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Klassische Garantieprodukte sind noch nicht ausgestorben

5.11.2018 – Der Lebensversicherungs-Markt verändert sich zunehmend. Immer mehr Gesellschaften verabschieden sich von klassischen Garantieprodukten. Vor allem bei Kapital-Lebensversicherungen schrumpft die Anzahl der Anbieter weiter. Doch fast 20 Millionen Versicherte besitzen noch klassische KLV-Policen. Unterdessen verpuffen die gesetzlichen Maßnahmen, um die Abschlusskostenquoten zu senken. Und einmal mehr bekommt die Branche staatliche Hilfe. Dieses Mal, um die Garantiezusagen erfüllen zu können.

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Am 6. November erscheint das neue Klassik-Rating deutscher Lebensversicherer der Map-Report-Redaktion. Die Beurteilung von Lebensversicherern auf betriebswirtschaftlicher Grundlage und aus Kunden-Perspektive ist in der jüngeren Vergangenheit deutlich schwieriger geworden.

Zum einen fehlen in den Geschäftsberichten zu oft Angaben, die beispielsweise einen marktumfassenden Überblick über die Bildung der Zinszusatzreserve und deren Auswirkung auf andere Bilanzkennzahlen zulassen. Zum anderen gehen die Gesellschaften bei der Produktentwicklung, auch bedingt durch das Zinsniveau, immer neue Wege mit weiter zunehmender Diversifikation.

Bisher konnten wir in den Lebensversicherungsratings mit den Vergleichen der Kapital-Lebensversicherungen und Rentenversicherungen immer noch etwas in der Art vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“ vergleichen. Zukünftig dürften die zunehmenden Produktvariationen jedoch die Intransparenz deutlich erhöhen und Vergleiche zusätzlich erschweren.

Weshalb ein Klassik-Rating noch relevant ist

Die vergangenen Jahre waren alles andere als einfach für die Lebensversicherer. Als Resultat wurden Gesellschaften fusioniert oder das Neugeschäft eingestellt. Inzwischen spielen klassische Policen im Neugeschäft fast keine Rolle mehr. Zudem belasten die einstigen hohen Garantien etliche Gesellschaften schwer.

Doch zum Jahresende 2017 standen noch 19,5 Millionen KLV-Verträge in den Büchern der Versicherer. Aus diesem Grund waren auch alle Versicherer aufgerufen, sich an dem Rating zu beteiligen. Ob sie die klassische KLV oder Rentenversicherung noch anbieten oder nicht.

Von Gesellschaften, die sich von einer Teilnahme distanzierten, wurden die Absagen vielfach damit begründet, dass klassische Produkte nicht mehr im Fokus stünden und für den Vertrieb irrelevant seien. Es wurde also mit Blick auf den Neukunden argumentiert. Aber was ist mit den Bestandskunden?

Abschlusskosten sinken, aber…

Die Abschlusskostenquote misst, wie viel die Gesellschaft im Verhältnis zur Summe der Beiträge, die sie im Laufe der Jahre erhält, für den Verkauf der Policen ausgibt. Nicht nur an Provisionen, sondern mit allen Kosten des Verkaufsapparats.

Die Kennzahl wird beeinflusst von der Neugeschäftsentwicklung und der Vertriebsstruktur, damit also auch von der Beratungs- und Betreuungsintensität bei Vertragsabschluss. Auch die Struktur des Neugeschäfts wirkt sich auf den Abschlusskostensatz aus.

Map-Report 905 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)
Quelle: Map-Report 905 (Bild: VersicherungsJournal-Verlag)

So wird die Kennzahl bei einem hohen Anteil von Kollektivversicherungen am Neuzugang niedriger ausfallen, als bei einem hohen Anteil entsprechender Einzelversicherungen am Neuzugang. Für ab dem Jahr 2008 abgeschlossene Verträge müssen gemäß § 169 VVG die Abschlusskosten bei einer Kündigung in den ersten fünf Vertragsjahren verteilt in Rechnung gestellt werden.

Als Folge des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) wird zudem tendenziell ein immer größerer Anteil der Abschlussprovisionen auf die gesamte Laufzeit verteilt.

Je nach der konkreten Umsetzung in den Unternehmen kann dies zur Folge haben, dass der Aufwand für den Abschluss eines Vertrages zum Teil erst in den Folgejahren verrechnet wird. Der Zähler des Abschlusskostensatzes ist in diesem Fall keine reine Neubestandsgröße mehr. Dadurch wird die Aussagekraft der Quote beeinträchtigt.

In unseren Lebensversicherungs-Ratings ist die Abschlusskostenquote in den vergangenen zehn Jahren im Fünf-Jahres-Durchschnitt von 5,09 Prozent im Jahr 2008 auf 4,88 Prozent im Jahr 2017 gefallen. Damit ist die Abschlusskotenquote in den vergangenen zehn Jahren im 5-Jahres-Schnitt um 4,13 Prozent gesunken. Das ist auf den ersten Blick eine erfreuliche Entwicklung.

In diesem Zeitraum ist aber auch das Neugeschäft deutlich gesunken. Wurden im Jahr 2008 noch 6,46 Millionen Verträge abgeschlossen (eingelöste Versicherungsscheine gemäß Bestandsbewegung), waren es im Jahr 2017 noch 4,96 Millionen Verträge. Das entspricht einem Minus von 23,2 Prozent.

Die Abschlussaufwendungen sind in dieser Dekade um 15,70 Prozent von 8,06 auf 6,79 Milliarden Euro gefallen, die Beitragssumme des Neugeschäfts fiel um 12,60 Prozent von 165,03 auf 144,29 Milliarden Euro.

Nettoverzinsung durch aufgelöste Reserven beeinflusst

Zur Aussagekraft der Nettoverzinsung und der laufenden Durchschnittsverzinsung gibt es kontroverse Meinungen. Doch sind diese Größen zwei der wenigen Kennzahlen zur Verzinsung, die sich über eine offizielle Verbands-Formel berechnen lassen.

Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen errechnet sich als Bruttoerträge minus Aufwendungen (inklusive Abschreibungen) für die Kapitalanlagen im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagenbestand des Jahres. Ein Teil der Erträge aus Kapitalanlagen werden als „Gewinne aus dem Abgang aus Kapitalanlagen“ bilanziert und beinhalten die realisierten Bewertungsreserven.

Für das – angesichts anhaltend niedriger Marktzinsen außerordentlich hohe – Resultat der Nettorendite ist die verstärkte Auflösung von Bewertungsreserven verantwortlich. Das wird deutlich bei dem Vergleich mit der laufenden Durchschnittsverzinsung.

Hilfe bei der Zinszusatzreserve

Seit der Einführung der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) im Jahr 2011 sind die Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen von rund 4,5 auf 10,6 Milliarden Euro gestiegen. Die größten Gewinnabgänge gab es dabei vom Jahr 2014 auf 2015 mit einem Zuwachs von 3,6 Milliarden Euro.

Für die Lebensversicherer sind die Gewinne aus dem Abgang ein wirksames Mittel, um der ZZR ausreichend Kapital zuzuführen. Gleichzeitig ergibt sich das Problem, dass die Finanzierung der Zinszusatzreserve das Kapitalanlageergebnis, über das die Nettoverzinsung berechnet wird, direkt beeinflusst.

Dabei steht die ZZR nicht als Ertrag oder Gewinn für die Kunden zur Verfügung, sondern bildet eine Sicherheit für die Garantien der Zukunft.

Durch die quasi gesetzliche Auflösung von Bewertungsreserven spiegelt die Nettorendite damit ein verzerrtes Bild der Zinserträge. Aus diesem Grund wurde, trotz der ebenfalls eingeschränkten Aussagekraft, die laufende Durchschnittsverzinsung als neue Kennziffer in das Rating aufgenommen.

Inzwischen ist die Verordnung der Regierung für eine Erleichterung bei der Zinszusatzreserve (ZZR) in Kraft getreten. Die Lebensversicherer müssen damit bereits für 2018 deutlich weniger in die Reserve einstellen als gedacht. Laut Bafin liegt der Referenzzinssatz für 2018 bei 2,09 Prozent nach 2,21 Prozent 2017.

 
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