VDVM hat keine Angst vor Insurtechs

22.9.2016 – Die Mitglieder des VDVM sind mit ihren Umsätzen überwiegend zufrieden und erwarten von der Umsetzung der IDD in nationales Recht keine wesentlichen Probleme. Insbesondere die verschärften Anforderungen an die Fortbildung kommen ihrem Qualitäts-Ansatz entgegen, wie auf einem Pressegespräch des Verbands deutlich wurde. In den Fintechs sehen sie deshalb auch keine Bedrohung, sondern studieren mit Interesse deren Kommunikationstools, um sie vielleicht auch selbst einzusetzen. Pessimistisch sehen sie dagegen die Aussichten für die Lebensversicherung.

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Die jährliche Mitgliederbefragung des Verbands Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) zeigt auf, dass die Stimmung unter den Mitgliedern unverändert gut ist. Dies betonte Dr. Georg Bräuchle, Geschäftsführer der Marsh GmbH und Präsident des VDVM, auf dem diesjährigen Pressegespräch des Verbands.

Kurze Entscheidungswege

49,5 Prozent der Unternehmen meldeten steigende und 35 Prozent konstante Umsätze. Lediglich bei kleineren Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern sanken sie tendenziell. Bräuchle begründete das damit, dass hier viele ältere Makler mit einem altersmäßig entsprechenden Kundenstamm vertreten seien, die keine großen Investitionen in die IT mehr vornehmen wollten.

Schwerpunkte der VDVM-Mitglieder sind zu 80 Prozent Kompositversicherungen, zu 20 Prozent Lebensversicherungen und hier insbesondere die betriebliche Altersversorgung (bAV). Bei den Aufnahmegesprächen wird von Seiten des Verbands Wert darauf gelegt, dass das potenzielle neue Mitglied möglichst gut in dieses Schema passt.

Kennzeichnend für VDVM-Makler, so Bräuchle, seien vor allem ihre Anpassungsfähigkeit und ihre kurzen Entscheidungswege, deshalb könnten sie gegebenenfalls schnell auf neue Anforderungen reagieren.

Keine Angst vor Veränderungen

Deshalb machen ihnen die vielfältigen aktuellen Herausforderungen wie die Umsetzung der IDD (VersicherungsJournal 3.2.2016) oder auch die Digitalisierung keine Angst.

Die im Rahmen der IDD geforderte regelmäßige Fortbildung für alle, die in der Kundenberatung tätig sind, begrüßt der Verband ausdrücklich. „Gerade wir als VDVM-Makler fühlen uns ja einem besonderen Qualitätsanspruch verpflichtet“, betonte Bräuchle, „und diese Qualität fällt bekanntlich nicht vom Himmel.“

Von dem BGH-Urteil zur Schadenregulierung (VersicherungsJournal 10.6.2016) seien die meisten VDVM-Makler nur am Rande betroffen, weil sie eher unbedeutende Regulierungsvollmachten haben.

Weiterhin auf Kundenseite

Unberührt von dem Urteil sei die Aufgabe des Maklers, den Kunden bei der Schadenregulierung zu unterstützen. Das Urteil habe sich auf den Spezialfall bezogen, dass ein Makler anstelle des Versicherers Regulierungs-Entscheidungen trifft – wobei es dabei meist um eine große Zahl von Bagatellschäden geht, im vorliegenden Fall um ein Herrenhemd im Wert von 58 Euro, das in einer Reinigung verschwand.

Eine eingehende anwaltliche Prüfung sei in solch einem Fall gar nicht möglich. Für die Versicherer dürften dagegen die Folgen des Urteils angesichts von Kostendruck und Personaleinsparungen schmerzhafter sein.

Konsolidierung bei Fin- und Insurtechs erwartet

Die Digitalisierung und die aufkommende Konkurrenz durch Fintechs und Insurtechs betrachtet der VDVM dagegen eher mit Interesse. Dass die Insurtechs wie Pilze aus dem Boden sprießen, sei eine logische Folge der technischen Entwicklung.

Hier werde es sicher zu einer Konsolidierung kommen – und es sei durchaus vorstellbar, dass ein Fintech, das die fachlichen Voraussetzungen und die Qualitätsanforderungen erfüllt, in den VDVM aufgenommen wird. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) den Online-Makler Knip (Deutschland) GmbH als offizielles Mitglied begrüßt hatte (VersicherungsJournal 6.9.2016).

Digitalisierung als Chance

Aktuell seien die Fin- und Insurtechs vor allem gut darin, einfache strukturierte Tarife miteinander zu vergleichen. Das Problem beginne aber dann, wenn unterschiedliche Deckungen zur Auswahl stehen und die spezifische Risikosituation des Kunden erfasst und mit dem Standard-Wording verglichen werden muss.

Hier müssten die Fintechs ihre Beratungskompetenz ausbauen – eine reine „Guidance“ durch verschiedene Angebote ohne persönliche Beratung werde sicher nicht ausreichen, um den Anforderungen als Versicherungsmakler zu genügen.

Dagegen seien auch für die VDVM-Mitglieder die Kommunikationstools der Insurtechs sehr attraktiv – sie würden sicher bald für jeden zugänglich und dann auch von klassischen Maklern verwendet. So könnten sich beide Seiten aufeinander zubewegen – „ich sehe deshalb ganz deutlich eine Konvergenz der beiden Geschäftsmodelle“, resümierte Bräuchle.

Immobilien als Altersvorsorge

Weniger optimistisch ist der VDVM, was die Zukunft der Lebensversicherung angeht, machte Oliver Fellmann, Vorstandsmitglied der M.A.R.K. Versicherungsmakler GmbH, deutlich. Angesichts von rückläufigem Neugeschäft in allen Bereichen der Lebensversicherung und zurückgehenden Beitragseinnahmen sieht der Maklerverband hier vor allem die Aufgabe, die biometrischen Risiken abzusichern.

Da die niedrigen Zinsen möglicherweise nicht nur eine Phase, sondern eine ganze Epoche sein könnten, verursacht nicht nur durch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern auch durch rückläufige Produktivität bei gleichzeitigem Anstieg des Sparvermögens national und international, sieht Fellmann hier keinen Lichtstreif am Horizont.

Die klassischen Angebote lohnten sich in der Regel nicht, schon gar nicht für Kunden, die älter als 50 bis 55 Jahre alt sind. Bei den fondsgebundenen Versicherungen ist der VDVM skeptisch, ob sie wirklich eine Alternative darstellen. Deshalb gäbe es eine deutliche Tendenz zu alternativen Produkten, wie Bankprodukten oder Immobilien, als Kapitalanlage und Altersvorsorge.

 
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