Tricks beim Autoverkauf im Internet

5.6.2019 – Ein Fahrzeughändler darf einen Wagen im Internet nur dann mit einem Preis bewerben, der damit verbunden, dass der Interessent sein altes Fahrzeug in Zahlung gibt, wenn dieses für Letzteren auf den ersten Blick erkennbar ist. Das hat das Oberlandesgericht Köln mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 5. April 2019 entschieden (6 U 179/18).

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Der Entscheidung lag der Fall eines Fahrzeughändlers zugrunde, der auf einer Internetplattform eine „Limousine, Neufahrzeug“ zu einem Preis von 12.490 Euro angeboten hatte. Diese Angaben befanden sich auf der ersten Seite des Angebots.

Verbraucherschutzverein: wettbewerbswidriges Angebot

Dieses erstreckte sich jedoch über mehrere Bildschirmseiten, die erst durch Herunterscrollen zu erreichen waren. Erst am Ende, unter dem Punkt „Weiteres“, war angegeben, dass der Preis nur gilt, wenn der Käufer ein zugelassenes Gebrauchtfahrzeug in Zahlung gibt. Dort fand sich auch ein Hinweis, dass es sich bei dem angebotenen Fahrzeug um eines mit einer Tageszulassung handelt.

Ein Verbraucherschutzverein hielt diese Art des Angebots für wettbewerbswidrig und zog gegen den Autohändler vor Gericht. Mit Erfolg: Das Kölner Oberlandesgericht untersagte dem Händler, seine Fahrzeuge in dieser Weise im Internet anzubieten.

Dreiste Lüge

Die Richter schlossen sich der Argumentation der Verbraucherschützer an, wonach die Anzeige auf den ersten Blick den Eindruck erwecke, als könne das Fahrzeug von jedermann zum Preis von 12.490 Euro erworben werden. Das stelle aber eine „dreiste Lüge“ dar, die auch durch den Hinweis am Ende des Angebots nicht geheilt werden könne.

„Denn Preisangaben sollen Klarheit über die Preise gewährleisten und verhindern, dass die Verbraucher ihre Preisvorstellungen anhand nicht vergleichbarer Preise gewinnen müssen. Bei dem Inserat ist der Wert eines vom Käufer später in Zahlung zu gebenden Fahrzeugs naturgemäß noch völlig unklar. Für den Verbraucher ist die Preisangabe daher letztlich wertlos. Denn er kann das Angebot nicht sinnvoll mit den Angeboten anderer Händler vergleichen“, so das Gericht.

Auf den ersten Blick getäuscht

Blickfang des Angebots sei eine Abbildung des Fahrzeugs mit seiner Bezeichnung und der Preisangabe gewesen.

Es sei davon auszugehen, dass sich ein Verbraucher bei der Suche nach einem Neufahrzeug im Internet bereits Gedanken zum Wagentyp, den er bevorzugt, und dessen technischen Details gemacht hat. Daher benötige er für eine Bewertung eines Angebots regelmäßig nur den Kaufpreis und ein paar wenige weitere Informationen.

Über den wahren Kaufpreis jedoch werde der Interessent zumindest bei einem ersten Blick getäuscht. Er müsse sich durch mehrere Seiten scrollen, um diesen zumindest ansatzweise zu erfahren.

Irreführung

Die Werbung ist nach Meinung der Richter auch deswegen als irreführend einzustufen, weil das Fahrzeug auf der ersten Seite als „Neufahrzeug“ beworben wurde. Erst unter „Weiteres“ sei ein Hinweis darauf erfolgt, dass es sich um ein Auto mit einer Tageszulassung handelt

Ein Verbraucher verbinde jedoch mit der Angabe „Neufahrzeug“ ein Auto ohne Tageszulassung, zumal die Suchfunktion der Internetplattform in dem entschiedenen Fall zwischen „Neufahrzeug“ und „Tageszulassung“ unterscheidet.

Die Richter sahen keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

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Verbraucherschutz · Verkauf · Werbung
 
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