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Die Branchen mit dem höchsten Arbeitsunfallrisiko

11.9.2019 – Obwohl die Anzahl der Vollarbeiter insgesamt letztes Jahr um fast acht Prozent abgenommen hat, ist die Zahl der Arbeitsunfälle leicht angestiegen. Das hat auch damit zu tun, dass hauptsächlich in einer Branche die Anzahl der Vollarbeiter deutlich abgenommen hat. In dieser fällt aber das Arbeitsunfallrisiko im Vergleich zu anderen um bis zu zwei Drittel niedriger aus. In fast allen anderen Branchen hat sich dagegen die Zahl der Vollarbeiter erhöht. Das höchste Arbeitsunfallrisiko hatte in 2018 die Bauwirtschaft mit 53,07 Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter. Es war damit mehr als doppelt so hoch wie im branchenübergreifenden Durchschnitt.

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Laut der aktuellen Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) hat sich die Zahl der Vollarbeiter 2018 gegenüber dem Vorjahr um fast 8,0 Prozent, nämlich von 41,27 Millionen in 2017 auf knapp 37,98 Millionen Vollarbeiter in 2018 reduziert. Gemäß DGUV entspricht „ein Vollarbeiter der durchschnittlich von einer vollbeschäftigten Person im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich tatsächlich geleisteten Arbeitsstundenzahl pro Jahr“.

Die meldepflichtigen Arbeitsunfälle sind im gleichen Zeitraum dagegen von rund 873.500 auf knapp 877.200 Fälle und damit um 0,42 Prozent gestiegen  (VersicherungsJournal 5.9.2019).

Unterschiedliche Branchenentwicklung

Allerdings gab es im Vergleich zu den jeweiligen Branchen sowohl beim Arbeitsunfallgeschehen wie auch bei der geänderten Anzahl der Vollarbeiter unterschiedliche Entwicklungen. Ein meldepflichtiger Arbeitsunfall ist ein Unfall, den ein gesetzlich Unfallversicherter während einer versicherten beruflichen Tätigkeit erleidet und aufgrund dessen er länger als drei Tage arbeitsunfähig ist.

Der Rückgang um 3,29 Millionen Vollarbeiter insgesamt ergibt sich aus eine Reduzierung in zwei Branchen um 4,24 Millionen und einer Steigerung bei allen anderen Branchen um über 947.000 Vollarbeiter. Den größten Rückgang gegenüber 2017 mit minus 34,51 Prozent, das waren 4,29 Millionen weniger Vollarbeiter, hatten Firmen, die Mitglieder der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft waren.

Daten der Versicherungsträger

In der DGUV-Statistik sind die gemeldeten Arbeitsunfälle der Berufsgenossenschaften (BG) und der Unfallkassen der öffentlichen Hand, alles Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV), berücksichtigt.

Im Einzelnen sind dies die BG Rohstoffe und chemische Industrie, BG Holz und Metall, BG Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse, BG Bau, BG Handel und Warenlogistik, BG Verkehr, BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe, Verwaltungs-BG, BG Gesundheits- und Wohlfahrtspflege sowie die Unfallkassen der öffentlichen Hand.

Arbeitsunfallstatistik für das Jahr 2018

Anzahl der Vollarbeiter

Veränderung gegenüber 2017 in Prozent

Anzahl der Arbeitsunfälle

Veränderung gegenüber 2017 in Prozent

Insgesamt

37.978.727

-7,98

877.198

0,42

UV der öffentlichen Hand insgesamt (Allgemeine UV)

5.645.919

7,33

71.790

-2,51

UV der gewerblichen Wirtschaft insgesamt

32.332.808

-10,22

805.408

0,69

- BG der Bauwirtschaft

1.991.334

2,96

105.687

1,86

- BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

3.080.428

0,83

56.149

1,34

- BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

5.188.255

5,16

77.571

0,26

- BG Handel und Warenlogistik

4.595.710

0,20

107.040

1,12

- BG Holz und Metall

4.317.306

1,87

148.640

1,40

- BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe

2.079.072

2,40

66.259

-2,09

- BG Rohstoffe und chemische Industrie

1.333.217

6,97

24.204

7,27

- BG Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation

1.703.727

-0,14

74.769

2,00

- Verwaltungs-BG

8.043.759

-34,51

145.089

-1,55

Nicht in die Statistik eingeflossen sind die Daten der Betriebe, die in der Land- und Forstwirtschaft oder im Gartenbau tätig sind. Sie sind über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gesetzlich unfallversichert. Arbeitsunfalldaten für 2018 liegen hierzu noch nicht vor.

Im Schnitt 23,1 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter

Zahlenmäßig mit 148.640 Fällen die meisten Arbeitsunfälle hatten die Betriebe, die bei der BG Holz und Metall abgesichert waren. Die Anzahl der Arbeitsunfälle alleine sagt jedoch wenig über das Arbeitsunfallrisiko je Branche aus. Anders die Unfallquote: Sie zeigt die Anzahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeitern.

Bei allen in der Statistik berücksichtigten Firmen gab es letztes Jahr im Durchschnitt 23,1 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter, was einem Anstieg gegenüber 2017 um 9,13 Prozent entspricht. Bei Betrieben und Beschäftigten der gewerblichen Wirtschaft, also allen, die bei den Berufsgenossenschaften gesetzlich unfallversichert sind, waren es dagegen 24,91 Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter im Jahr 2018. Damit belief sich die Steigerung auf 12,15 Prozent.

Das höchste Arbeitsunfallgeschehen hatte die Bauwirtschaft zu verzeichnen. 2018 gab es hier je 1.000 Vollarbeiter 53,07 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Damit liegt das Arbeitsunfallrisiko der Bauwirtschaft fast 2,3-mal höher als der Durchschnitt aller Firmen sowie 2,1-mal höher als bei der gewerblichen Wirtschaft.

Das branchenspezifische Arbeitsunfallrisiko

Deutlich über dem durchschnittlichen Arbeitsunfallrisiko lagen auch die Mitglieder der BG Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation mit 43,89, der BG Holz und Metall mit 34,43 und der BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe mit 31,87 Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollarbeitern.

Geringer als bei der gewerblichen Wirtschaft insgesamt, aber etwas höher als der Durchschnitt aller Firmen lag das Arbeitsunfallrisiko bei den Mitgliedern der BG Handel und Warenlogistik mit 23,29 Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeitern.

Ein unterdurchschnittliches Arbeitsunfallrisiko hatten dagegen Betriebe, die Mitglieder der BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (Unfallquote: 18,23), der BG Rohstoffe und chemische Industrie (Unfallquote: 18,15) sowie der Verwaltungs-BG (Unfallquote: 18,04) waren.

Arbeitsunfälle nach BG (Bild: Zwick)

Niedrigste Unfallquoten

Die niedrigste Unfallquote bei allen BG-versicherten Firmen gab es mit 14,95 Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter bei Unternehmen, die der BG Gesundheits- und Wohlfahrtspflege angehörten. Im Vergleich dazu hatten die Mitglieder der BG Bau ein um mehr als 3,5-mal höheres Arbeitsunfallrisiko.

Noch niedriger war das Arbeitsunfallrisiko der Beschäftigten, die bei den Unfallkassen der öffentlichen Hand versichert waren. Hier wurden 12,72 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter gemeldet.

Arbeitsunfallrisiko hat sich bei Verwaltungsbetrieben verdoppelt

Insgesamt sind die Unfallquoten 2018 im Vergleich zum Vorjahr bei den Mitgliedern von fünf BGen angestiegen. Nämlich bei der BG Rohstoffe und chemische Industrie um 0,28 Prozent, der BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse um 0,51 Prozent, der BG Handel und Warenlogistik um 0,92 Prozent und der BG Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation um 2,14 Prozent

Den größten Anstieg gab es mit 50,32 Prozent bei der Verwaltungs-BG.

Die Mitglieder aller anderen Träger der GUV hatten 2018 eine niedrigere Unfallquote als im Vorjahr. Konkret gab es einen Rückgang beim Arbeitsunfallrisiko um 0,46 Prozent bei der BG Holz und Metall, um 1,06 Prozent bei der BG der Bau, um 4,38 Prozent bei der BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe und um 4,66 Prozent bei der BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Auch die Unfallquote bei den Unfallkassen der öffentlichen Hand sank, und zwar um 9,17 Prozent.

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