Flotte nicht länger als rechtsfreien Raum behandeln

18.8.2026 – Mit Interesse habe ich Ihren Artikel zur aktuellen Situation in der Flottenversicherung gelesen. Die Analyse der Autoren, wonach Preissteigerungen allein nicht ausreichen und die Risikoselektion verbessert werden müsse, ist zweifellos richtig. Dennoch fällt auf, dass ein zentraler Aspekt des Problems erneut nicht thematisiert wird.

Seit Jahren wird die Flottenversicherung durch strukturelle Fehlanreize und eine Praxis geprägt, die in der Einzelversicherung strikt verboten wäre. Dumpingpreise haben über lange Zeit künstlich Wettbewerb erzeugt, der nun bei steigenden Schadenaufwänden aufbricht. Doch die eigentliche Ursache liegt tiefer: In vielen Flottenverträgen wird nahezu alles toleriert, was im Privat- oder Einzelvertrag undenkbar wäre.

So fährt in etlichen Unternehmen die gesamte Familie über die Flotte, junge Fahrer spielen keine Rolle, es gibt unbegrenzte Jahresfahrleistungen, und selbst die Harley des Chefs wird über den Fuhrpark geschleust. Das sind nur einige Beispiele für eine Praxis, die das Risiko massiv verzerrt und jede saubere Kalkulation ad absurdum führt.

Solange diese systemischen Schlupflöcher bestehen bleiben, werden keine Preiserhöhung und kein noch so ausgefeiltes Risikomodell die Profitabilität nachhaltig verbessern. Die Branche umkreist seit Jahren den sprichwörtlichen heißen Brei, ohne die eigentliche Ursache anzusprechen: Die Flottenversicherung erlaubt Dinge, die im Einzelvertrag aus gutem Grund ausgeschlossen sind.

Wenn die Versicherer wirklich strukturelle Verbesserungen erreichen wollen, müssen sie zuerst die Regeln angleichen und die Flotte nicht länger als rechtsfreien Raum behandeln. Erst dann kann eine faire und belastbare Risikoeinschätzung entstehen.

Frank Mechler

frank.mechler@deutsches-maklerforum.de

zum Artikel: Flottenversicherung: Preissteigerungen allein reichen nicht

Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Weitere Artikel der Ausgabe vom 18.8.2026
Weitere Leserbriefe