WERBUNG

Begrenztes Kontaktverbot via Smartphone

18.10.2018 – Die höchstrichterlichen Grundsätze zur Wettbewerbswidrigkeit von Abwerbeversuchen am Arbeitsplatz sind auch auf Fälle anzuwenden, an denen ein Arbeitnehmer nicht über den Dienstanschluss seines Arbeitgebers, sondern auf seinem privaten Mobiltelefon angerufen wird. In derartigen Fällen ist der Anrufer dazu verpflichtet, zu Beginn des Gesprächs nachzufragen, ob sich der Angerufenen an seinem Arbeitsplatz aufhält – so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil vom 9. August 2018 (6 U 51/18).

WERBUNG

Ein Personaldienstleistungs-Unternehmen hatte einen seiner Wunschkandidaten während dessen Arbeitszeit innerhalb von fünf Tagen insgesamt sieben Mal auf dessen privatem Mobiltelefon angerufen, um ihm eine Arbeitsstelle anzubieten.

Als der Beschäftigte seinem Arbeitgeber von den Anrufen berichtete, wehrte der sich. Er begehrte die gerichtliche Feststellung, dass es der Personalberater zu unterlassen habe, Mitarbeiter zum Zwecke der Abwerbung am Arbeitsplatz anzurufen, es sei denn, es handele sich um eine erste Kontaktaufnahme.

Wettbewerbsverstoß

Das Personaldienstleistungs-Unternehmen hielt sein Verhalten für regelkonform. Denn die Anrufe seien nicht über den Dienstanschluss des Wunschkandidaten erfolgt, sondern auf dessen privatem Mobiltelefon. Dagegen könne sein Arbeitgeber nichts einwenden.

Das sahen jedoch sowohl das in erster Instanz mit dem Fall befasste Frankfurter Landgericht als auch das von dem Dienstleistungs-Unternehmen in Berufung angerufene Frankfurter Oberlandesgericht anders. Beide Gerichte gaben dem Antrag des Arbeitgebers statt.

Nach Ansicht der Richter stellt das Verhalten des Personaldienstleisters einen Wettbewerbsverstoß dar. Das auch telefonische Abwerben von Mitarbeitern eines anderen Unternehmens sei zwar Bestandteil des freien Wettbewerbs und damit hinzunehmen. Unzulässig seien jedoch Abwerbemaßnahmen, welche „die Ungestörtheit der Betriebsabläufe“ beeinträchtigten.

Das gelte insbesondere für Folgekontakte am Arbeitsplatz, die nach einer erstmaligen telefonischen Kontaktaufnahme erfolgten.

Werbung zu Gunsten eines Wettbewerbers

Denn ein Personalberater, der einen Mitarbeiter am Arbeitsplatz telefonisch zum Zwecke der Abwerbung anspreche, betreibe im Betrieb des Arbeitgebers eine gegen diesen gerichtete Werbung zu Gunsten eines Wettbewerbers. Dieses müsse ein Arbeitgeber nicht unbeschränkt dulden.

Dass das Personaldienstleistungs-Unternehmen nicht die technische Infrastruktur des Beschwerdeführers in Anspruch genommen, sondern den Mitarbeiter auf dessen privatem Mobiltelefon angerufen hatte, hielten die Richter für irrelevant.

Der Personalberater habe zwar nicht wissen können, wo sich der Wunschkandidat aufhielt. Die Anrufe erfolgten jedoch während üblicher Arbeitszeiten.

Zur Vermeidung wettbewerbswidrigen Verhaltens wäre er daher dazu verpflichtet gewesen, zu Beginn des Gespräches nachzufragen, wo sich der Angerufene aufhält. Dieses sei nachweislich nicht geschehen. Die Entscheidung ist mittlerweile rechtskräftig.

BGH-Entscheidung

Der Bundesgerichtshof hatte bereits im März 2003 entschieden, dass sich Personalberater bei einem Anruf am Arbeitsplatz ihres Wunschkandidaten auf einen Erstkontakt beschränken müssen.

Dabei dürfe nur das allgemeine Interesse des Angerufenen erfragt werden. Mögliche weitere Gespräche seien außerhalb von dessen Arbeitszeit zu führen (VersicherungsJournal 10.3.2004).

Die Frankfurter Richter haben nun klargestellt, dass die BGH-Entscheidung auch auf Anrufe auf dem privaten Mobiltelefon eines Wunschkandidaten anzuwenden ist.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Mitarbeiter · Werbung
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

In manchen Verkaufs-
gesprächen rennt man immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
11.10.2017 – Welche Anbieter (klassisch und direkt) aus Kundensicht am besten bei der Regulierung von Schäden in der Autoversicherung abschneiden und wer insgesamt zu den Gesellschaften mit der größten Kundenorientierung gehört, wurde in einer aktuellen Studie ermittelt. (Bild: Wichert) mehr ...
 
27.4.2017 – Die Versicherungsmakler-Genossenschaft hat auf ihrem Jubiläumskongress über den Geschäftsverlauf berichtet, neue Dienste vorgestellt und „die besten Maklerbetreuer“ ausgezeichnet. (Bild: Meyer) mehr ...
 
18.10.2016 – In einer aktuellen Studie wurde unter anderem untersucht, wie die Regulierung von Schäden in der Kfz-Versicherung aus Kundensicht beurteilt wird. Welche Anbieter (klassisch und direkt) am besten abschneiden und wer insgesamt zu den Gesellschaften mit der größten Kundenorientierung gehört. (Bild: Wichert) mehr ...
 
14.11.2014 – Die Ergo Versicherungsgruppe ist im Rechtsstreit um ihren Kundenanwalt vor Gericht unterlegen. Die Werbung sei irreführend, entschieden die Richter. Doch das Unternehmen gibt sich nicht vollständig geschlagen. (Bild: Screenshot Ergo.de) mehr ...
 
12.11.2018 – In einer aktuellen Untersuchung hat Servicevalue die Kundenorientierung der Marktgrößen in der Lebensversicherung anhand von 17 Service- und Leistungsmerkmalen unter die Lupe genommen. Welche Anbieter am besten abgeschnitten haben. (Bild: Wichert) mehr ...
 
31.10.2018 – Wie Digitalisierung im praktischen Alltag wirkt, zeigte eine Fachkonferenz. Dort wurden unter anderem Alternativen zu Apps diskutiert. Deutlich wurde auch, dass die IT-Verantwortlichen immer mehr das Sagen bei Assekuranzen übernehmen. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
24.10.2018 – Einer Fahrzeughalterin war nach einem Parkverstoß unmittelbar, nachdem die Verjährung eingetreten war, eingefallen, wer ihr Fahrzeug gefahren hatte. Als sie wegen der Verfahrenskosten zur Kasse gebeten werden sollte, wehrte sie sich vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG