Welchen Einfluss die Pandemie auf die Arbeitszeit hat

27.9.2021 – Die Coronakrise hatte aufgrund von Kurzarbeit und Homeoffice kaum Auswirkungen auf die Anzahl der geleisteten Überstunden in den Unternehmen, wie eine Auswertung von Gehalt.de zeigt. Die Autoren der Untersuchung weisen aber darauf hin, dass Mitarbeiter und Arbeitgeber im Vorjahr vor diversen Belastungen durch die Ausnahmesituation standen.

Welchen Einfluss hat die Coronakrise auf die Arbeitszeit der Deutschen? Dieser Frage ist die Gehalt.de GmbH in ihrer Auswertung „Arbeitszeitmonitor 2021“ nachgegangen. Etwa drei Stunden mehr leisten die Beschäftigten zusätzlich zu ihrer regulären Arbeitszeit jede Woche. Allerdings erhält nur ein Drittel der Mitarbeiter einen Ausgleich für die Mehrarbeit.

Insgesamt machen 48 Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig Überstunden, 52 Prozent dagegen nicht. Beschäftigte in der Versicherungsbranche leisten wöchentlich 2,4 Überstunden, so das Portal auf Nachfrage. Der Wirtschaftszweig liegt damit etwa im Mittelfeld der verglichenen Branchen, aber unter dem Durchschnitt.

Zur Methodik

Für die Auswertung untersuchte Gehalt.de die geleisteten Überstunden von Fach- und Führungskräften in Deutschland basierend auf 346.405 Arbeitsverhältnissen. Zusätzlich wurde ausgewertet, wie häufig sie durch Freizeit oder monetär ausgeglichen werden.

Für die Berechnung der kumulierten Überstunden ging das Portal von durchschnittlich 254 Arbeitstagen im Jahr aus. Abzüglich der Urlaubstage (durchschnittlich 28,3 laut Auswertung von Gehalt.de) beläuft sich die Zahl der Arbeitstage auf 226 pro Jahr.

Die durchschnittliche Überstundenanzahl pro Fünf-Tage-Arbeitswoche (2,9) wurde durch fünf geteilt und mit den Arbeitstagen pro Jahr multipliziert. Daraus ergibt sich ein Wert für die jährlichen Überstunden.

Überstunden haben sich mehr als halbiert

Die Extraleistungen der Beschäftigten für den Arbeitgeber gingen seit 2009 kontinuierlich zurück, wie die Untersuchung zeigt. Vor elf Jahren leisteten die Mitarbeiter noch 6,5 Stunden Mehrarbeit. Im Corona-Zeitraum 2020 bis 2021 lag der Wert nur noch bei 2,9 Stunden. Im Vor-Coronajahr 2018/19 waren es drei Stunden.

Diese Zahlen müssten allerdings im Kontext der Pandemie betrachtet werden, die vielerorts zu ansteigender Kurzarbeit führte, schreiben die Autoren des Reports. Unabhängig davon sei allgemein ein deutlicher Rückgang der Überstundenanzahl zu erkennen.

„In Zeiten, in denen die Work-Life-Balance im Vordergrund steht und der Arbeitsmarkt vermehrt auf Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ausgerichtet ist, sinkt tendenziell die Bereitschaft, Überstunden zu leisten“, lässt sich Dr. Korbinian Nagel, Arbeitsmarktökonom bei Gehalt.de, zu den Ergebnissen zitieren.

Wer mehr verdient, arbeitet auch mehr

Wenig überraschend: Wer gut verdient, stellt seinem Arbeitgeber auch mehr Extrazeit zur Verfügung. „Während Fachkräfte mit einem sechsstelligen Bruttojahresgehalt mehr als sechs Überstunden pro Woche zu Buche stehen haben, sinkt diese Zahl auf verhältnismäßig geringe 1,7 Überstunden, wenn das Einkommen unter 20.000 Euro liegt“, so der Arbeitszeitmonitor.

Durch diesen Zusammenhang lasse sich womöglich auch die Geschlechterdiskrepanz (Männer: 3,5 Überstunden, Frauen: 2,1) zumindest zum Teil erklären. Denn noch immer verdienten männliche Arbeitnehmer bei gleicher Leistung und Qualifikation mehr als ihre weiblichen Kolleginnen, führen die Autoren des Reports aus.

Überstundenzahl nach Gehaltshöhe

Bruttojahresgehalt – Fachkräfte*

Überstunden pro Woche

0 bis 20.000

1,7

20.001 bis 40.000

2,0

40.001 bis 60.000

2,7

60.001 bis 80.000

3,7

80.001 bis 100.000

4,5

Ab 100.001

6,1

Versicherungs-Mitarbeiter liegen im Mittelfeld

Bei Branchen mit vielen Überstunden liegt die Unternehmensberatungen vorne (4,7 Überstunden). Es folgen die Beschäftigten im Konsum- und Gebrauchsgütersektor (4,1) und Mitarbeiter in der Hotellerie sowie Gastronomie (4,0 Überstunden). Beschäftigte in der Versicherungsbranche leisten wöchentlich 2,4 Überstunden.

Wie hoch das Salär im zweiten Quartal 2021 für Mitarbeiter der Versicherungswirtschaft ausfiel und wie sie im Vergleich mit Kollegen aus dem Bankwesen und anderen Branchen abschneiden, zeigen aktuelle Destatis-Zahlen (VersicherungsJournal 22.9.2021).

Vergleichsweise wenig Extraarbeit müssen Beschäftigte aus Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung sowie in der öffentlichen Verwaltung leisten. Sie kommen durchschnittlich mit weniger als zwei Überstunden pro Woche aus.

Überstunden nach Position im Unternehmen

Beschäftigte

Überstunden-Anzahl

Beschäftigte mit Überstunden-Ausgleich*

Allgemein

2,9

32

Fachkräfte

2,5

34

Führungskräfte

7,6

14

Frauen

2,1

32

Männer

3,5

33

Homeoffice macht Erfassen von Überstunden schwierig

Zwei bis vier Überstunden in der Woche liegen für die meisten Arbeitnehmer im Rahmen. Hochgerechnet auf ein Jahr sieht das schon anders aus. 2020 haben Beschäftigte im Schnitt etwa 131 Stunden zusätzliche Arbeit geleistet.

Mehr Arbeit heißt auch mehr Belastung für die Belegschaften. „Gerade durch infolge der Coronapandemie immens ansteigende Homeoffice-Phasen verschwimmt die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem, eine nachlässigere Beachtung von Feierabend und Pausenzeiten ist bisweilen die Folge“, schreiben die Experten von Gehalt.de.

Auf die negativen Auswirkungen der Heimarbeit durch die Pandemie weist auch die HDI-Berufe-Studie 2021 hin. Mittlerweile haben es viele Beschäftigte satt, ihr berufliches Dasein abgeschottet zu Hause zu fristen (3.9.2021).

In der Assekuranz hat zeitweise die absolute Mehrheit (90 Prozent) zu Hause gearbeitet, so die Aussage des Arbeitgeberverbands der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV) (15.1.2021). Für den Innendienst wird es auch im kommenden Herbst und Winter keine problemlose Rückkehr an den Arbeitsplatz im Büro geben (31.8.2021).

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