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Rausschmiss nach nur zwei Tagen Arbeit

25.9.2020 – Ein Arbeitnehmer, der kurz nach Beginn eines Beschäftigungs-Verhältnisses unentschuldigt für einen Tag seiner Arbeit fernbleibt, darf nicht fristlos entlassen werden. Das hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 3. Juni 2020 entschieden (1 Sa 72/20) und damit ein Urteil der Vorinstanz bestätigt.

Die als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte ausgebildete Klägerin war zum 1. August 2019 in einer Anwaltskanzlei angestellt worden. Ihr Arbeitsbeginn fiel auf einen Donnerstag. Nachdem sie an diesem Tag sowie am Freitag gearbeitet hatte, blieb sie am darauf folgenden Montag und Dienstag wegen der Kindergarten-Eingewöhnung ihres Sohnes vereinbarungsgemäß von der Arbeit fern.

Fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses

Einen Tag später fehlte sie unentschuldigt. Auch an den nächsten beiden Tagen erschien sie nicht zur Arbeit. Für diese Tage legte sie ihrem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung vor.

Ihr Chef verlor jedoch angesichts des holprigen Beginns des Beschäftigungs-Verhältnisses die Geduld. Die Klägerin habe gerade mal zwei Tage gearbeitet, ehe sie unentschuldigt fehlte. Er kündigte das Arbeitsverhältnis daher fristlos.

Es hätte zunächst eine Abmahnung erfolgen müssen

Mit ihrer daraufhin eingereichten Kündigungsschutzklage hatte die Frau sowohl beim Arbeitsgericht Elmshorn, als auch bei dem von ihrem Arbeitgeber in Berufung angerufenen Schleswig-Holsteinischen Landesarbeitsgericht Erfolg. Beide Gerichte hielten die fristlose Entlassung für ungerechtfertigt.

Unter Berücksichtigung der Gesamtumstände gingen die Richter, anders als der beklagte Arbeitgeber, nicht von einem gescheiterten Arbeitsverhältnis aus.

Die Klägerin hätte daher auf jeden Fall zunächst abgemahnt werden müssen und nicht sofort fristlos entlassen werden dürfen. Denn es fehle an Anhaltspunkten dafür, dass sie trotz einer Abmahnung und der damit verbundenen Kündigungsdrohung auch in Zukunft unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben wäre.

Zweiwöchige gesetzliche Kündigungsfrist war einzuhalten

Ihre Pflichtverletzung sei auch nicht dermaßen schwerwiegend gewesen, dass eine Abmahnung ausnahmsweise entbehrlich gewesen wäre. Der Arbeitgeber der Klägerin habe daher die zweiwöchige gesetzliche Kündigungsfrist gemäß § 622 Absatz 3 BGB einhalten müssen.

Eine kürzere, im Arbeitsvertrag vereinbarte Frist sei unwirksam. Das Landesarbeitsgericht sah keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen seine Entscheidung zuzulassen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsrecht · Arbeitsunfähigkeit · Personalabbau
 
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