut zwei Drittel und deutlich mehr als die Hälfte.

Die Anbieter mit den höchsten Quoten

Für 17 Akteure werden Werte zwischen zwei und unter drei Prozent, für 15 weitere Gesellschaften zwischen drei und unter vier Prozent ausgewiesen. Die acht verbleibenden Unternehmen kommen auf Quoten von über vier Prozent.

Am unteren Ende der Rangliste findet sich die Targo Lebensversicherung AG mit fast neun Prozent wieder. Vergleichsweise hohe Werte werden auch für die PB Lebensversicherung AG, die Neue Leben Lebensversicherung AG und die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG ausgewiesen.

Hohe Stornoquoten (Bild: Wichert)

So schlugen sich die Branchengrößen

Etwas kleiner fällt die Spreizung bei den Marktgrößen mit mehr als zwei Prozent Marktanteil, (11.1.2021) aus, die noch Neugeschäft betreiben. Sie reicht von um die 1,4 Prozent bei der Cosmos und der Allianz bis zu fast 4,1 Prozent bei der Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG.

Über dem Schnitt liegen ansonsten nur noch die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG und die Generali Deutschland Lebensversicherung AG.

Auf Quoten von jeweils um die zwei Prozent kommen die Württembergische Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG, die Axa Lebensversicherung AG, die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. und der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. In etwa auf dem Branchenschnitt liegt die Nürnberger Lebensversicherung AG.

Stornoquoten der Branchengrößen (Bild: Wichert)

Bezugshinweis und weitere Studieninhalte

Der Map-Report Nummer 917 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherung 2019“ ist bei der Franke und Bornberg Research GmbH erschienen.

Er enthält auf 203 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu zahlreichen Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2019) von 80 Anbietern. Dazu gehören unter anderem auch die Storno- (2.12.2020), die Abschlusskosten- (9.12.2020) und die Verwaltungskostenquoten (16.12.2020).

Geboten werden ferner Tabellen zu weiteren Kennziffern zur Bestands- und Neugeschäftsentwicklung. Das Heft ist als E-Paper ab 363 Euro brutto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.

Leserbriefe zum Artikel:

Matthias Stehr - Statistik ist verzerrt. mehr ...

 
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