800.000 Euro Schmerzensgeld

11.11.2019 – Erleidet ein Patient während einer Routineoperation wegen eines Fehlers des Klinikpersonals eine unheilbare Schädigung seines Gehirns, so kann die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 800.000 Euro durchaus angemessen sein. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Gießen vom 6. November 2019 hervor (5 O 376/18).

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Geklagt hatte ein seinerzeit 17-jähriger Mann, der im Jahr 2013 in einem Klinikum wegen eines Nasenbeinbruchs operiert worden war. Dabei unterlief dem Personal des Krankenhauses ein fataler Fehler.

Denn weil Schläuche des Beatmungsgeräts falsch angeschlossen worden waren, kam es während der Vollnarkose zu einer etwa 25-minütigen Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns des Klägers. Das hatte zur Folge, dass er einen schweren Hirnschaden erlitt. Seitdem ist der Kläger nicht mehr in der Lage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Höheres Schmerzensgeld gefordert

Da es an dem Verschulden des Klinikpersonals nichts zu deuteln gab, wurde dem Kläger vorgerichtlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 Euro gezahlt.

Das empfand der Mann als zu gering. Er verklagte das Krankenhaus daher auf Zahlung eines weiteren Schmerzensgeldes in gleicher Höhe.

Noch nicht rechtskräftig

Damit hatte er teilweise Erfolg. Das Gießener Amtsgericht hielt allerdings eine zusätzliche Zahlung von 300.000 Euro für ausreichend. Nach Aussage eines Gerichtssprechers gehört die Gesamtsumme von 800.000 Euro damit zu der höchsten, die deutsche Gerichte jemals für vergleichbare Fälle als angemessen erachtet haben.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung nicht nur mit der Schwere der dem Kläger zugefügten Schädigung, sondern auch mit dessen jungem Alter zum Zeitpunkt der Schädigung. Es komme erschwerend hinzu, dass die Sauerstoff-Unterversorgung leicht hätte vermieden werden können, hätte man die Schläuche nicht falsch angeschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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