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Deckungslücke für drei große Risiken auf Rekordwert

10.9.2019 – Für drei große Risiken – Naturkatastrophen, Todesfall und Gesundheitskosten – hat sich die weltweite Deckungslücke seit dem Jahr 2000 aufgrund des Wirtschaftswachstums mehr als verdoppelt. Sie wuchs auf insgesamt 1,22 Billionen US-Dollar (rund 1,11 Billionen Euro), meldet das Swiss Re Institute. Die gute Nachricht: Die Versicherungswirtschaft habe mit dem Anstieg des Schadenpotenzials im Wesentlichen Schritt gehalten. Die Branche könne aber „noch mehr zum Aufbau von Resilienz beitragen“.

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Naturkatastrophen, Todesfallrisiken und hohe Gesundheitskosten: Im Bereich dieser drei Risiken hat die globale Deckungslücke im Versicherungsschutz einen neuen Rekordwert erreicht, heißt es vom Swiss Re Institute (SRI).

Laut dem soeben veröffentlichten „Sigma 5/2019“-Bericht des SRI kratzte die Lücke schon 2013 und 2014 an der Marke von 1,2 Billionen US-Dollar. 2018 überschritt sie diesen Wert und war 1,224 Billionen US-Dollar groß (umgerechnet zum Kurs vom 9. September 2019 rund 1,11 Billionen Euro).

Ziemlich genau die Hälfte davon (616 Milliarden Dollar oder 558 Milliarden Euro) entfiel auf den Bereich Gesundheit. Nicht ganz ein Drittel (386 Milliarden Dollar oder 350 Milliarden Euro) sind dem Todesfallrisiko zuzuordnen und 222 Milliarden Dollar (201 Milliarden Euro) dem Naturkatastrophen-Risiko.

Seit 2000 mehr als verdoppelt

Wie das SRI weiter berichtet, hat sich die Deckungslücke seit dem Jahr 2000 etwas mehr als verdoppelt. Damals betrug es 597 Milliarden Dollar (541 Milliarden Euro).

Es handelt sich dabei um inflations- und versicherungspreis-bereinigte Angaben, wie das SRI dem VersicherungsJournal sagte. „Versicherungspreis-bereinigt, weil die Versicherungspreise (zumindest früher) große Zyklen aufweisen.“

Ermittelt hat das Institut diese Zahlen mit eigenen Indizes zur Messung der „Versicherungsresilienz“. Diese Indizes stellen dar, in welchem Ausmaß Versicherungen Haushalte bei Schockereignissen wie Naturkatastrophen, dem Tod des Hauptversorgers oder hohen Gesundheitskosten unterstützen, und vergleichen den insgesamt erforderlichen Versicherungsschutz mit dem aktuell bestehenden.

Wirtschaftswachstum ließ auch Deckungslücke wachsen

Der Grund für das – in absoluten Zahlen – Größerwerden der Deckungslücke liege im Wirtschaftswachstum, erläutert das SRI. Trotz des Anwachsens der Lücke gebe es aber auch eine gute Nachricht: Die Versicherung habe mit dieser Entwicklung mithalten können.

Die Versicherungsresilienz von Haushalten gegenüber den drei Risiken – also das Verhältnis von verfügbarem zu erforderlichem Versicherungsschutz – sei seit der Jahrtausendwende nämlich in den meisten Regionen gestiegen.

So habe sich der aggregierte Index für die drei Risiken sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern verbessert. Der etwas niedrigere Wert des Weltindex insgesamt sei „durch die stärkere Bedeutung der aufstrebenden Länder bedingt, welche immer noch eine geringere Versicherungsresilienz aufweisen“.

Der aggregierte Index für die drei Risiken hat sich in den Industrie- und Schwellenländern verbessert
(Bild: Swiss Re, Sigma 5/2019)

Deckungslücke in Europa über 300 Milliarden Euro groß

In Europa klaffte laut SRI 2018 eine Deckungslücke von 342 Milliarden Dollar (310 Milliarden Euro). Sie sei damit ebenfalls mehr als doppelt so groß gewesen wie im Jahr 2000.

„Über die Hälfte dieses Versicherungsdefizits entfiel auf die weniger entwickelten Länder in Osteuropa. Relativ betrachtet, hat sich der Gesamtindex für die Versicherungsresilienz jedoch sowohl in Westeuropa als auch Osteuropa seit 2000 verbessert“, berichtet das Institut.

Der Gesamtindex zeige bei den entwickelten Märkten der Region einen Anstieg um fünf Prozentpunkte auf 65 Prozent. Rund zwei Drittel des benötigten Schutzes in den drei Risikobereichen sind demnach aktuell abgedeckt.

Die deutlichste Verbesserung sei von den europäischen Industrieländern bei den Naturkatastrophen-Risiken erzielt worden. „So wurden beispielsweise in Deutschland deutlich mehr Hochwasser-Versicherungen abgeschlossen, während in Großbritannien eine Hochwasser-Rückversicherung eingeführt wurde.“

„Enorme Chance für die Versicherungsindustrie“

Neben den „positiven Effekten auf der Mikroebene“ stärke der Risikotransfer in die Versicherungsmärkte auch die makroökonomische Resilienz, indem er die wirtschaftliche Erholung nach einem Schockereignis unterstütze, halten die Experten fest.

Indem die Versicherungswirtschaft zur Schließung der Deckungslücke beitrage, könne sie weltweit die „finanzielle Resilienz“ verbessern. „Das ist eine enorme Chance für die Versicherungsindustrie“, sagt Jérôme Jean Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re. Die Versicherungsbranche habe „im Wesentlichen mit dem steigenden Schadenpotenzial Schritt gehalten“, könne aber „noch mehr zum Aufbau von Resilienz beitragen“.

Der „Sigma“-Bericht 5/2019 „Indexing resilience: a primer for insurance markets and economies“ kann von der Website des Swiss Re Institute (aktuell nur auf Englisch verfügbar) heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Gesundheitsreform · Rückversicherung · Unwetter
 
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