Vermittlertypen: Was ist Ungebundenheit und was unabhängig?

11.8.2017 – Die große Mehrheit der Teilnehmer der im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichten Strukturanalyse des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute ist als Einfirmenvertreter im Vermittlerregister eingetragen. Rund 20 Prozent davon sind eigenständig registriert. Etwa 1,5 Prozent der Teilnehmer sind Mehrfachvertreter. Vor diesem Hintergrund zeigt die Strukturanalyse, dass die Zuordnungen „ungebunden“ beziehungsweise „abhängig“ nicht immer tragfähig sind.

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Wie viele echte Mehrfachagenten gibt es eigentlich wirklich? Und sind alle Makler wirklich echte Makler? Diese Fragen und andere ergeben sich aus den vorgelegten Zahlen der aktuellen Strukturanalyse des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK), die eine Stichprobe von fast 4.000 Vermittlern repräsentiert.

Die Daten für die Untersuchung „Betriebswirtschaftliche Strukturen des Versicherungsvertriebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ wurden zwischen Dezember 2016 und März 2017 erhoben.

Auch wenn die BVK-Studien traditionsgemäß vertreterlastig sind, so nahmen an der aktuellen Ausgabe immerhin 208 Makler und 59 Mehrfachagenten teil. Dass sie nicht repräsentativ ist, betonen die Macher der Studie selbst (VersicherungsJournal 3.7.2017, 19.5.2017).

Vertreter mit § 34d Absatz 1 GewO = Mehrfachvertreter?

Immerhin fast 30.000 Vertreter mit Erlaubnis (§ 34d Absatz 1 GewO) werden per Juli 2017 im Vermittlerregister (VersicherungsJournal 6.7.2017) erfasst. Dabei bleibt immer rätselhaft, wie viel davon Ausschließlichkeits-Vertreter sind, die den Weg der Selbstanmeldung bevorzugt haben.

In der Studie sind von den über 3.500 befragten Einfirmenvertretern immerhin gut 20 Prozent (710) eigenständig registriert. Das entspräche dann fast der Relation im Vermittlerregister selbst, das rund 145.000 gebundene Versicherungsvertreter aufweist.

Die Übersicht zeigt die Aufteilung der Studienteilnehmer (insgesamt 3.803) nach ihrem Vermittlerstatus bzw. nach ihrer Rechtstellung / Eintragung ins Vermittlerregister (Bild: BVK-Strukturanalyse 2016/2017)
Die Übersicht zeigt die Aufteilung der Studienteilnehmer (insgesamt 3.803) nach ihrem Vermittlerstatus bzw. nach ihrer Rechtstellung / Eintragung ins Vermittlerregister (Bild: BVK-Strukturanalyse 2016/2017)

Ergibt die Studie wiederum unter den eigenständig registrierten Vermittlern (§ 34d Absatz 1 GewO) einen Anteil an ungebundenen Vertretern von nicht einmal acht Prozent, dann wäre das übertragen auf das Vermittlerregister nur noch eine Kopfzahl von circa 2.400 „echten“ Mehrfachagenten. Weit über 25.000 ungebundene Vertreter wären Ausschließlichkeits-Vertreter.

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Abhängigkeiten des Maklers vom Versicherer

Auch wenn solche Rückschlüsse allenfalls Spekulation sind: Vermittler, die unabhängig und „ungebunden“ sein wollen, wählen ganz offensichtlich in der Mehrheit den Maklerstatus. Fast 47.000 sind es nach aktuellem Registerstand. Aber selbst bei denen stellt sich die Frage nach Abhängigkeit, wie die Studie belegen kann.

Die Studienautoren Professor Dr. Matthias Beenken sowie Professor Dr. Michael Radtke von der Fachhochschule Dortmund wunderten sich angesichts eines „möglichen Interessenskonfliktes“, wie weit Unterstützungen für Makler teilweise gehen.

Dass über 80 Prozent der befragten Einfirmenvermittler in der Sach-/ Haftpflichtversicherung für ihre Versicherungs-Unternehmen Schäden regulieren, ist eine Feststellung, die niemanden überraschen dürfte. Dass aber auch fast zwölf Prozent der Makler dies tun, sei schon erstaunlich – so die Autoren der Studie. Auch das geschieht nicht immer ohne Vergütung.

Ungebundenheit und Unabhängigkeit?

Auch bei den sogenannten sonstigen Zuschüssen inklusive Bonifikationen ergaben sich zum Teil überraschende Antworten bei den Teilnehmern (87 Prozent Einfirmenvertreter, 15,2 Prozent Makler): Selbst Ausbildungsverhältnisse bei Maklern und Mehrfachagenten werden offensichtlich gesponsert. In den Fragebögen gibt jeweils ein Mehrfachvertreter und ein Makler an, einen Kostenzuschuss für die Ausbildung erhalten zu haben.

Was Ungebundenheit und Unabhängigkeit ist, kann und will die vorgelegte Studie des BVK sicherlich nicht entscheiden, aber Fragen diesbezüglich hinterlässt sie schon. Allerdings werden auch Antworten und Überlegungen zum Ausbau des eigenen Vermittler-Außendienstes (angestellt oder selbstständig), zum Verhältnis von Innen- und Außendienst oder Nachfolgeregelungen geliefert.

Weitere Studiendetails und Bezugshinweise

Die seit Jahrzehnten regelmäßig alle zwei Jahre durchgeführte Strukturanalyse wird in diesem Jahr erstmals vollständig im VersicherungsJournal-Verlag veröffentlicht.

Die Studie „Betriebswirtschaftliche Strukturen des Versicherungsvertriebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ gibt einen detaillierten Einblick in betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie unter anderem den Gewinn und Erfolgsfaktoren von Ausschließlichkeits- und Mehrfachvertretern sowie Maklern.

Sie hat 103 Seiten im Format DIN A4 und wird angeboten als E-Book im PDF-Format, ISBN 978-3- 938226-56-8. Sie kostet 49,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer und kann über dieses Formular bestellt werden (E-Mail-Versand).

Michael Erdmann

Der Autor hat lange Zeit als Versicherungsvertreter gearbeitet.

 
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Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

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