Wer Kosten für die Gattin als Betriebsausgaben geltend macht

16.8.2019 – Aufwendungen für Reisen zu beruflichen Veranstaltungen eines Selbstständigen, die auf seine ihn begleitende Ehefrau entfallen, sind in der Regel nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig. Das hat das Finanzgericht Münster mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 14. Mai 2019 entschieden (2 K 2355/18 E).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers zugrunde, der sich bei seiner Teilnahme an internationalen Konferenzen im Ausland von seiner Ehefrau hatte begleiten lassen. Die Tagungen wurden von einem beruflichen Netzwerk des Klägers veranstaltet.

Betriebsausgaben?

Der Mann und seine Gattin nahmen die Veranstaltungen zum Anlass, im jeweiligen Land anschließend noch einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Er machte dennoch die gesamten Reisekosten dem Finanzamt gegenüber als Betriebsausgaben geltend.

Das begründete der Kläger damit, dass ihn seine Ehefrau bei seiner Tätigkeit unterstützt habe. Denn insbesondere sie sei es gewesen, die während der Tagungen die Kontakte zu Mandanten und Kollegen gepflegt habe.

Private Aufwendungen

Das Finanzamt wollte jedoch nur die anteilig auf den Steuerberater entfallenen Kosten für die Konferenztage steuerlich anerkennen. Er zog daher vor Gericht. Dort erlitt er eine Niederlage.

Das Finanzgericht Münster schloss sich der Rechtsauffassung des Finanzamts an, dass die auf die Ehefrau des Klägers entfallenen Reisekosten vollständig als private Aufwendungen zu behandeln sind.

Die Aktivitäten der Angetrauten können zwar der Förderung des Berufs des Selbstständigen gedient haben. Es sei dabei aber allenfalls von einem unbedeutenden Maß auszugehen, das nicht über das hinausgegangen sei, was Eheleute zu Recht an Unterstützungs-Leistungen erwarten könnten.

Kein Arbeits- oder Angestelltenverhältnis

Es komme hinzu, dass die Gattin des Klägers fachlich in keiner Weise vorgebildet sei. Sie stehe auch in keinem Arbeits- oder Angestelltenverhältnis zu ihm.

„Selbst wenn die Teilnahme der Ehefrau einer Erwartungshaltung der anderen Teilnehmer entsprochen haben sollte, handelt es sich bei den durch ihre Teilnahme an der Reise veranlassten Aufwendungen um solche der privaten Lebensführung, weil sie ganz vorrangig durch ihre Rolle als Ehefrau veranlasst waren, hinter der eine etwaige berufliche Motivation – falls überhaupt vorhanden – als gänzlich unbedeutend zurücktrat“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Nichtzulassungs-Beschwerde eingereicht

Im Übrigen lege die Begleitung des Steuerberaters an touristisch attraktive Orte mit hohem Freizeitwert und die Verbindung mit einem privaten Urlaub nahe, dass eine private Veranlassung bestehe.

Der Fall ist noch nicht ausgestanden. Das Gericht hat zwar kein Rechtsmittel gegen seine Entscheidung zugelassen. Der Kläger hat jedoch eine Nichtzulassungs-Beschwerde beim Bundesfinanzhof eingereicht. Über die ist noch nicht entschieden worden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Dienstreise · Motivation
 
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