Geldanlage: Deutsche zwischen Vertrauen und Skepsis

13.9.2017 – Die Deutschen gehen mehrheitlich davon aus, dass die eigene und die gesamtwirtschaftliche Lage auf Halbjahressicht positiv bleiben wird. Deutlich pessimistischer zeigen sie sich laut dem aktuellen Anlagebarometer von Union Investment auf Fünfjahressicht. Für zufriedenstellende Renten hat aus Sicht jedes zweiten Bürgers allein die Regierung zu sorgen, wie eine Umfrage von Canada Life zeigt. Nach Zahlen des Bankenverbands haben die Bundesbürger den größten Anteil ihres Vermögens in Versicherungen und Pensionskassen investiert.

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Knapp zwei Drittel der Deutschen (60 Prozent) erwarten, dass sich die positive wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik in den nächsten sechs Monaten nicht verändern wird. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Marktforschungs-Instituts Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Auftrag der Union Asset Management Holding AG (Union Investment).

Seit 2001 erfragt Union Investment quartalsweise in ihrem Anlagebarometer das Anlageverhalten der Bundesbürger im Alter von 20 bis 59 Jahre. Dafür werden jeweils 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten befragt, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Die Befragung für das aktuelle Barometer wurde vom 3. bis zum 15. August durchgeführt.

Die meisten rechnen auch privat mit konstanten Verhältnissen

Für sich privat gehen sogar sieben von zehn Befragten davon aus, dass ihre finanzielle Situation im kommenden halben Jahr konstant sein wird. Jeder Fünfte gab an, sogar eine Verbesserung seiner Situation zu erwarten.

Erweitert man den Zeitraum von einem halben auf fünf Jahre in die Zukunft, schätzen die Befragten den Studienangaben zufolge die wirtschaftliche Lage nicht mehr so konstant ein. Die Befragten glauben nahezu zu gleichen Anteilen, dass die konjunkturelle Lage stabil bleibt (30 Prozent), sich verschlechtern (33 Prozent) beziehungsweise verbessern (35 Prozent) wird.

Weiteres Ergebnis: Von der deutschen Wirtschaftslage profitieren am ehesten Aktionäre. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer sind hiervon überzeugt. Gleichzeitig glaubt aber nicht einmal die Hälfte daran (48 Prozent), selbst mit Aktien Geld verdienen zu können. Weniger als die Hälfte (42 Prozent) der Befragten hält es für sinnvoll, „wenigstens einen kleinen Teil des Ersparten in chancenreichere Anlageformen wie Aktien anzulegen“, heißt es im Studienbericht.

Auch steigende Aktienkurse würden die Befragten nicht dazu bewegen, ihr Geld in derartige Anlagen zu investieren. Lediglich gut jeder vierte Teilnehmer (26 Prozent) gab an, dass die steigenden Kurse ihn antreiben, Geld aktienbasiert anzulegen.

Lieber sparen statt konsumieren

Obwohl – oder vielleicht gerade weil – sich die Deutschen scheinbar nicht einig sind, wie es der Bundesrepublik in fünf Jahren gehen wird, wollen sie laut der Untersuchung „Rente und Politik“ der Yougov Deutschland GmbH im Auftrag der Canada Life Assurance Europe plc sparen.

Nahezu die Hälfte (47 Prozent) der 2.051 befragten Bundesbürger würde etwaige Steuerersparnisse sparen, sollte es nach der Bundestagswahl zu gesetzlichen Änderungen kommen, die derartige Ersparnisse auslösen würden. Beinahe jeder Fünfte (17 Prozent) würde diese potenziellen Einsparungen sofort für den privaten Konsum nutzen.

14 Prozent der Umfrageteilnehmer würden das eingesparte Geld hingegen in die private Vorsorge – etwa Renten- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung – stecken, heißt es in den Studienunterlagen.

Staat ist für Rente verantwortlich

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten findet, dass es allein Aufgabe des Staates ist, für zufriedenstellende Renten zu sorgen. 41 Prozent glauben, dass der Staat eine Mindestrente sichern und der Rest Privatsache sein sollte. Lediglich vier Prozent sind der Ansicht, dass jeder Bürger allein für seine Rente Sorge tragen sollte.

Wenngleich sich die Befragten wünschen würden, dass sie sich auf ihre staatliche Altersrente verlassen könnten, glauben zwei Drittel, dass eben diese wahrscheinlich „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ ausreichen wird. Nur rund jeder neunte Befragte (elf Prozent) denkt, dass seine gesetzliche Altersrente „eher oder „voll und ganz“ genügen wird, um den Lebensunterhalt zu sichern.

„Die meisten wissen, dass sie sich nicht alleine auf den Staat verlassen können, wenn es um die finanzielle Vorsorge für das Alter geht “, wird Bernhard Rapp, stellvertretender Deutschlandchef von Canada Life, in einer Pressemeldung zur Studie zitiert. „Viele müssten ihre private Vorsorge noch aufstocken. Aber nicht alle tun dies von alleine – daher ist es nach wie vor eine wichtige Aufgabe der Politik, aber auch der Versicherungsbranche, für dieses Thema zu sensibilisieren“, findet er.

Bild: Canada Life

Versicherte investieren zwei Billionen Euro in Vorsorge

Im Jahr 2016 haben deutsche Sparer nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. rund 2,1 Billionen Euro in Versicherungen und Pensionskassen einschließlich berufsständischer Versorgungswerke investiert.

Damit floss der größte Teil des Gesamtvermögens der Bundesbürger, das im vergangenen Jahr 5,6 Billionen Euro umfasste, in Versicherungen und Altersvorsorge. Auf Platz zwei der Sparanlagen landen Spar-, Sicht- und Termineinlagen mit rund zwei Billionen Euro – und das trotz der niedrigen Zinsen, merkt der Verband an.

Bild: Bankenverband

Laut dem Verband ist das Vermögen, das in Aktien investieret wurde, überdurchschnittlich stark im Vergleich zu 2015 angestiegen. 373 Milliarden Euro und damit neun Prozent mehr als 2015 legten die Deutschen 2016 in Aktien an. Einen Zuwachs von sogar 18 Prozent konnte der Verband in Sachen Bargeldhaltung ausmachen.

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Altersvorsorge · Berufsunfähigkeit · Konjunktur · Marktforschung · Pension · Pensionskasse · Rente · Versorgungswerk
 
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