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Covid-19: Krankenversicherer warnen vor Kosten-Turbulenzen

17.11.2020 – Die DKV hat Kundendaten von Corona-Infizierten ausgewertet. Nach einer Erkrankung haben sich die durchschnittlichen Leistungsausgaben pro Tag um mehr als 50 Prozent erhöht. Rund 15 Prozent der stationär Behandelten hatten bis zwei Jahre zuvor keine Leistungsanträge eingereicht. Vor einer schwierigen Finanzlage in der gesetzlichen Krankenversicherung warnen AOK und der GKV-Spitzenverband.

Clemens Muth (Bild: Ergo)
Clemens Muth (Bild: Ergo)

Eine erste Untersuchung der Kosten, die infolge einer Corona-Infektion entstehen, hat die DKV Deutsche Krankenversicherung AG durchgeführt. Ausgewertet wurden Daten von 10.000 Voll- und Ergänzungsversicherten des Anbieters mit einer Covid-19-Erkrankung.

Kein Bagatellschaden

Demnach sind Corona-Patienten auch nach Abschluss der stationären Behandlung noch lange nicht gesund, nur weil sie als nicht mehr infektiös gelten. Die durchschnittlichen Leistungsausgaben pro Tag haben sich nach einer akuten Erkrankung des Versicherten in Summe um mehr als 50 Prozent erhöht.

„Eine Covid-19-Infektion belastet die Gesundheit weit über die direkte Erkrankung hinaus“, betont der Vorstandsvorsitzende des Krankenversicherers Dr. Clemens Muth in einer Pressemitteilung. „Die Folgewirkungen einer solchen Infektion sind demnach alles andere als nur ein gesundheitlicher Bagatellschaden.“

Covid-19 trifft auch Menschen mit guter gesundheitlicher Konstitution

Ein schwerer Krankheitsverlauf treffe nicht nur Personen mit Vorerkrankungen wie Herzleiden, Bluthochdruck oder Atemwegserkrankungen, sondern auch Menschen mit einer guten gesundheitlichen Konstitution. So hätten rund 15 Prozent der stationär behandelten Covid-19-Fälle im Vollversichertenbestand seit 2018 bis zur Infektion keine Leistungen eingereicht.

Die DKV verzeichnet zudem seit Beginn der zweiten Welle bei den unter 20-Jährigen verhältnismäßig viele Neuinfektionen. Jüngere Patienten bleiben im Schnitt sechs bis acht Tage im Krankenhaus, bei den über 70-Jährigen sind es sogar zwölf bis 13 Tage.

AOK fürchtet erhebliche finanzielle Turbulenzen

Die in punkto Kosten alarmierende DVK-Auswertung gießt Öl ins Feuer des AOK-Bundesverband GbR. Er warnte letzte Woche vor einer drohenden Finanzmisere in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und forderte deutlich höhere Coronahilfen des Bundes.

Der zugesagte Zuschuss von einmalig fünf Milliarden Euro reiche bei Weitem nicht aus, um die für das Jahr 2021 vorhergesagte Lücke von mehr als 16 Milliarden Euro zu decken. Es drohe ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von derzeit 1,3 Prozent auf 2,5 Prozent (VersicherungsJournal Medienspiegel 14.11.2020).

GKV kommt zu anderen Ergebnissen als die Experten des Bundes

Auch der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) äußert sich kritisch und sieht größere Ausgaberisiken als der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach dessen Prognose wird das Bundes-Gesundheitsministerium den rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitrag für das kommende Jahr auf 1,3 Prozent festgelegen.

„Wir erwarten allerdings für das Jahr 2021 um rund 1,7 Milliarden Euro höhere Ausgaben als die Experten aus dem Bundes-Gesundheitsministerium, was etwa einem weiteren Zehntelpunkt Zusatzbeitragssatz entspricht“, sagt die Verbandsvorsitzende Dr. Doris Pfeiffer.

„Der gesetzlich verpflichtende Abbau von Finanzreserven bei den Krankenkassen, weitere finanzielle Belastungen durch die Corona-Maßnahmen und die ohnehin starke Ausgabendynamik, die auch durch die Reformgesetze der letzten Jahre bedingt ist“, gehören zu ihren Befürchtungen. Pfeiffer prognostiziert: „All das führt dazu, dass die Zusatzbeitragssätze im nächsten Jahr wohl deutlich angehoben werden müssen.“

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Coronavirus · Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform
 
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