Weniger unbesetzte Lehrstellen bei Banken und Versicherungen

16.8.2019 – Knapp ein Drittel der Betriebe in Deutschland fand 2018 keine Auszubildenden. Bei Banken und Versicherern läuft es kaum besser als im Durchschnitt. Bei jedem zehnten Betrieb ging erst gar keine Bewerbung ein. Die aktuelle Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V. (DIHK) zeigt aber auch einige positive Anzeichen.

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32 (34) Prozent der Betriebe konnten 2018 ihre offenen Ausbildungsplätze nicht besetzen. Diese Entwicklung wertet der Deutsche Industrie- und Handelskammertages e.V. (DIHK) in seiner aktuellen Ausbildungsumfrage 2019 (PDF, 2 MB) aber dennoch positiv, da 2018 noch einmal 19.000 betriebliche Ausbildungsplätze mehr gemeldet worden waren als im Jahr zuvor.

Besser als Bau oder Industrie

„Trotz der demografischen Entwicklung und der Studienneigung vieler junger Menschen ist der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen vorerst gestoppt", kommentierte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks die Erhebung.

An der Ausbildungsumfrage 2019 beteiligten sich knapp 12.500 (10.335) Unternehmen. Die Daten wurden zwischen dem 8. und 31. Mai dieses Jahres per Onlinebefragung erhoben und beziehen sich auf das Kalenderjahr 2018. Rund ein Viertel der Teilnehmer sind Industrie-Unternehmen (ohne Bau); auf den zusammengefassten Wirtschaftszweig Banken/Versicherer entfallen sieben Prozent.

Die schneiden bei der Besetzung von Lehrstellen etwas besser ab als der Durchschnitt. Zudem hat sich die Lage bei Banken/Versicherern mit 31 (32) Prozent unbesetzter Stellen gegenüber dem Vorjahr etwas verbessert. Gleichwohl stehen einige Branchen in der Gunst potenzieller Auszubildender offensichtlich höher. Die wenigsten freien Ausbildungsplätze verzeichnen die Branchen Immobilien, Medien und Gesundheit/Pflege.

Besetzungsquote DIHK Ausbildungsumfrage 2019 (Bild: DIHK)
DIHK Ausbildungsumfrage 2019 (Bild: DIHK)
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Erst gar keine Bewerbung

30 Prozent der Unternehmen, die keine Auszubildenden fanden, erhielten keine einzige Bewerbung. Insgesamt wurde jeder zehnte Betrieb (18.000 Unternehmen; 2017: 17.000) von keinem potenziellen Azubi angeschrieben. Damit hat sich diese Zahl seit 2012 nahezu verfünffacht.

69 Prozent der Betriebe, die zwar noch Bewerbungen erhielten, ihre Plätze aber nicht besetzten, tat dies, weil sie die Bewerbungen „als nicht geeignet“ einschätzten. Nur noch zehn (13) Prozent der Chefs lösten Ausbildungsverträge später auf.

Nichtbesetzungsgründe DIHK Ausbildungsumfrage 2019 (Bild: DIHK)
DIHK Ausbildungsumfrage 2019 (Bild: DIHK)

Das größte Manko sehen die Betriebe in der fehlenden Leistungsbereitschaft vieler Jugendlicher. So beklagten 63 Prozent der Betriebe in der Umfrage immer weniger Motivation bei den Bewerbern.

Eingliederung von Studienabbrechern

Rund 60.000 Studienaussteiger begannen zuletzt eine duale Ausbildung. 45 (44) Prozent der Unternehmen würden sich inzwischen stark um diese Zielgruppe bemühen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zeige, dass mehr als vier von zehn Studienaussteigern innerhalb eines halben Jahres nach Studienabbruch eine duale Ausbildung beginne und fast jeder dritte Bachelorstudierende das Studium abbreche.

Besonders IT-Firmen (65 Prozent), Banken/Versicherer (64 Prozent) und unternehmensorientierte Dienstleistungen (48 Prozent) bemühten sich um Studienabbrecher. Die IHK-Organisation biete mit der Initiative „Mit Praxis zum Erfolg“ berufliche Qualifizierungs- und Karriereperspektiven.

Alte Azubis

Im Durchschnitt sind die Azubis inzwischen 20 Jahre alt, wenn sie die Ausbildung beginnen. Diese Entwicklung erklärt sich nur zu einem Teil aus dem Trend zu höheren Schulabschlüssen, so die Umfrage.

Es gebe nämlich auch einen deutlichen Anstieg an älteren Azubis. Die Gründe dafür seien „bunt gemischt“. Neben Studienaussteiger handele es sich um diejenigen, die erstmal jobben wollten, einem unrealistischen Berufsziel hinterhergehinkt seien oder auch keinen Einstieg gefunden hätten.

Der Anteil der 16-Jährigen sei in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben, aber der Anteil 17-Jähriger habe sich seit 2007 von 20 auf 15 Prozent reduziert. War die Gruppe der „24-Jährigen und älter“ 2007 erst zu sechs Prozent in der Ausbildung vertreten, sind es der Umfrage zufolge heute gut zwölf Prozent.

Wider dem Fachkräftemangel

„Perspektivisch müssen in den nächsten Jahren viele erfahrene Mitarbeiter in den Betrieben ersetzt werden", mahnte Dercks. „Wir dürfen deshalb nicht nachlassen, einen höheren Anteil der Schulabgänger für die berufliche Bildung zu gewinnen."

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten alles daransetzen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Es zeige sich, dass Betriebe, die aktiv für ihre Ausbildung werben und sich auf die „Generation Z“ einstellen, profitieren und gewinnen Azubis für sich gewinnen könnten.

Maßnahmen seien beispielsweise Azubi-Webseiten. IHK-Mitarbeiter beraten Mitgliedsunternehmen, wie sich die Betriebe den jungen Bewerbern bestmöglich präsentieren und ihnen praxisorientierte Einblicke in die Ausbildung geben.

Der DIHK fordert zudem staatliche Investitionen von rund 2,5 Milliarden Euro für die zeitgemäße Ausstattung der Berufsschulen. Viele müssten dringend modernisiert werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausbildung · Gesundheitsreform · Immobilie · Marktforschung · Mitarbeiter · Motivation · Zielgruppe
 
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