PKV im Langfristvergleich

20.8.2018 – Das Jahr 2017 war für die PKV durchwachsen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau drückt die Renditen weiter nach unten. Bei den Bewertungsreserven gab es eine Trendwende und die Beitragseinnahmen haben den stärksten Zuwachs seit sieben Jahren. Die Aussichten für die Branche sind dennoch nicht rosig.

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Am 21. August erscheint die Bilanzanalyse Private Krankenversicherung 2008 bis 2017. Auf 120 Seiten bietet dieses Heft ausführliche Einblicke in die Geschäftsentwicklung der Branche.

Trotz des Umfangs bietet die Bilanzanalyse einen schnellen Überblick über den Stand und die Entwicklung der einzelnen Kennzahlen für die untersuchten Gesellschaften. Der übersichtliche Vergleich einzelner Anbieter fördert die Markttransparenz, unterstützt eine unabhängige und objektive Beratung und erhöht die Haftungssicherheit für Vermittler.

In den PKV-Ratings der Map-Report-Redaktion zeigt sich immer wieder, dass bilanzstarke Gesellschaften tendenziell auch bei den Kennzahlen der Bereiche Service- und Vertragsdaten besser abschneiden als Anbieter mit schwächeren Bilanzdaten.

Renditen sinken weiter

Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen lag 2017 mit 3,46 Prozent deutlich unter dem Vorjahresniveau (3,71 Prozent). Sie errechnet sich als Bruttoerträge minus Aufwendungen (inklusive Abschreibungen) für die Kapitalanlagen im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagenbestand des Jahres. Ein Teil der Erträge aus Kapitalanlagen werden als „Gewinne aus dem Abgang aus Kapitalanlagen“ bilanziert und beinhalten die Realisierung von Bewertungsreserven.

Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)
Quelle: Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal-Verlag)

Für das, angesichts anhaltend niedriger Marktzinsen, gute Resultat der Nettorendite ist auch die Auflösung von Bewertungsreserven verantwortlich. Das wird deutlich bei dem Vergleich mit der laufenden Durchschnittsverzinsung. Diese Kennzahl erfasst alle laufenden Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen.

Damit bleiben außerordentliche Erträge und Aufwendungen, etwa Gewinne aus dem Verkauf von Vermögensanlagen, Abschreibungen aufgrund von Kursverlusten sowie Sonderabschreibungen, unberücksichtigt.

Ebenso wie die Nettorendite sank die laufende Durchschnittsverzinsung im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich auf nunmehr 3,30 Prozent (Vorjahr 3,51 Prozent) und lag damit 0,16 Prozentpunkte unter der Nettorendite.

Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)
Quelle: Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal-Verlag)

Seitdem der Rechnungszins nicht mehr brancheneinheitlich 3,50 beträgt, spielt auch der durchschnittliche unternehmensindividuelle Rechnungszins (duRz) eine wichtige Rolle. Und eben dieser duRz schlägt auch auf die Vergleichbarkeit der Nettorendite durch. So ist der duRz mitverantwortlich dafür, wie hoch der Überzins eines Versicherers ausfällt. Die Überzinszuweisung als Teil der Nettoverzinsung, der über dem Rechnungszins liegt, wird zu 90 Prozent den Versicherten gutgeschrieben.

Ebenso wie der gesetzliche zehnprozentige Beitragszuschlag ist auch die Überzinszuweisung dafür vorgesehen, Kostensteigerungen infolge des medizinischen Fortschritts und Prämiensteigerungen abzumildern. Mit zunehmender Dauer der Niedrigzinsphase werden also auch die Auswirkungen auf die Beitragsstabilität deutlicher.

Mit Hilfe des duRz ist ableitbar, welche Gesellschaften ihren Rechnungszins bereits senken mussten. Nicht zuletzt aus diesem Grund wäre der duRz eine Pflichtangabe in den Geschäftsberichten. Trotz schlechterer Vergleichbarkeit der Nettorendite als zu Zeiten des einheitlichen Rechnungszinses von 3,50 Prozent, ist eine hohe Rendite noch immer einer niedrigeren vorzuziehen.

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Trendwende

Eine Trendwende gab es bei den Bewertungsreserven. Verzeichneten 2016 beinahe sämtliche Anbieter deutliche Steigerungen der Bewertungsreservequote, ging es 2017 bei allen Versicherern bergab.

Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)
Quelle: Map-Report 903 (Bild: VersicherungsJournal-Verlag)

Ein Grund für die rückläufigen Bewertungsreserven dürfte auch der moderate Zinsanstieg sein. Die langfristigen Renditen bewegten sich zwar kaum, obwohl die amerikanische Notenbank 2017 dreimal die Zinsen erhöhte und die EZB ankündigte, ihr Programm zu Anleiheankäufen zumindest zu drosseln. Zum Jahresende 2017 lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit 0,4 Prozent aber geringfügig höher als zu Jahresbeginn.

Beitragseinnahmen steigen stärker

Die Beitragseinnahmen haben den stärksten Zuwachs seit sieben Jahren, wodurch viele Kennzahlen beeinflusst werden. Obwohl die für Verwaltungs-, Abschluss- und Schadenaufwendungen in absoluten Werten zulegten, waren die Quoten rückläufig. Gleiches gilt für die Eigenkapitalquote.

Ursächlich für die rückläufigen Entwicklungen der Kennzahlen waren die um 4,8 Prozent auf 39 Milliarden Euro gestiegenen Beitragseinnahmen. Da die verdienten Bruttobeiträge als Bezugsgröße für die genannten Kennzahlen dienen und deutlich stärker stiegen als die Aufwandspositionen, ergaben sich marktdurchschnittlich fallende Ergebnisse.

Hürden für das Neugeschäft

Für die nähere Zukunft sind die Aussichten nicht allzu rosig. Ab 2019 sinken durch das Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG) in der gesetzlichen Krankenversicherung die Beiträge für Arbeitnehmer und Selbstständige. Dadurch dürfte das PKV-Neugeschäft weiter ausgebremst werden.

Durch das Halbieren des durchschnittlichen Mindestbeitrags zur GKV für Selbstständige und Freiberufler auf 171 Euro, wird die GKV zum 1. Januar 2019 für die betroffenen Personen erheblich günstiger und ein Verbleib in der GKV attraktiver. Gleichzeitig verringert sich das Neugeschäftspotenzial vor allem für die PKV-Unternehmen, die sich besonders auf diese Zielgruppe fokussieren.

Langfristvergleich

Die Beurteilung eines Unternehmens sollte nicht an einer oder zwei einzelnen Kennzahlen festgemacht werden. Die Solidität eines Unternehmens ist nicht allein von seiner finanziellen Ausstattung oder vom Zinsniveau abhängig.

Auch die Größe des Unternehmens sowie die Bestandszusammensetzung beeinflusst die Ergebnisse der Kennzahlen. Der Vergleich konzentriert sich deshalb auf die Anbieter der Vollkostenversicherung. Anbieter wie Ergo Direkt oder Envivas mit dem Schwerpunkt auf Zusatzversicherungen werden darum nur sporadisch bei Beitragseinnahmen und Marktanteilen aufgeführt.

Zu den klassischen Bilanzkennzahlen wie Nettorendite, Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, Beitragseinnahmen, Marktanteilen und vielen weiteren Kennziffern, werden im Vergleich zum Vorjahr jeweils die zehn Auf- und Absteiger grafisch dargestellt. Das erspart Zeit bei der Zahleninterpretation. Zudem beinhaltet der Vergleich zu allen Anbietern acht Grafiken zu ausgewählten Kennzahlen. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren werden damit die Trends der jeweiligen Gesellschaft im Vergleich zum Markt veranschaulicht.

 
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