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Aus Corona wird nur wenig gelernt

26.11.2021 – Welche Lehren aus der Corona-Pandemie im Hinblick auf neue Risiken gezogen werden können, hat IVW-Köln Professor Dr. Horst Müller-Peters im Rahmen des Forschungsprojekts „Risikowahrnehmung – vor und nach Corona“ mit den Studierenden des dritten Semester Master Risk und Insurance untersucht. Professor Dr. Michael Hüther und Jörg Asmussen sprachen sich für „Konzertierte Aktionen“ für die Megarisiken aus.

„Welchen Anteil an den Verstorbenen haben die Verkehrstoten? Nimmt die Zahl der Verkehrstoten zu oder ab? Oder: Wie wahrscheinlich ist es, mit zwei Würfeln einen Pasch zu werfen?“ Bei Umfragen sowohl in der Bevölkerung als auch unter seinen Masterstudenten hat Professor Dr. Horst Müller-Peters mehrheitlich falsche Antworten erhalten.

Horst Müller-Peters (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Horst Müller-Peters (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

„Wir leben in einer Welt, die extrem häufig mit Risiken und Wahrscheinlichkeiten zu tun hat, aber wir können sie nicht einschätzen. Risiken werden systematisch über- oder unterschätzt. Wir machen uns meist über die falschen Risken sorgen“, so Peters.

Viele Faktoren in der Risikowahrnehmung

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Risikowahrnehmung – vor und nach Corona“ nicht verwunderlich. Müller hat es mit den Studierenden des dritten Semester Master Risk und Insurance gemacht und Teile davon auf dem 26. Kölner Versicherungssymposium der TH Köln Institut für Versicherungswesen (IVW Köln) vorgestellt.

Wie die Studierenden darlegten, hängen das Verständnis und die Wahrnehmung von Risiko über individuelle Dispositionen hinaus von Faktoren wie der Neuartigkeit, der Kontrollierbarkeit, der Freiwilligkeit, dem Katastrophenpotenzial, der räumlichen Tragweite, der Komplexität, der Vorstellbarkeit, der Verfügbarkeit von Informationen und der Gewohnheit ab.

Allein schon exponentielle Effekte übersteigen das Vorstellungsvermögen der Mehrzahl der Bürger. Die Studierenden stellten fest, dass die breite Bevölkerung vor allem fokussiert auf eine aktuelle Krise schaut, sich dann aber an diesen Zustand gewöhnt und Angst nur ein temporärer Zustand ist. Gelernt werde nur spezifisch und nicht für das allgemeine Risiko. Eine grundsätzliche Resilienz sei nicht zu beobachten, so eines ihrer Fazits.

Staat und Versicherer

Bei ihrer Untersuchung von Modellen für den Risikotransfer von Großschadenereignissen kommen sie zum Schluss, dass eine von Erst- und Rückversicherern sowie dem Staat getragenes Public-Private-Partnership die meisten Vorteile biete.

Nachteil eines solchen Modells sei jedoch die Begehrlichkeit der Politik, den Wählern gefallen zu wollen, und die dann auch die Risikoexpertise der Versichere übergehe. Erinnert wurde an die Aussagen der Politik 2017, für Hochwasserschäden nicht mehr aufzukommen, wenn sich die Flutopfer nicht vergebens um Versicherungsschutz bemüht hätten.

Bei den Schäden durch die Sturzflut „Bernd“ leiste der Staat nun aber – und Versicherungsschutz werde dabei angerechnet, so dass sich Versicherte sogar noch schlechter stünden als unversicherte Flutgeschädigte.

Michael Hüther (Archivbild: Brüss)
Michael Hüther (Archivbild: Brüss)

Aufgabe aller

Auf Megarisiken wie Pandemien, Naturkatastrophen, Cyberangriffe und Terror ist die deutsche Gesellschaft nicht gut vorbereitet. Fortschritte könnten nach Einschätzung von Professor Dr. Michael Hüther konzertierte Aktionen bringen.

Die Abstimmung unterschiedlicher Interessen dürfte nicht allein wissenschaftsbasiert sein, sondern müsste auch demokratisch legitimiert sein, so der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW).

Seiner Schätzung hat nach die Pandemie in Deutschland seit ihrem Ausbruch bis zum Sommer 2021 rund 300 Milliarden Euro gekostet. Berechnet wurde die Differenz zwischen dem erreichten Wachstumspfad und dem im vierten Quartal 2019 noch als realistisch Geschätztem. Besorgt äußerte sich Hüther über die langfristigen sozialen Schäden – zum Beispiel Verluste bei Bildung und dem Sozialkapital – durch Corona.

Derartigen Abstimmungsprozessen schreibt auch Jörg Asmussen Erfolg zu. Mit Ausnahme von Terror gelte es, bei Megarisiken vorzubeugen. Für Prävention brauche es aber vor allem Aufklärung, die im Zusammenspiel verschiedener Akteure effektiver sei, so der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

 
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