Das Sorgenranking der Krankenversicherten

25.6.2019 – Im vergangenen Jahr hat die Unabhängige Patientenberatung Deutschland rund 128.600 Beratungsgespräche zu Problemen von Patienten durchgeführt. Dies zeigt der am Montag vorgelegte „Patientenmonitor 2018“. Besonders häufig ging es um rechtliche Fragestellungen, insbesondere um Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern. Moniert werden in erster Linie Kommunikationsdefizite bei den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen.

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Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat am Montag ihren „Monitor Patientenberatung 2018“ vorgelegt.

Mit der Publikation gibt die UPD einmal im Jahr Hinweise auf verschiedene Problemlagen im deutschen Gesundheitswesen an die Patientenbeauftragte der Bundesregierung weiter. Diese Funktion bekleidet derzeit Professorin Dr. Claudia Schmidtke.

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Seit 2006 berät die Unabhängige Patientenberatung Deutschland – Träger ist von 2016 bis 2023 die UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – neutral und kostenlos Patienten und Angehörige in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen (VersicherungsJournal 18.4.2006).

Sie handelt dabei gemäß § 65b SGB V „mit dem Ziel, die Patientenorientierung im Gesundheitswesen zu stärken und Problemlagen im Gesundheitssystem aufzuzeigen.“ Dabei ist es unerheblich, ob die Patienten gesetzlich oder privat krankenversichert sind. Die UPD wird gefördert vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).

Der gesetzliche Auftrag umfasst nach Angaben der UPD neben der individuellen Beratung auch das Rückmelden zu Problemlagen an die Politik und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen.

Etwa 128.600 Beratungen

Der Monitor beruht auf der Auswertung der Dokumentation von 128.586 Beratungsgesprächen, die die UPD im vergangenen Jahr mit gesetzlich Versicherten durchgeführt hat. Dies entspricht einem Rückgang um etwa ein Sechstel im Vergleich zum Jahr zuvor (VersicherungsJournal 13.6.2018).

Fast zwei von drei Beratungen entfielen auf die rechtliche Beratung, jeweils rund ein Sechstel betraf medizinische (inklusive psychosoziale) beziehungsweise allgemeine Fragestellungen.

Mit über 88 Prozent fand der Löwenanteil der Beratungsgespräche via Telefon statt. Gut jedes 16. Gespräch wurde online geführt, in etwa jedes 20. persönlich. Nur in jedem 250. Fall fand die Beratung schriftlich statt.

Problemfeld Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern

In beinahe der Hälfte der rechtlichen Konversationen ging es um Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. Dahinter folgen die Themenbereiche Patientenrechte, Mitgliedschaft und Kassenwechsel sowie Verdacht auf Behandlungsfehler.

Beratungsschwerpunkte UPD (Bild: Wichert)

Im Vergleich zum Vorjahr gab es einige auffällige Veränderungen. So musste 2018 um etwa ein Drittel häufiger geprüft werden, ob Geldforderungen gegen den Betroffenen und Zuzahlungen auch rechtmäßig waren. Die Gespräche über Vorsorgedokumente und Betreuungsrecht nahmen dagegen um fast zwei Drittel ab.

Deutliche Kritik an der Praxis der Kranken- und Pflegekassen

Bei den Leistungsansprüchen gegenüber Kostenträgern berichtet die Hilfsinstitution unverändert von zum Teil gravierenden Kommunikationsdefiziten der Kostenträger im Umgang mit Patienten und Versicherten.

„Versicherte erhalten weiterhin ohne erkennbaren Anlass Schreiben, die bei den Empfängern den Eindruck der Erfolglosigkeit eines Widerspruchs erwecken. Der eigentlich klar geregelte Ablauf des Verwaltungsweges wird dadurch regelrecht konterkariert“, moniert UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede.

BVA-Intervention

Hier habe offenbar auch eine Intervention des Bundesversicherungs-Amts (BVA) per Rundschreiben (PDF, 1,9 MB) nach dem Bekanntwerden dieser Problematik durch den letztjährigen Patientenmonitor keine durchschlagende Wirkung gezeigt.

„Trotz dieser konkreten und einschränkenden Vorgaben zur rechtskonformen Gestaltung von ‚Zwischennachrichten‘ berichten die Berater der UPD, dass die Problematik auch im zweiten Halbjahr 2018 fortbestand.

Demnach erhalten Ratsuchende nach wie vor ohne benannten oder erkennbaren Anlass Schreiben, die auf die mangelnde Erfolgsaussicht der Widersprüche hinweisen. Dabei ist es für die Ratsuchenden nicht erkennbar, ob sie nun tätig werden müssen oder der Widerspruch eventuell sogar schon abgelehnt wurde“, heißt es in der 2018er-Publikation.

Viele Probleme beim Thema Krankengeld

Eine besonders starke Rolle nahmen im Berichtsjahr laut UPD erneut Gespräche zum Krankengeld ein. Deren Zahl erhöhte sich 2018 um über sechs Prozent auf über 15.200, nachdem es im Jahr zuvor um über 40 Prozent nach oben gegangen war.

Hier ging es in erster Linie – in mehr als jedem fünften Fall – um allgemeine beziehungsweise übergreifende Informationen, in denen die Berater häufig schnell und gezielt weiterhelfen konnten.

Viele Hinweise auf wenig patientenorientierte Verhaltensweise und intensiven Beratungsbedarf habe es darüber hinaus bei den drei folgenden Themenfeldern gegeben:

  • „sozialmedizinische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit“ (wie etwa überraschende Gesundschreibung durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) nach Aktenlage),
  • „Dauer, Aussteuerung und Aufforderung zum Reha-Antrag“ sowie
  • „Wegfall des Krankengeldanspruches wegen einer Lücke in den Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen“.

Die Vorgehensweisen der Institutionen in den vorgenannten Bereichen wurden den Schilderungen der Ratsuchenden oft als belastend erlebt und nicht selten von einer wenig einfühlsamen Kommunikation begleitet – auch wenn meistens korrekt nach Gesetzlage entschieden wurde.

Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern

Gesonderter Raum wird im Patientenmonitor auch den Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler eingeräumt. Zu diesem Thema haben MDK und MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.) kürzlich ihre „Jahresstatistik 2018: Behandlungsfehler-Begutachtung der MDK-Gemeinschaft“ vorgelegt (VersicherungsJournal 17.5.2019).

Laut dem Monitor ging es den Ratsuchenden in erster Linie um die mangelnde Kommunikation zwischen behandelnden Personen und Patienten. Viele Betroffene hätten sich in einer sehr belastenden Lebenssituation hilflos und alleine gelassen gefühlt und hätten die Unterstützung und das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Mitarbeitern des Krankenhauses vermisst.

Dabei erscheine eine konstruktive und offene Kommunikation gerade in dieser Situation als ein zentrales Instrument des Patientenwohls besonders wünschenswert, so die Hilfsinstitution.

Problemfeld Patientenrechte

Claudia Schmidtke (Bild: Jan Kopetzky)
Claudia Schmidtke (Bild: Jan Kopetzky)

Auch sechs Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten (Patientenrechtegesetz – PDF, 80 KB) haben die UPD-Berater weiterhin die Erfahrung gemacht, dass Einsichtsrechte in die Patientenakte längst nicht immer gewährt würden.

Viele der fast 2.200 zu diesem Themenkomplex geführten Gespräche hätten sich darum gedreht, dass sich Ärzte weigerten oder sehr lange Zeit ließen, Akteneinsicht zu gewähren oder Kopien auszuhändigen. Dabei hätten Patienten einen Rechtsanspruch darauf.

„Dabei muss die Einsichtnahme ‚unverzüglich‘, das heißt ohne schuldhaftes Verzögern, gewährt werden. Kopien sollten innerhalb von zwei bis vier Wochen ausgehändigt werden“, wird in der Publikation klargestellt.

Weitere Details können im „Monitor Patientenberatung 2018“ (PDF, 5,9 MB) nachgelesen werden.

Patientenbeauftragte will Verbesserungen anstoßen

Die Patientenbeauftragte appellierte an die im Monitor angesprochenen Akteure, die Hinweise der Patientenberatung aufzugreifen und entsprechende Lösungen daraus abzuleiten.

Sie kündigte einem Folgetermin mit den Beteiligten im Herbst an. Dabei werde es darum gehen, „welche Hinweise zugunsten von mehr Patientenorientierung aufgegriffen und umgesetzt wurden“, so Schmidtke.

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