Die Deutschen kennen vor allem eine Angst

11.9.2020 – Seit 1992 erstellen die R+V Versicherungen jährlich die Studie „Die Ängste der Deutschen“. So niedrig wie aktuell war der Angstwert noch nie. Sorgen bereitet vor allem die Trumpsche Außenpolitik. Die Coronakrise lässt wirtschaftliche Ängste wieder stärker werden. Westdeutsche sind insgesamt gelassener als Ostdeutsche.

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„Die Deutschen reagieren auf die Pandemie keineswegs panisch“, meint Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters. Mit 37 (Vorjahr: 39) Prozent ist der Angst-Index der R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ auf den niedrigsten Stand seit seiner Erfassung 1992 gesunken (VersicherungsJournal Archiv).

Für die 29. Ausgabe ihrer Studie „Die Ängste der Deutschen“ hat das Infocenter der R+V-Gruppe vom 8. Juni bis zum 21. Juli 2020 rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt.

Reale Bedrohungen – keine Spur von „German Angst“

Zwar habe die Pandemie die Rangfolge der Langzeitstudie durcheinander gewirbelt, dies betreffe aber wirtschaftliche Probleme. Die Angst vor einer Infektion ist gegenüber der Sonderumfrage im Frühjahr um neun Prozentpunkte auf 32 Prozent gesunken (VersicherungsJournal 8.4.2020).

„Unser Angst-Index steigt immer dann an, wenn die Probleme nicht lösbar scheinen oder bei Terroranschlägen“, erläuterte Römstedt bei der Vorstellung der Studie den Angst-Index. Dieser ist der Durchschnitt aus der Summe aller Einzelsorgen. Die Befragten können im persönlichen Gespräch einzelne Tatbestände mit Noten zwischen eins und sieben bewerten. Nur die Noten fünf, sechs und sieben zählen dann als „Angst“.

Angst-Index (Bild: R+V)
Die Ängste der Deutschen im Langzeitvergleich. Zum Vergrößern Bild klicken.
(Bild: R+V)

Aktuell sorgten sich die Deutschen um internationale und nationale Probleme. Ihre Ängste seien Reaktionen auf reale Bedrohungen in Gesellschaft und Politik. Also keine Spur von der sprichwörtlichen „German Angst“, so Römstedt.

Politik in Deutschland macht ihren Job gut

Dazu passt, dass nur noch 40 Prozent befürchten, dass die Politiker mit ihren Aufgaben überfordert sind. Dies ist der niedrigste Wert seit 2002, als die Frage neu in die Umfrage aufgenommen wurde. Damit fällt diese Sorge erstmals aus dem Ranking der Top Ten und landet auf Platz zwölf.

„Hier spiegelt sich die weit verbreitete Wertschätzung für das Corona-Krisenmanagement der Regierung. Offensichtlich ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, dass der Staat und seine Politiker die Krise hinreichend im Griff haben“, kommentiert Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität. Er begleitet die R+V-Studie seit 16 Jahren.

Zum zweiten Mal nach 2018 wurde als größtes Problem (53 Prozent) die Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump eingestuft. Im Hinblick auf die immer wieder schweren internationalen Verwicklungen des Präsidenten sei diese Sorge berechtigt, so Schmidt.

Corona weckt vor allem wirtschaftliche Ängste

Die Corona-Pandemie weckt in der Bevölkerung vor allem wirtschaftliche Ängste. Sich selbst zu infizieren, fürchten 40 Prozent der Über-60-Jährigen, aber nur 32 Prozent der 40- bis 59-Jährigen und nur 26 Prozent der 20- bis 39-Jährigen.

Infolge der Pandemie rückt die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten erstmals seit sechs Jahren wieder unter die sieben größten Ängste und kommt mit 51 Prozent auf Platz zwei. Andere Wirtschafts- und Finanzängste kommen hinzu: 49 Prozent befürchten, dass die deutschen Steuerzahler für überschuldete EU-Staaten zur Kasse gebeten werden, 48 Prozent eine schlechtere Wirtschaftslage und 40 Prozent mehr Arbeitslose.

Sorgen um die Umwelt auf dem fünften Rang

Umweltsorgen liegen auf Platz fünf. 44 Prozent ängstigen sich, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen betroffen sein könnte. Diese Sorgen äußern Jüngere öfter als Ältere, bei denen die wirtschaftlichen Ängste höher sind.

42 Prozent fürchten, dass Nahrungsmittel häufiger mit Schadstoffen belastet sind und 40 Prozent nennen die Folgen des Klimawandels. 43 Prozent haben Ängste vor Konflikten durch weitere Zuwanderung (Ost: 56 Prozent, West: 40 Prozent).

Die Ängste der Deutschen (Bild: R+V)
Platz eins bis zehn der Ängste der Deutschen. Angaben in Prozent.
Zum Vergrößern Bild klicken. (Bild: R+V)

In manchen Regionen sind die Menschen mehr besorgt

Nicht mehr repräsentativ, aber zumindest als Tendenz interessant: Im Osten sind die Bürger wie bei der Studie 2019 sorgenvoller als im Westen. Sie kommen durchschnittlich auf einen Angstindex von 42 Prozent gegenüber 35 Prozent im Westen.

Zwar seien im Osten die innenpolitischen Sorgen gesunken, doch stünden Zuwanderungsthemen dort nach wie vor ganz oben. Am ängstlichsten seien die Menschen in Thüringen und Brandenburg, am entspanntesten in Nordrhein-Westfalen.

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Coronavirus · Gesundheitsreform · Marktforschung · Ranking · Unwetter
 
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