Blockchain: Kein Ersatz für Versicherer und Vermittler

11.9.2018 – Defizite bei Vertraulichkeit, Betrugsgefahr und ungeklärte rechtlich Fragen – das sind die Bedenken der Versicherungs-Manager. Blockchain-Experten sehen hingegen Chancen, Prozesse zu optimieren und Kosten einzusparen.

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Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) veranstaltete in der letzten Woche in Unterschleißheim bei München sein Symposium 2018 (VersicherungsJournal 7.9.2018). Dabei kam auch die Blockchain-Technologie zur Sprache.

Manipulation von Daten befürchtet

Die Versicherungseinkäufer äußerten deutlich Zweifel an dieser Technologie. Das System verteilter Datenbanken fördere Manipulation von Daten geradezu, so ein Vorwurf. Einmal in der Blockchain gespeichert, seien selbst falsche Informationen nicht mehr zu korrigieren.

Ohne zentrale Kontrollinstanz sei kein geregelter Zugang gewährleistet und Vertraulichkeit von Informationen nicht gewahrt, so weitere Teilnehmer der Konferenz. Dr. Klaus Köster von Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH stellte die Frage, warum sich Blockchains bei Vertragsabschlüssen noch nicht durchgesetzt hätten, wenn sie Rechtssicherheit garantieren.

Dem stünden derzeit vor allem noch rechtliche Fragen entgegen, so Markus Bassler, Head Energy Onshore und Special Risks und Direktionsmitglied der Zürcher Niederlassung der Partner Reinsurance Europe SE, und Jens-Daniel Florian, Leiter Strategie der Marsh GmbH.

Industrieversicherung zu komplex für Blockchain

Moderiert von Benedikt Hintze, Referent im Risikomanagement und Versicherungen der Georgsmarienhütte Holding GmbH, bestritten die beiden Experten eine Paneldiskussion zum Thema. Veränderungen in der Versicherungsbranche seien mit Blockchain möglich, Ersatz für Versicherer und Makler sei das Konzept aber keinesfalls, so ihr Fazit.

Bassler und Florian stellten einerseits die potentiellen Vorteile der Blockchain heraus. Hauptnutzen der Technologie könnte in der Zukunft höhere Effizienz und damit Kostenvorteile für Versicherer sein, so Florian. Das sehen auch andere Experten so (VersicherungsJournal 18.12.2017).

Einmal in der Blockchain dokumentierte Informationen seien unveränderlich gespeichert und daher geschützt vor Manipulation niedergelegt. Die Referenten gaben andererseits die Grenzen des Konzepts zu bedenken. Florian glaubt nicht, dass es möglich sei, die komplexen Prozesse der Industrieversicherung komplett zu automatisieren und in einer Blockchain zu dokumentieren.

Anbieter mit hohen Verwaltungskosten könnten unter Zugzwang geraten

Anwendungen in der Versicherungsbranche gibt es bisher eine Handvoll. Beispiele wurden bereits früher beim GVNW vorgestellt:

Die Axa testet Blockchain im Rahmen einer Flugausfallversicherung „fizzy“. Das Blockchain-Konsortium B3i legte im Jahr 2017 Sachversicherungs-Policen für Katastrophenrisiken auf Blockchain-Basis auf. Von der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) wurde ein Captive-Programm auf Basis der Technologie strukturiert (VersicherungsJournal 11.9.2017).

Bassler stellte fest, dass die Versicherungsbranche generell bei der Effizienz von Prozessen noch nicht dort sei, wo sie sein sollte. Blockchain könne in der Zukunft helfen, Verwaltungskosten zu senken, glaubt Bassler. In Folge würden Anbieter mit strukturell bedingt hohen Kostenquoten verstärkt unter Druck geraten, warnt Bassler. Die Versicherungsbranche täte gut daran, sich weiter mit dem Thema Blockchain zu beschäftigen.

Versicherer überwiegend zurückhaltend

Das tun die Unternehmen teilweise schon. Laut einer Umfrage von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Deutschland (PwC) unter 300 Führungskräften von Versicherern, Banken und Vermögensverwaltern wollen allerdings viele Manager erst einmal abwarten, was der Wettbewerb plant und unternimmt.

Gerade drei Prozent der Befragten setzt die Technologie bereits ein. Insgesamt 47 Prozent der Gesellschaften sagen, dass es ihnen genügt, wenn sie die neue Technologie ungefähr zur gleichen Zeit wie die wichtigsten Wettbewerber einführten. 27 Prozent der Manager wollen die Blockchain erst implementieren, wenn sie im Markt erprobt ist (VersicherungsJournal 18.7.2018).

Der GVNW wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Martin Winkel

Der Autor ist Diplom-Kaufmann und Journalist. Als Publizist hat er sich auf die Thematik Captives spezialisiert.

Leserbriefe zum Artikel:

Ralf Oestereich - Manipulationssichere Speicherung von Daten. mehr ...

 
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