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Cloud-Dienste: Abgabe der Kundendaten problematisch

20.11.2019 – Zu den Lieblingsworten in Diskussionen rund um die Digitalisierung gehört auf jeden Fall die Cloud: eine Dienstleistung für eine webbasierte IT-Infrastruktur mit Speicherplatz, Rechenleistung und/oder Anwendungssoftware. Für Versicherer ist die Abgabe ihrer (Kunden-) Daten problematisch. Dies auch, weil die meisten großen Anbieter wie Amazon oder Google im Ausland sitzen.

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„Wer das Thema Cloud jetzt nicht konsequent angeht, wird vom Markt verschwinden“, sagte Oliver von Ameln, Geschäftsführer der Adesso Insurance Solutions GmbH, am Dienstagmorgen auf einer Fachkonferenz in Köln. Er rechnet mit einer Disruption innerhalb der nächsten fünf Jahre. Der Knackpunkt seien Services. Würden sie nur asynchron erstellt, seien sie zu langsam und zu teuer.

Gefahr des Klumpenrisikos

Von Ameln schätzt, dass 95 Prozent der Versicherer mit IT-Systemen arbeiten, die 27 bis 28 Jahren alt sind. Sie hätten in den letzten 15 Jahren auf Individuallösungen gesetzt, was sich jetzt räche. Ihre einzige Chance sieht er im Outsourcing von Diensten und Leistungen, wobei er natürlich sein Unternehmen als besonders prädestiniert sieht.

Die Cloud sei nicht immer günstiger, aber immer schneller, behauptet von Ameln. Die Versicherer brauchten aber „hochkompetente“ Systemadministratoren. „Amazon liefert wunderbar, aber man muss es beherrschen, wissen, wie damit umzugehen ist.“

Zu den Nachteilen gehört beispielsweise das Klumpenrisiko, dass die Infrastruktur des Dienstleisters, auf den man seine Daten und Anwendungen ausgelagert hat, gehackt wird oder aus anderen Gründen den Betrieb einstellt.

Verstärkte Aufsicht

Elisa Roenneberg (Bild: Lier)
Elisa Roenneberg (Bild: Lier)

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) wird nach Einschätzung der Juristin Elisa Roenneberg künftig verstärkt Cloud-Computing der Versicherer kontrollieren. Auf die verpflichtende Anzeige von Cloud-Projekten der Bafin erhielten die Versicherer zwar zunächst „nur eine Eingangsbestätigung und bis zur Rückmeldung dauert es dann Monate“, berichtete die Rechtsanwältin der Kanzlei Segger Rechtsanwalts-Gesellschaft mbH

„Aber die Bafin wird ihre Kontrollen auf jeden Fall verstärken, weil die Verträge mit den Cloud-Dienstleistern „zum Großteil“ nicht die von der Bafin geforderten Informations- und Prüfungsrechte für Versicherer und die Aufsicht erfüllten. „Diese Rechte dürfen nicht nur gestuft vorliegen“, warnte sie.

Ziel der Bafin sei es, dass sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht auch auf den Cloud-Dienstleister durchgreifen kann. Dass die Bafin damit auch Dienstleister wie Amazon Web Services vor Ort prüfen können sollte, stieß bei den Konferenzteilnehmern teilweise auf Unverständnis. Schließlich seien derartige Dienstleister zertifiziert. Auch kontrolliere die Aufsicht nicht die Anbieter von Standardsoftware.

Höhere Erwartungshaltung

Mark Klein (Bild: Lier)
Mark Klein (Bild: Lier)

Mark Klein, Chief Digital Officer der Ergo Group AG und Vorstandschef der Ergo Digital Ventures AG, sowie Jens Becker, der die Softwareentwicklung aller Querschnittsysteme der deutschen Axa-Gruppe verantwortet, berichteten von ihren Cloud-Projekten. Beide betonten, wie wichtig es sei, die Mitarbeiter frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen.

Anwendungen müssten „tief in das System integriert sein“, denn: Exceltabellen funktionieren nicht im Vertrieb. „Erst wenn der Algorithmus den einzelnen Mitarbeiter unterstützt, ist die Arbeit erledigt“, sagte Klein.

Erfahrungen mit den großen Internetanbietern hätten die Erwartungen der Versicherungskunden inzwischen sehr hochgeschraubt. Binnen einer Sekunde müssten die Ergebnisse in das Altsystem eingespielt und dem Kunden damit verfügbar sein, „sonst glauben die Leute, das System ist kaputt“. Früher habe die Erwartungshaltung bei fünf Sekunden gelegen.

Offen für Kooperationspartner

Je Roboter ließen sich rund 1,5 Mitarbeiterkapazitäten (MAK) einsparen. Ergo verfüge inzwischen über rund 30 Roboter. An Schätzungen, wonach 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter langfristig überflüssig werden, glaube er nicht. Der Transformationsprozess brauche seine Zeit, so dass man sich darauf einstellen könne.

Ergo habe zunächst eine Operationalisierungs-Plattform in der Cloud gebaut. Bis zum Sommer soll die Modellierungsplattform fertig sein, sagte Klein. Diese Technologien biete man als Dienste auch anderen Versicherern an.

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Aufsichtspflicht · Digitalisierung · Mitarbeiter · Versicherungsaufsicht
 
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