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Trojaner-Schutz für 4.000 Euro: Doppelbetrug unter Senioren

9.9.2019 – Kann ermittelt werden, auf welches Konto ein Betrüger eine Überweisung für eine angebliche Computersoftware umgeleitet hat, ist der Kontoinhaber dazu verpflichtet, diesen Betrag wegen ungerechtfertigter Bereicherung zurückzuzahlen. Das gilt auch dann, wenn er von dem gleichen Täter zuvor selbst betrogen wurde. Die erklärte das Amtsgericht München in einem am Freitag veröffentlichten Urteil vom 16. Januar 2019 (122 C 19127/18).

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Der Entscheidung lag die Klage eines 77-Jährigen zugrunde. Er hatte Anfang September 2016 den Anruf einer Person erhalten, die sich als Mitarbeiter eines Serviceunternehmens des Softwareherstellers Microsoft ausgab. Im Display war eine deutsche Telefonnummer eingeblendet.

Der Anrufer behauptete, man habe festgestellt, dass der Laptop des Mannes in erheblichem Umfang mit Trojanern infiziert sei. Ein Schnelldurchlauf habe 15.000 Treffer ergeben. Um den Rechner per Fernzugriff von den Schädlingen zu reinigen und künftige Angriffe zu unterbinden, wurde dem Kläger ein Internetschutz für verschiedene Laufzeiten angeboten.

Um 4.000 Euro ärmer

In dem Glauben, es tatsächlich mit einem seriösen Fachmann zu tun zu haben, entschied er sich für die kürzeste mögliche Vertragslaufzeit von einem Jahr. Dafür sollte er 25 Euro zahlen. Die Überweisung erfolgte noch während des Telefonats mit Hilfe eines von dem Anrufer eingeblendeten Formulars per Onlinebanking.

Anschließend hielt der Anrufer den Senior unter einem Vorwand noch für gut eine Stunde an dessen Computer fest. Als der Vorgang endlich abgeschlossen war, bemerkte der 77-Jährige, dass von seinem Konto nicht 25, sondern 4.000 Euro abgebucht worden sind.

Doppelter Betrug

Es konnte festgestellt werden, auf welches Konto dieses Geld überwiesen worden ist. Denn anders als in derartigen Fällen üblich, handelte es sich dabei um ein deutsches Konto, dessen Inhaber ermittelt werden konnte.

Dabei handelte es sich um einen 82-jährigen Forscher, der behauptete, selbst Opfer des offenbar gleichen Betrügers geworden zu sein. Ihm seien rund 360 Euro abverlangt worden. Ein größerer Schaden sei ihm aber durch das Ausspähen seiner Daten entstanden.

Als ihm klar geworden sei, dass er betrogen worden ist, habe er den Betrüger, der ihn erneut angerufen habe, zur Rede gestellt und ihm mit einer Anzeige bei der Polizei gedroht. Der Täter habe ihm daraufhin zur Wiedergutmachung des Schadens eine Zahlung in Höhe von 4.000 Euro angeboten. Er habe ihm daraufhin seine Kontoverbindung genannt und anschließend eine Überweisung des Klägers erhalten.

Rückzahlung verweigert

Der Forscher weigerte sich, das ihm seines Erachtens zustehende Geld zurück zu überweisen. Sein Argument: Er wisse nicht, in welchem Zusammenhang der Kläger mit dem Täter stehe.

Zu Unrecht, urteilte das Münchener Amtsgericht. Es gab der Klage des 77-Jährigen auf Rückzahlung der 4.000 Euro statt. Dem Beklagten sei das Geld ohne einen Rechtsgrund auf sein Konto überwiesen worden.

Ungerechtfertigte Bereicherung

Veranlasst worden sei die Überweisung nämlich nicht etwa auf Basis einer Vereinbarung zwischen dem Kläger und dem Beklagten, sondern einer Absprache zwischen dem 82-Jährigen und dem in dem Prozess unbekannt gebliebenen Täter.

Auch wenn dem Beklagten das Geld als angebliche Wiedergutmachung des ihm entstandenen Schadens überwiesen worden sei, fehle es hierfür an einer Rechtsgrundlage. Er müsse den Betrag folglich aus dem Gesichtspunkt einer ungerechtfertigten Bereicherung zurückzahlen, zumal der Kläger ganz offenkundig nichts mit dem Betrüger zu tun hatte.

Nachdem der Beklagte seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts zurückgenommen hat, ist die Entscheidung rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gewerbeordnung · Mitarbeiter · Senioren · Viren
 
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