WERBUNG

Auch Kollege Bot kocht nur mit Wasser

15.10.2019 – Der Vertrieb ist an Untergangsszenarien gewohnt, etwa durch Künstliche Intelligenz. Doch von den computergesteuerten Kollegen, sogenannten Bots, geht möglicherweise weniger Bedrohung aus als angenommen. Die Einsatzmöglichkeiten weisen jedenfalls noch empfindliche Grenzen auf. Das wurde auf der MCC-Tagung IT-Optionen deutlich.

WERBUNG

Bedroht Künstliche Intelligenz (KI) massenweise Jobs im Vertrieb? Wenn man den Fachleuten von der Tagung IT-Optionen des MCC - Management Center of Competence Ende vergangener Woche in Düsseldorf glaubt, dann wirft die moderne Technologie zwar lange Schatten des Schreckens voraus. Auf dem Weg in die Realität scheinen diese Schatten aber deutlich zu verblassen.

Das Podium der MCC-Tagung IT-Optionen (Bild: Lansch)
Das Podium der MCC-Tagung IT-Optionen (Bild: Lansch)

Die KI schafft Zeit für Kundenbetreuung

Beispielsweise ist Sebastian Pitzler, Geschäftsführer des Insurlab Germany e.V., davon überzeugt: „Die KI wird nie das Einfühlungsvermögen eines Versicherungs-Vermittlers ersetzen.“ Sie könne am besten standardisierte Prozesse verarbeiten. Das aber in Windeseile, so dass enorm Zeit gespart wird.

Für Vermittler sieht er darin eine riesige Chance. Ähnlich wie in der Pflege sei die Arbeit der Versicherungsvermittler stark bürokratiebelastet. Die lästige Dokumentation könnte KI übernehmen. Der Vermittler habe dann wieder mehr Zeit für den Kunden und seine eigentliche Betreuungsarbeit.

Entlastung statt Entlassung

Auch nach Ansicht von Alexander Britz, Leiter des Geschäftsbereichs digitale Business Transformation & KI bei der Microsoft Deutschland GmbH, müssen Versicherer sich mit KI im Vertrieb beschäftigen. Auch er sieht davon kaum Jobs bedroht.

Im Gegenteil, die bestehenden Vermittler könnten von der Entlastung durch Routinearbeit profitieren. Er habe selbst die Erfahrung gemacht, dass zwar seit Jahren vor einem drohenden Jobverlust durch Digitalisierung und kognitive Services gewarnt werde. Aber: „Bei uns sind alle noch da – nur halt mit anderen Aufgaben beschäftigt.“

Versicherungs-Unternehmen müssen der demografischen Entwicklung im Vertrieb jedenfalls etwas entgegensetzen. Die Babyboomer gehen bald in Rente und unter den jungen Leuten ist nur schwierig Nachwuchs für den Vertrieb zu finden. Kollege Bot scheint da wie gerufen zu kommen.

Sprachliche Barrieren

Doch gar so einfach ist die Chose wohl nicht. Die Möglichkeiten der KI werden offenbar schnell überschätzt. Sprich, auch Bots kochen nur mit Wasser. Bei realistischer Betrachtung ist die Technologie noch längst nicht so ausgereift, wie es nötig wäre.

Es hapert beispielsweise noch an vermeintlich simplen Dingen wie dem Sprachverständnis. Mit Dialekt hat das nur am Rande zu tun. Die können selbstlernende Systeme erlernen. Doch ohne ein unzweifelhaftes Sprachverständnis kann kein Computer ein Kundenanliegen analysieren und schlussendlich beantworten.

„Wir haben noch nicht viele Bots im Einsatz, weil sie noch nicht richtig gut sind“, bestätigt Emanuel Issagholian, Leiter Digitalisierung und Datenmanagement in der Gothaer Finanzholding AG. Der Zug gehe aber eindeutig in diese Richtung.

Fast die Hälfte der Kundenanfragen ist laut einer internen Untersuchung einfacher Natur. Doch aktuell ist die Technik noch nicht perfekt. Sie scheitere beispielsweise schon am schlichten Buchstabieren, weil es in Deutschland kein einheitliches Buchstabieralphabet gebe, so der Gothaer-Experte.

Blockchain nicht DSGVO-tauglich

Auch die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie werden überschätzt. Dr. Jörg Puchan, Professor für Angewandte Informatik an der Hochschule München: „Die Blockchain bietet viele interessante Ansätze, aber noch ist sie recht volatil und deshalb für professionelle sichere Lösungen nicht einsatzbereit.“

Denn, obwohl quasi jede Software Fehler habe, könnten diese in der Blockchain nicht korrigiert werden, weil grundsätzlich im Nachhinein nichts geändert werden dürfe. Ebenso könne nichts gelöscht werden. Und das ist mit den heutigen DSGVO-Anforderungen einfach nicht kompatibel, warnt der Professor und Moderator der Fachtagung.

Entsprechend haben sich die Trends in der Insurtech-Szene inzwischen gewandelt. So ist eine Verlagerung vom Frontend zum Backend zu beobachten.

In der Produktentwicklung steht der Kunde zunehmend im Vordergrund. Und ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Kooperation. „Wir bringen Versicherungs-Unternehmen und Startups zusammen“, darin sieht Insurelab-Manager Pitzler eine seiner wichtigsten Aufgaben. Mit zahlreichen Veranstaltungen fungiert das Insurlab auch als eine Art Partnervermittlung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Blockchain · Datenschutz · Digitalisierung · Gewerbeordnung · Insurtech · Personalabbau · Rente · Technik · Versicherungsvermittler
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Effizienzdruck um?

Die neue BVK-Studie deckt die Erfolgsfaktoren des Versicherungsvertriebs auf und zeigt Ihnen, wie auch Sie Ihren Betrieb effizienter gestalten und sich für die Zukunft wappnen können.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

Manchmal rennt man in Verkaufsgesprächen immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie in einem Buch des VersicherungsJournals.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
20.12.2017 – Die letzten Insurtech-Veranstaltungen neigen sich dem Ende zu, hinter der Start-up-Szene liegen ereignisreiche Monate von erstaunlicher Dynamik. Welche Trends vorherrschten und was 2018 wichtig wird, zeigt Dr. Moritz Finkelnburg. (Bild: privat) mehr ...
 
14.11.2016 – Während in der traditionellen Versicherungswirtschaft noch diskutiert wird, werden aufseiten der Newcomer bereits die Weichen für die Zukunft gestellt. Doch stimmt dieser Eindruck einer innovationsmüden Branche überhaupt? (Bild: VersicherungsJournal Verlag) mehr ...
 
29.10.2015 – Die Bereitschaft, online Versicherungsfragen zu klären, wächst. Auch die Zahl der digitalen Makler und Apps nimmt zu. Für die „Analogen“ gibt es zwei neue Tools, wie eine Übersicht des VersicherungsJournals zeigt. (Bild: IDnow) mehr ...
 
18.10.2019 – Eine ordentliche Datenqualität und die Verknüpfung von Telefon und MVP: Durch Automatisierung gewinnt der Makler viel Zeit für effiziente Kundenbetreuung. Die wichtigsten Etappen hierbei erklärt Ernesto Knein von der Policen Direkt-Gruppe in seinem Gastbeitrag. (Bild: Policen Direkt) mehr ...
 
15.3.2019 – Der genossenschaftliche Versicherer testet die digitale Welt und bringt ein eigenes Insurtech in Position. Was das Besondere an diesem Start-up ist und warum es einen ungewöhnlichen Namen trägt. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
21.12.2018 – Die heißesten Themen des Jahres, ein herzliches Dankeschön, ein Vorschlag und wann es nach der Weihnachtspause weitergeht. (Bild: Unsplash/Mossholder) mehr ...
 
26.11.2018 – Die Art der Vergütung ist nicht entscheidend, sondern die Persönlichkeit des Vermittlers, hieß es vergangene Woche auf einer Fachtagung in München. Dennoch stellen neue Kundenansprüche und Technologien eine Herausforderung für die Vermittlung dar. (Bild: Winkel) mehr ...