Wie Vermittler sich weiterbilden sollen

26.1.2012 – Auch im noch jungen Jahr 2012 wird die Versicherungsbranche mit vielen, aber durchaus lösbaren Herausforderungen konfrontiert werden, so die Botschaft beim Neujahrsempfang der Münchener Assekuranz. Dazu zählt nicht zuletzt die frühzeitige Beschäftigung mit der in Aussicht stehenden gesetzlichen Verpflichtung für Versicherungsvermittler zur regelmäßigen Weiterbildung.

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Ob 2012 ein „saumäßig gutes Jahr“ werde, wisse er nicht, ließ Rolf Schünemann beim Neujahrsempfang der Münchener Assekuranz im Hause der Lebensversicherung von 1871 a. G. wissen. „Gut“ werde es – trotz Rechnungszinsabsenkung in der Lebensversicherung und anderen Widrigkeiten – aber in jedem Fall wieder, zeigte sich der Vertriebsvorstand des gastgebenden Unternehmens überzeugt.

Karl Panzer (Bild: Müller)
Karl Panzer (Bild: Müller)

Dafür spreche allein schon der nach wie vor vorhandene, „riesige Vorsorgemarkt“. Ganz grundsätzlich empfahl Schünemann der Branche, zur Aufbesserung des Images statt der Probleme doch lieber mal mehr die guten Nachrichten in den Vordergrund zu rücken.

2011 für die LV 1871 gut gelaufen

Für die LV 1871 zumindest sei auch das vergangene Jahr wieder sehr erfolgreich verlaufen, gab Karl Panzer, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, bei der von der Bezirksgruppe München des Bundesverband der Assekuranzführungs-Kräfte e. V. (VGA) organisierten Veranstaltung bekannt.

Die Bruttobeiträge seien bei ihr entgegen dem Branchentrend um immerhin 1,2 Prozent auf 565 Millionen Euro gestiegen.

Ganz so euphorisch wie Schünemann gaben sich Panzer und Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, in ihren Vorträgen dennoch nicht. Sorgen um die Branche mache er sich, anders als im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise, aber nicht, gab Letzterer zu Protokoll.

Viele Herausforderungen und viele Chancen

Panzer verwies darauf, dass sich die Versicherer auch 2012 wieder – von den Dauerthemen Solvency II über die Diskussion um die Vertriebsvergütung bis zur Einführung der Unisex-Tarife bis Jahresende – mit einer ganzen Latte von großen Herausforderungen konfrontiert sähen. Viele davon, rückte jedoch auch er das Positive in den Vordergrund, können aber in Chancen umgemünzt werden.

Oliver Mathais (Bild: Müller)
Oliver Mathais (Bild: Müller)

Aus Sicht des Vertriebs zählt dazu nicht zuletzt, dass der Gesetzgeber bis voraussichtlich 2015 oder 2016 eine regelmäßige Weiterbildung für alle Vermittler vorschreiben werde, machte VGA-Verbandsdirektor Oliver Mathais aufmerksam. Der Bundesverband der Assekuranzführungs-Kräfte e.V. habe im Hinblick darauf schon jetzt einige Umsetzungsvorschläge ausgearbeitet.

250 Weiterbildungs-Pflichtstunden binnen fünf Jahren als Vorschlag

Die orientierten sich an der Ausgestaltung der Weiterbildungs-Verpflichtung für Ärzte. Vorstellbar sei aus VGA-Sicht, 250 Pflichtstunden zur Fortbildung binnen fünf Jahren zur Vorgabe zu machen.

Davon sollten mindestens 150 Stunden zwingend dem Bereich Fach- und Beratungskompetenz zugeordnet sein. Für Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz sollten als Kann-Bestimmung maximal 150 Stunden vorgesehen werden.

Punkte auch für den Besuch von Fachveranstaltungen

Entscheidend für die Anerkennung der nach einem Punktesystem bewerteten internen und externen Fortbildungsmaßnahmen sollte sein, dass sie „vorausgeplant und organisiert“ sind. Punkte sollten auch durch den Besuch von Fachvorträgen oder Fachmessen sowie durch „Lernen in der Arbeitssituation“ erworben werden können.

Zu Letzterem zählte Mathais beispielsweise Job-Rotation oder strukturierte Unterweisungen. Attestiert werden solle der Kompetenznachweis durch eine öffentlich-rechtliche Stelle oder eine überbetriebliche Bildungseinrichtung.

Politik, Aufsicht und Verbraucherschützer im Blick

Im ersten Schritt, so regt der VGA laut Mathais außerdem an, sollten alle registrierten Vermittler zur Teilnahme an solchen Weiterbildungsmaßnahmen verpflichtet werden. Danach könnten auch die Führungskräfte aus dem Vertriebsbereich einbezogen werden.

Ziel aller Überlegungen und Anstrengungen müsse sein, so der Verbandsdirektor, den Weiterbildungswillen der Vermittler gegenüber Politik, Aufsicht und Verbraucherschutz glaubhaft darzustellen. Wichtig sei aber vor allem auch, dass sich die Branche frühzeitig in den politischen Entscheidungsprozess einbringe.

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