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Die häufigsten Behandlungsfehler

18.5.2020 – Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern haben jetzt ihre Behandlungsfehler-Statistik für das Jahr 2019 in Deutschland vorgestellt. Insgesamt gingen sie rund 11.000 Vorwürfen von Fehlbehandlung nach. In etwa 1.900 Fällen hat sich dieser Verdacht bestätigt. Bei 80 Prozent davon wurde der Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung nach sich zog.

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Im vergangenen Jahr wurden 10.709 Begutachtungsanträge zu vermuteten Behandlungsfehlern gestellt. Das entspricht einem leichten Rückgang von 1,2 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor (VersicherungsJournal 4.4.2019). Dies zeigt die aktuelle Behandlungsfehler-Statistik, welche die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern am Freitag vorgestellt haben.

Knapp 10.500 Anträge wurden erledigt

Wie die „Statistische Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für das Statistikjahr 2019“ der Bundesärztekammer weiter zeigt, wurden im Berichtsjahr 10.436 Anträge erledigt (plus 5,4 Prozent). In gut 60 Prozent davon hat die zuständige Kommission beziehungsweise Schlichtungsstelle eine Sachentscheidung getroffen.

In rund 70 Prozent (2018: etwa zwei Drittel) der Beschwerden wurden ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmängel verneint. In 1.871 (1.817) Fällen kam die zuständige Stelle zu dem Schluss, dass ein Behandlungsfehler vorgelegen hat. In 29 (41) weiteren Fällen wurde nur ein Risikoaufklärungsmangel bejaht.

Fast 1.600 dokumentierte Gesundheitsschäden durch Ärztefehler

Dem Datenmaterial ist weiter zu entnehmen, dass in mehr als vier von fünf Ereignissen – insgesamt 1.568 (1.499) – ein bestätigter Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel ursächlich für einen Gesundheitsschaden war.

In etwa jeder 18. (17.) davon hatte tödliche Folgen. Fast vier von zehn Fehlern führten zu einem Dauerschaden, erneut weit über die Hälfte zu einem vorübergehenden Gesundheitsschaden. Unverändert lediglich etwas mehr als jeder 100. Missgriff führte zu einem nur geringfügigen Schaden.

Behandlungsfehler (Bild: Wichert)

Problemfelder Knie- und Hüftgelenks-Arthrosen

Die meisten der über 6.400 getroffenen Sachentscheidungen – jeweils fast 200 – betrafen Diagnosen (dreistellige ICD-10-Schlüssel) von Kniegelenks-Arthrosen (M17). Knapp dahinter folgen, wie im Vorjahr, Hüftgelenks-Arthrosen (M16).

An dritter bis fünfter Stelle liegen dicht beieinander Unterschenkel- und Sprunggelenksbrüche (S82), Oberschenkelfrakturen (S72) sowie Unterarmbrüche (S52). Vergleichsweise häufig passierten Missgriffe auch bei Frakturen von Schulter und Oberarm (S42).

Häufigste ICD-10-Diagnosen (Bild: Wichert)

Am häufigsten Unfallchirurgie/ Orthopädie betroffen

Weitere Ergebnisse: Der größte Anteil der Begutachtungsanträge entfiel auf das Feld Unfallchirurgie/ Orthopädie. Bei den niedergelassenen Ärzten traf dies auf 409 (2018: 402) von 1.797 (1.669) Fällen zu. Im Krankenhausbereich waren 1.757 (1.690) von 5.518 (5.259) Fällen betroffen.

In letzterem Segment liegen die Fachgebiete Allgemeinchirurgie und Innere Medizin an zweiter und dritter Stelle. Bei den niedergelassenen Medizinern waren hausärztlich tätige Ärzte am zweithäufigsten betroffen. Dahinter folgt der Bereich Augenheilkunde. Größere Rangverschiebungen im Vergleich zum Vorjahr gab es nicht.

Die häufigsten Fehlerarten

In der Statistik werden auch die häufigsten Ursachen aufgelistet. Bei den niedergelassenen Doktoren passierten am häufigsten Fehler im Segment Diagnostik (bildgebende Verfahren). An zweiter bis dritter Stelle liegen Unzulänglichkeiten während der Anamnese beziehungsweise Untersuchung sowie während Zusatzuntersuchungen wie etwa im Labor.

Im Krankenhausbereich geschahen die meisten Missgriffe während einer Operation. Dahinter folgen die Bereiche Diagnostik (bildgebende Verfahren), Indikation und postoperative Therapiemaßnahmen.

Weitere Informationen zur Darlegungs- und Beweislast sowie Definitionen der Begriffe „Behandlungsfehler“ und „Gesundheitsschaden“ können auf dieser Internetseite der Bundesärztekammer nachgelesen werden. Informationen zum Verfahrensgang finden sich hier.

Keine systematische Erfassung

Eine Statistik zu Behandlungsfehlern legen im Jahresturnus auch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) vor. Im Berichtsjahr 2018 bestätigte sich in jedem vierten der über 14.100 Vorwürfe von Fehlbehandlung der Verdacht auf einen Behandlungsfehler (17.5.2019)

„Obwohl als Nebeneffekt [der Statistik, Anmerkung der Redaktion] die umfangreichsten Informationen über begutachtete Behandlungsfehler in Deutschland enthalten sind, können diese Daten weder vollständig die tatsächlich stattfindenden Fehler abbilden noch repräsentativ für diese sein“, wird in der Publikation ausgeführt.

Deshalb seien valide Rückschlüsse auf die allgemeine Fehlerhäufigkeit und das damit assoziierte Niveau der Patientensicherheit in Deutschland leider nicht möglich. Zudem wird darauf hingewiesen, dass in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – keine Behandlungsfehler-Statistik existiere, mit der im epidemiologischen Sinne gezielt Behandlungsfehler erfasst würden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Gesundheitsreform · Versicherungsombudsmann
 
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