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Bund der Versicherten: Nur noch 13 Lebensversicherer sind angezählt

21.9.2022 – Die diesjährige Studie der Zielke Research Consult und des Bundes der Versicherten zur Solvenz der deutschen Lebensversicherer zeigt ein weniger dramatisches Bild als im Vorjahr. Dank steigender Zinsen bessern sich zumindest die Solvenzquoten 2021.

Ihre diesjährige Studie überschreiben die Zielke Research Consult GmbH und der Bund der Versicherten e.V. (BdV) mit „Deutsche Lebensversicherer haben ihre Hausaufgaben gemacht – Kund*innen werden absehbar nicht von steigenden Zinsen profitieren.“

Der Zinsanstieg verbessere künstlich die Solvenzquoten, so Dr. Carsten Zielke, Geschäftsführer der Zielke Research Consult. Der Grund: Die Verträge haben in der Regel längere Laufzeiten als die Aktivseite und müssen infolge des Zinsanstiegs nun stärker abgezinst werden.

78 Lebensversicherer untersucht

Für die deutsche Studie wurden 78 Unternehmen untersucht, darunter elf Run-off-Gesellschaften. Analysiert wurden die Solvenzquoten 2021 und weitere sieben Kennzahlen: Transparenz, Gewinnerwartung, Marktrisiko, Diversifizierung, Überschussfonds, Risikomarge und Anteil der Staatsanleihen.

Die Ergebnisse werden in Form eines Ampelsystems dargestellt. Dabei konnte kein Versicherer in allen Prüfkriterien die Höchstnote erreichen. Die Analyse im Detail steht unter diesem Link.

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Kritik an der Aufsicht

Carsten Zielke (Bild: Zielke Research)
ZRC-Geschäftsführer Carsten Zielke
(Bild: Zielke Research)

Während die steigenden Zinsen kurzfristig die Solvenz erhöhen, verschlechtert sich die Situation in der Rechnungslegungswelt nach HGB. Denn die im Sicherungsvermögen der Lebensversicherer gehaltenen festverzinslichen Wertpapiere verlieren an Marktwert – in den Büchern entstehen stille Lasten.

Damit vermindern sich die Erträge für die Kunden. Diese vergleichen unter Umständen die Rentabilität ihrer Policen mit anderen Anlageformen – und kündigen.

Die Lebensversicherer könnten ihre Kapitalanlagen schneller und effektiver umsteuern, wenn sie in Long Term Equity investierten. Diese Anlagekategorie muss nur mit 22 Prozent Eigenkapital unterlegt werden – und ist von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) verboten.

„Franzosen und wohl auch Niederländer lassen diese Kategorie zu, die Bafin wartet das Solvency-ll-Review ab“, kritisiert Zielke. Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen und berge die Gefahr höherer Storni. Er habe kein Verständnis dafür, dass die deutsche Aufsicht Solvency ll „juristisch statt ökonomisch“ interpretiere – und europäisches Recht nicht anwende.

Acht schaffen es nicht

Es sind noch 13 (23) Unternehmen angezählt, das heißt, sie haben nur durch Übergangsmaßnahmen oder den Griff in die Überschusskasse der Versicherten eine ausreichende Solvenz oder weisen eine negative Gewinnerwartung auf. Das erläuterte Axel Kleinlein, Versicherungs-Mathematiker beim BdV.

Folgende Unternehmen sind nach Analyse der Solvenzberichte der Deutschen Lebensversicherer des Jahres 2021 „angezählt":

Gibt es Probleme mit der reinen Solvenz?

Besteht eine Verlust-Erwartung?

War das Unternehmen schon im Vorjahr angezählt?

Tendenz

Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G.

Nein

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungs-Verein a.G.

Ja

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

DEVK Allgemeine Lebensversicherungs-AG

Ja

Nein

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Ergo Lebensversicherung AG

Ja

Nein

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG

Ja

Ja

Ja

Nein, es ist sogar eine Verschlechterung sowohl bei der Solvenz als auch der Verlusterwartung zu beobachten.

Frankfurter Lebensversicherung AG

Nein

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Landeslebenshilfe V.V.a.G.

Ja

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Nürnberger Beamten Lebensversicherung AG

Nein

Ja

Ja

Keine nennenswerte Veränderung bei der Verlusterwartung.

Öffentliche Lebensversicherungs-Anstalt Oldenburg

Ja

Nein

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

PB Lebensversicherung AG

Ja

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Sparkassen-Versicherung Sachsen Lebensversicherung AG

Nein

Ja

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Süddeutsche Lebensversicherung a.G.

Ja

Nein

Ja

Verbesserung zum Vorjahr

Universa Lebensversicherung a.G.

Nein

Ja

Ja

Keine nennenswerte Veränderung bei der Verlusterwartung.

Bund der Versicherten hält an umstrittener Solvenzquote fest

Auch in diesem Jahr wurde die in der Branche umstrittene Kennzahl „reine Solvenzquote“ verwendet. Bei dieser werden von der in den Berichten „ausgewiesenen Solvenzquote“ die Übergangsmaßnahmen, die Volatilitätsanpassung und nicht-eingezahltes Eigenkapital abgezogen.

Die 100-Prozent-Hürde verfehlen: Landeslebenshilfe, PB, Frankfurt Münchener, Öffentliche Oldenburg, Ergo, DEVK AG und a.G. sowie Süddeutsche.

Im Vorjahr lagen 20 Gesellschaften unter dieser Marke (VersicherungsJournal 25.6.2021).

Variante ohne Kundengelder

Axel Kleinlein (Bild: BdV)
Axel Kleinlein (Bild: BdV)

Die „Solvenzquote ohne Kundengelder“ zieht zusätzlich die Mittel aus dem Überschussfonds ab. Damit geraten die Landeslebenshilfe sowie die Run-offs Entis Lebensversicherung AG und Frankfurter Münchener in den Minusbereich. Insgesamt reißen hier 22 (42) Unternehmen die 100-Prozent-Hürde.

Die Auswirkungen der wieder steigenden Zinsen werden sich laut Kleinlein erst in vielen Jahren als Überschussbeteiligung bei den Kunden bemerkbar machen. „Die deutsche Lebensversicherung ist zu unflexibel, um auf sich ändernde Zinsen reagieren zu können, das haben die letzten Jahre einmal mehr gezeigt“, sagt der frühere BdV-Vorsitzende (30.6.2022).

Besonders die Unternehmen, die viel in Staatsanleihen investiert hätten, würden durch die deutschen Anforderungen nach HGB Schwierigkeiten bekommen. Sie kämen zwar in der Regel zwar besser durch Zeiten niedriger Zinsen, könnten aber bei steigenden Zinsen nur geringe Überschüsse geben.

Allianz gibt sich zugeknöpft

Die Transparenz der Berichte, die in den vergangenen Jahren vom BdV vielfach moniert wurde, ist auf einem vergleichsweise hohen Niveau. „Das ist sehr erfreulich, die Versicherungs-Gesellschaften haben hier ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt Kleinlein.

Einige größere Unternehmen – etwa Allianz Lebensversicherungs-AG und Ergo – hätten sich hier aber verschlechtert. Die Besten sind der Studie zufolge: Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. , Axa Lebensversicherung AG und die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG.

Zielke kritisiert, dass 32 der untersuchten Berichte keine Angaben zu Nachhaltigkeitsrisiken enthalten: „Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Thema für die CSR-Berichterstattung, sondern auch für die Solvenzeinschätzung. Das scheint noch nicht bei allen Gesellschaften angekommen zu sein.“

Frankreich transparenter

In einer zweiten Studie hat der BdV gemeinsam mit dem europäischen Dachverband Better Finance, the European Federation of Investors and Financial Services Users und der Zielke Research die jeweils zehn größten Lebensversicherer aus Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und den Niederlanden auf ihre Stabilität hin untersucht.

Ergebnis: Solvenzgefahren, wie bei der letztjährigen Analyse, seien kaum noch zu festzustellen. „Außer in Deutschland haben die weiteren europäischen Versicherungs-Gesellschaften sehr stark in Staatsanleihen investiert. Das wird bei steigenden Zinsen dazu führen, dass sich die Verträge noch schlechter rentieren. Versicherte müssen sich dann auf Realverluste einstellen”, so Kleinlein.

Deutschland wurde von Spanien als transparentester Markt eingeholt. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch große Marktplayer wie die Allianz sich nun für intransparentere Berichte entschieden haben“, so Kleinlein.

 
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