Deutsches Altersvorsorgesystem schneidet nur mittelmäßig ab

22.10.2019 – Im „Melbourne Mercer Global Pension Index 2019“ landet das Altersversorgungssystem der Bundesrepublik nur auf dem 13. Platz von 37 untersuchten Ländern. Nachhol- und Reformbedarf sehen die Studienautoren vor allem in der Nachhaltigkeit des deutschen Systems.

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Seit 2009 erstellt das Beratungsunternehmen Mercer LLC in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies den „Melbourne Mercer Global Pension Index“. Für die aktuelle Auflage wurden Stärken und Schwächen der Altersversorgungs-Systeme von 34 (Vorjahr: 30) Ländern untersucht. Der Index deckt laut Mercer knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung ab.

Neben den staatlichen Altersvorsorgesystemen und der betrieblichen Altersversorgung (bAV) werden den Angaben zufolge auch private Anlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt.

Grundzüge der Methodik

Der Gesamtindex (zwischen null und 100) setzt sich dabei zusammen aus dem gewichteten Durchschnittswert der drei Sub-Indizes „Angemessenheit“ (40 Prozent Gewichtung), „Nachhaltigkeit“ (35 Prozent) und „Integrität“ (25 Prozent). Sie sind in insgesamt über 40 Kriterien unterteilt.

Beim Index „Integrität“ spielen unter anderem die Faktoren staatliche Aufsicht, „Governance“, Kosten, Risikosteuerung und Kommunikation eine Rolle. So wird ermittelt, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist.

Der Index „Nachhaltigkeit“ geht anhand von Faktoren wie Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und flexible Arbeitszeitmodelle für ältere Arbeitnehmer der Frage nach, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann.

Beim Index „Angemessenheit“ geht es um die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale wie etwa Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, Gestaltung der Altersversorgungs-Modelle und Sparquote.

Niederlande an der Spitze

Spitzenreiter im Gesamtranking sind zum zweiten Mal in Folge (VersicherungsJournal 23.10.2018) die Niederlande mit 81,0 (80,3) Punkten. Ebenfalls erneut über der 80-Punkte-Marke landete Dänemark, das damit die zweite Position verteidigte. Im Jahr davor hatten die Skandinavier noch an der Spitze gelegen (24.10.2017).

Die beiden vorgenannten Länder erreichten damit als einzige zwei Nationen „A“-Noten. Sie sind damit den Analysten zufolge am besten auf die Herausforderungen der älter werdenden Bevölkerung vorbereitet.

Deutschland auf Rang 13

Deutschland kommt trotz eines leicht von 66,8 auf 66,1 Punkte verschlechterten Indexwertes erneut auf den 13. Rang und die Note „B“. Dabei erzielte die Bundesrepublik beim Sub-Index Angemessenheit mit 78,3 Prozent eine Top-Fünf-Platzierung.

In Sachen Integrität reichte es immerhin für das Mittelfeld, während Deutschland in Bezug auf die Nachhaltigkeit nur unterdurchschnittlich abschnitt.

Top Fünf (Bild: Wichert)

Appell an die Unternehmen

„Unser Rentensystem muss nachhaltig gestärkt werden und dazu gehört neben einer soliden Finanzierung auch, dass die flächendeckende Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung – gerade im Niedriglohnsektor – forciert wird“, so das Fazit von Mercer-Deutschland-CEO Achim Lüder.

Das BRSG, das auf die Erhöhung der Teilnahmequoten an der betrieblichen Altersversorgung ziele, sei bisher weitgehend wirkungslos geblieben. „Hier sind insbesondere die Tarifparteien gefordert, die Voraussetzungen zur Einführung von Sozialpartnermodellen zu schaffen“, führt Lüder weiter aus. Hier stehen inzwischen die ersten praktischen Umsetzungen an (18.10.2019).

Der Mercer-Deutschland-CEO sieht andererseits aber auch die Unternehmen aufgefordert, „die betriebliche Altersvorsorge als einen zentralen Benefit attraktiver zu machen.

Mitarbeitergruppen in den Organisationen sind heutzutage nicht mehr homogen. Daher sind flexible und individualisierbare Lösungen wichtig. Diese müssen zielgruppengerecht gestaltet sein und die Informationen zur Altersvorsorge eines Arbeitnehmers verständlich, in Echtzeit, über digitale Portale und auf gängigen Devices zugänglich machen. Dann wird auch der Wert dieses Benefits deutlich“.

Empfehlungen

Aus den Studienergebnissen leiten die Mercer-Berater für Deutschland folgende Empfehlungen ab, um die Altersvorsorge auf die Herausforderungen der älter werdenden Bevölkerung vorzubereiten:

  • Ergänzung des umlagefinanzierten Systems durch kapitalgedeckte Modelle,
  • Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner,
  • weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer,
  • Verbesserung der Kommunikation an die Leistungsempfänger,
  • Erhöhung der Teilnahmequoten in der betrieblichen Altersversorgung.

Leserbriefe zum Artikel:

Nicola Kerler - Es fehlt oft am stabilen Erwerbsfundament . mehr ...

 
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