Auto kollidiert mit Kettcar

16.11.2018 – Eltern, die ihr sechseinhalbjähriges Kind allein im Bereich einer Tankstelle herumfahren lassen, machen sich einer Aufsichtspflicht-Verletzung schuldig. Für deren Folgen haben sie im Fall eines Unfalls zumindest teilweise einzustehen. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Zeitz vom 29. Mai 2018 hervor (4 C 22/18).

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Die Klägerin hatte mit ihrem Personenkraftwagen eine Tankstelle aufgesucht, um dort zu tanken. Dabei bemerkte sie ein Kind, das auf dem Gelände mit einem Kettcar herumfuhr.

Als sie das Tankstellengelände verlassen wollte, fuhr plötzlich auch das Kind auf die Straße. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß der beiden Fortbewegungsmittel.

Aufsichtspflichtverletzung

Wegen des bei dem Unfall entstandenen Schadens an ihrem Fahrzeug machte die Klägerin gegenüber den Eltern des sechseinhalbjährigen Kindes Schadenersatzansprüche in Höhe von rund 3.000 Euro geltend. Das begründete sie damit, dass die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt hätten. Sie könnten daher für den Vorfall zur Verantwortung gezogen werden.

Vor Gericht verteidigten sich die Eltern damit, dass sie ihr Kind vor dessen Einschulung mehrfach unterwiesen hätten, wie eine Straße zu überqueren sei. Das hätten sie auch geübt.

Sie hätten sich anschließend davon überzeugt, dass ihr Kind verantwortungsbewusst am Straßenrand anhalte und nach links und rechts schaue, bevor es eine Straße überquere. Auch den Weg zum Schulbus bewältige ihr Kind allein.

Mit Spielzeug in den Straßenverkehr

Das wurde vom Gericht auch nicht in Frage gestellt. Es ging trotz allem von einer Aufsichtspflicht-Verletzung der beklagten Eltern aus.

Nach Ansicht des Zeitzer Amtsgerichts liegt die Besonderheit des entschiedenen Falls darin, dass das Kind der Beklagten mit einem Spielzeug am Straßenverkehr teilgenommen hatte. Das sei dafür jedoch gänzlich ungeeignet.

Schadenteilung

Die Eltern hätten ihrem Kind folglich keine Bewegung mit dem Kettcar im öffentlichen Verkehrsraum gestatten dürfen, ohne es dabei zu beaufsichtigen. Das sei jedoch nicht geschehen.

Die Klägerin müsse sich allerdings entgegenhalten lassen, dass sie das Kettcar vor dem Unfall schon einmal wahrgenommen hatte. Sie hätte sich daher bei ihrer Weiterfahrt besonders vorsichtig verhalten müssen. Das Gericht hielt daher eine Schadenteilung für angemessen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Aufsichtspflicht · Pkw · Schadenersatz
 
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