Lebenserwartung wird systematisch deutlich zu gering eingeschätzt

19.10.2018 – Grundsätzliche Zustimmung. Ich würde den Selektionseffekt nur etwas anders beschreiben. Denn der Einzelne wird im Allgemeinen ja gar nicht für sich annehmen, dass er überdurchschnittlich alt wird. Er kann ja nur wissen, ob seine Lebenserwartung gegebenenfalls unterdurchschnittlich ist, etwa weil ihm bestimmte gesundheitliche Risiken bekannt sind.

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Menschen wissen, ob eine chronische Erkrankung wie Diabetes, eine schwere Vorerkrankung wie ein Herzinfarkt, Adipositas, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Ähnliches bereits vorliegt. Wer keine dieser besonderen Risiken für sich kennt, der hält sich in der Regel für durchschnittlich.

Da Menschen mit gravierenden Risiken in der Regel keine lebenslange Rente kaufen oder die Kapitalabfindung bevorzugen, sterben tatsächlich auch nur sehr wenige derjenigen, die freiwillig eine Rente wählen, in den ersten fünf Jahren des Rentenbezugs.

Da beginnt nun der logische Wahrnehmungsfehler: Die Lebenserwartung all der anderen – ohne subjektive Kenntnis besonderer Risiken – ist bereits überdurchschnittlich. Das denkt nur keiner. Tatsächlich hat also jeder „normal Gesunde” bereits eine Lebenserwartung, die oberhalb des statistischen Bevölkerungs-Durchschnittes liegt. Das ist ein wichtiger Grund, warum die meisten Menschen ihre eigene tatsächliche Lebenserwartung systematisch deutlich zu gering einschätzen.

Peter Schwark

p.schwark@gdv.de

zum Leserbrief: „Gewichtung nach Rentenhöhen in Sterbetafeln”.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Lebenserwartung · Rente · Sterbetafel
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