Was in der Teilkasko-Versicherung als Innenraum gilt

10.9.2018 – Nimmt ein Teilkaskoversicherer Bissschäden im Fahrzeuginnenraum in den Versicherungs-Bedingungen vom Versicherungsschutz aus, so bezieht sich das allein auf die Fahrgastzelle und den Kofferraum. Für Bissschäden im Bereich zwischen der Außenhaut und der Innenraumverkleidung haftet der Versicherer hingegen – so das Oberlandgericht Frankfurt am Main in einem am Freitag veröffentlichtem Urteil vom 5. September 2018 (7 U 25/16).

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Der Kläger hatte für seinen Personenkraftwagen bei dem beklagten Versicherer eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen. Deren Bedingungen sahen vor, dass Schäden durch Tierbiss, die unmittelbar am Fahrzeug verursacht werden, Gegenstand der Versicherung waren. Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen waren hingegen Schäden am Fahrzeuginnenraum.

Gefräßige Mäuse

Bei einer allgemeinen Überprüfung des Fahrzeugs in einer Werkstatt wurden im Frühjahr 2014 zahlreiche Fraß- und Bissschäden festgestellt. Die betrafen die Wasserabläufe des Panoramadaches, den Kopfairbag auf der Beifahrerseite, die Dämmung hinter dem Armaturenbrett und die Isolierung der Verkabelung.

Ein Sachverständiger stellte anschließend weitere Schäden hinter diversen seitlichen Verkleidungsteilen, oberhalb des Dachhimmels und unterhalb des Bodenbelags fest. Er führte die Schäden eindeutig auf Nagetiere, wahrscheinlich Mäuse, zurück.

Mit Hinweis darauf, dass die Schäden am Fahrzeuginneren entstanden seien, lehnte es der Teilkaskoversicherer ab, sie zu regulieren. Der Fall landete schließlich vor Gericht. Dort erlitt der Versicherer eine Niederlage.

Was zählt zum Fahrzeuginnenraum?

Das Frankfurter Landgericht als erste Instanz hatte die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht der Stadt am Main schloss sich dagegen der Auffassung des Versicherungsnehmers an, dass es sich bei den Bissschäden sehr wohl um ein versichertes Schadenereignis handelte.

Denn die Mäuse hätten weder unmittelbar in der Fahrgastzelle noch im Kofferraum gewütet. Die Schäden seien vielmehr im Bereich zwischen der Außenhaut des Autos und der Innenraumverkleidung entstanden.

Der Begriff des Fahrzeuginnenraums sei aus Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers auszulegen. Dieser würde davon ausgehen, dass der Innenraum durch Fahrgastzelle und Kofferraum definiert werde, das heiße die durch Menschen benutzbaren und zugänglichen Bereiche.

Schäden im Zwischenraum sind versichert

Mit anderen Worten: „Als Innenraumschaden wird er all diejenigen Schäden werten, die er ohne Demontage des Fahrzeugs als Bissspuren qualifizieren kann“ – so das Frankfurter Oberlandesgericht.

Nicht zum Innenraum würde hingegen der Zwischenraum hinter der Verkleidung mit Lüftungselementen, Klimaanlage, Sicherheitseinrichtungen, Bordelektronik und so weiter mit den entsprechenden Verkabelungen gehören.

Nach Ansicht des Gerichts würde der Versicherungsschutz bei einem anderen Verständnis angesichts der europäischen Fauna und den dort vorzufindenden potenziellen Schadtieren praktisch ins Leere laufen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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AVB · Kfz-Versicherung
 
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