Wer beim Onlinebanking grob fahrlässig handelt

22.11.2018 – Wer beim Onlinebanking elementare Sicherheitsregeln missachtet und deswegen Geld verliert, hat keinen Anspruch gegenüber seinem Geldinstitut auf Ersatz eines ihm entstandenen Schadens. Das hat das Oberlandesgericht Oldenburg mit einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss vom 21. August 2018 entschieden (8 U 163/17).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Mannes zugrunde, der per Onlinebanking eine Überweisung tätigen wollte.

Im Rahmen des Verfahrens wurde er auf der Internetseite seines Geldinstituts dazu aufgefordert, zuvor eine Testüberweisung vorzunehmen. Die sollte er mit einer auf sein Mobiltelefon übermittelten Transaktionsnummer (TAN) betätigen. Begründet wurde das Ganze mit der angeblichen Einführung eines neuen Verschlüsselungs-Algorithmus.

In der Überweisungsmaske stand in den Feldern „Name“, „IBAN“ und „Betrag“ jeweils das Wort „Muster“. Der Kläger hegte daher keinen Argwohn, als er die Maske ausfüllte. Die Testüberweisung bestätigte er anschließend, wie von ihm verlangt, mit der ihm übersandten TAN.

Um 8.000 Euro ärmer

Was der Kläger nicht wusste war, dass er sich auf seinem Computer einen sogenannten Banking-Trojaner eingefangen hatte. So wurde aus der vermeintlichen Testüberweisung eine reale Überweisung auf ein polnisches Konto, und zwar in Höhe von 8.000 Euro. Da es sich bei dem Kontoinhaber um einen nicht zu ermittelnden Betrüger handelte, war das Geld unwiederbringlich verloren.

Der Kläger hielt seine Bank für den Verlust des Geldes verantwortlich. Denn schließlich sei die Überweisung über deren Onlinebankingsystem erfolgt. Er verlangte daher, den Betrag seinem Girokonto gutzuschreiben.

Ohne Erfolg: Wie bereits die Vorinstanz hielten auch die Richter des Oldenburger Oberlandesgerichts die Klage für unbegründet.

Grob fahrlässig

Nach Überzeugung der Richter hat der Kläger in grob fahrlässiger Weise gegen die Geschäftsbedingungen seines Geldinstituts verstoßen. In denen sei nämlich vorgeschrieben, dass ein Kunde bei der Übermittlung einer TAN per SMS die gleichzeitig angezeigten Überweisungsdaten kontrollieren müsse, ehe er die Transaktionsnummer verwende.

Das habe der Kläger ganz offensichtlich unterlassen und stattdessen lediglich die TAN in die Computermaske eingegeben. Andernfalls hätte ihm nämlich auffallen müssen, dass er eine Überweisung in Höhe von 8.000 Euro an eine polnische Bank freigegeben hatte.

Warnung durch die Bank

In der entschiedenen Sache komme hinzu, dass die Bank des Klägers auf der Log-in-Seite zum Onlinebanking vor derartigen Betrugsversuchen gewarnt habe. Dabei sei darauf hingewiesen worden, dass sie niemals zu Testüberweisungen auffordere. Auch das habe der Kläger ganz offenkundig nicht beachtet. Er habe sich daher den Verlust seines Geldes selbst zuzuschreiben.

Die Entscheidung ist mittlerweile rechtskräftig.

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