Beim Datenschutz kann im Vermittlerbüro vieles schiefgehen

1.12.2016 – Auf dem siebten Oberfränkischen Vermittlertag in Bayreuth wurde das Thema Datenschutz im Versicherungsvertrieb behandelt. Elisabeth Kraml vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht berichtete unter anderem über die ab 2018 gültige EU-Datenschutz-Grundverordnung. Beim täglichen Kontakt mit dem Kunden müssen Vermittler stets darauf achten, ob dessen Einwilligung zur Datennutzung vorliegt. Tritt beispielsweise ein Vermittler eine Nachfolge an, muss die Einwilligung bei Gesundheitsdaten erneuert werden.

WERBUNG

In Bayreuth fand Anfang der Woche der siebte Oberfränkische Vermittlertag statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth, dem Bezirksverband Nordbayern des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) und dem Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. Nordbayern-Thüringen.

Stetiges Rüsten gegen neue Anbieter

Gabriele Hohenner (Bild: Burghardt)
Gabriele Hohenner (Bild: Burghardt)

In ihrer Begrüßung dankte Gabriele Hohenner, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth, den rund 100 Zuhörern für ihr Kommen „trotz des zeitintensiven Kfz-Wechselgeschäfts“.

Obwohl in letzter Zeit immer mehr neue Anbieter wie Insurtechs oder Banking- und Versicherungs-Apps auf den Markt drängten, sei der persönliche Vermittler immer noch der meistgenutzte Ansprechpartner und Vertriebsweg für die Kunden, erläuterte Hohenner weiter.

Damit dies auch so bliebe, müssten sich die Makler und Vertreter ihrer Aussage zufolge stetig weiterbilden.

Und das nicht nur im Produktbereich, sondern auch in den vielen Nebengebieten, welche die Vermittlertätigkeit mit sich bringe. „Eines davon ist das Thema Datenschutz“, sagte Hohenner.

EU-Datenschutz-Grundverordnung klopft an

Neuerungen in diesem Bereich und einige Beispiele für den Versicherungsvertrieb stellte die Referentin Elisabeth Kraml den Zuhörern vor. Sie ist Leiterin des Referats für Versicherungen, Gesundheitswesen, freiberufliche Tätigkeiten und soziale Einrichtungen am Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA).

In ihrem Vortrag wies Kraml unter anderem auf das in nicht allzu weiter Ferne liegende Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) hin. Diese wird ab dem 25. Mai 2018 für alle Länder der Europäischen Union gelten.

Elisabeth Kraml (Bild: Burghardt)
Elisabeth Kraml (Bild: Burghardt)

Anders als beispielsweise die IDD (VersicherungsJournal 22.11.2016) müsse diese nicht von jedem Mitgliedsstaat in nationales Recht umgewandelt werden, so Kraml.

Aktuelle Infos direkt vom Landesamt

Auf seiner Internetseite nimmt das BayLDA etwa zweimal monatlich in Form von kurzen Informationspapieren Stellung zu verschiedenen Schwerpunkten und Entwicklungen, die in Zusammenhang mit der Verordnung auftreten.

Das Landesamt weist aber darauf hin, dass es sich dabei nicht um verbindliche Auffassungen, sondern um gegenwärtige Interpretationen und Meinungen zur DS-GVO handelt.

Was jedoch die Datenschutz-Anforderungen für den alltäglichen Versicherungsvertrieb anbelangt, so würden die meisten gängigen Praktiken auch nach der Einführung der DS-GVO unverändert bleiben, erklärte die Referatsleiterin.

Was tun, wenn der USB-Stick verschwindet?

In ihrer Präsentation nannte sie einige „klassische Beispiele“ dafür, was in einem Vermittlerbetrieb beim Umgang mit Daten schiefgehen könne und was in diesem Fall zu tun sei. Ginge beispielsweise ein USB-Stick mit Kundendaten verloren oder werde beim Einbruch ins Büro ein PC entwendet oder ein Brief für Kunde A versehentlich an Kunde B versandt, sei der Vermittler gefordert.

Laut § 42a BDSG sei er bei unrechtmäßiger Kenntniserlangung von Daten durch Dritte verpflichtet, sowohl das BayLDA als auch den Betroffenen, um dessen Daten es geht, darüber zu informieren. Dies sei direkt über ein Formular auf der Internetseite des BayLDA möglich.

Aktive Einwilligung bei der Nachfolge

Beim täglichen Kundenkontakt – etwa beim Vertragsabschluss, einem Leistungsfall oder wenn der Kunde den Vertrag kündigen möchte – müssten Vermittler außerdem darauf achten, ob eine gesetzliche Rechtsgrundlage den Kontakt erlaubt oder ob für den Vorgang eine explizite Einwilligung des Kunden benötigt wird.

Laut Kraml ist dies beispielsweise bei der Nachfolgeregelung in einem Vermittlerbetrieb zu beachten. Damit auch der Nachfolger die vorliegenden, besonderen Arten personenbezogener Daten (zum Beispiel zur Gesundheit des Kunden) nutzen kann, genüge es nicht, dies von einem Widerspruch des Kunden abhängig zu machen.

„Hier wird eine Einwilligung des Kunden benötigt. Diese muss aktiv erfolgen und kommt nicht durch Nichtstun zustande“, erläuterte Kraml.

Formular statt E-Mail

Vorsicht sei aus Vermittlersicht auch beim E-Mail-Verkehr mit Unbekannten geboten. Wenn sich ein neuer Kunde mit einer unbekannten E-Mail-Adresse an einen Vermittler wendet, könne dieser nie mit Klarheit sagen, um wen es sich handelt und an wen er möglicherweise sensible Daten herausgibt.

Das BayLDA rät in solchen Fällen dazu, keine sensiblen Informationen per einfacher E-Mail zu verschicken. Als Alternativen werden das Einrichten eines verschlüsselten Versandes oder das Anbieten eines sicheren Kontaktformulars genannt.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · IDD · Insurtech · Vermittlerbüro · Vermittlerverband · Versicherungsvertrieb
 
WERBUNG
WERBUNG
Die besten Vertriebstipps für Praktiker!

Fondsverkauf einfach gemacht

Warum nicht einfach Fonds verkaufen?

Wie Sie Kunden gewinnen und erfolgreiche Verkaufsgespräche führen.

Mehr Informationen und zur Bestellung...

WERBUNG
WERBUNG
Die Termin- und Empfehlungsquote steigern

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden wollen für Themen gewonnen werden. Wie der Vermittler sie in Vorträgen zu Eigeninitiative animiert, zeigt dieses Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
27.10.2016 – Bei der Eröffnung der diesjährigen Fachmesse DKM übte BVK-Präsident Michael H. Heinz scharfe Kritik am Verhalten der öffentlichen Versicherer in Sachen Weiterbildung. (Bild: Wichert) mehr ...
 
15.6.2016 – Wovon es abhängt, ob die neuen technikgetriebenen Dienstleister Freund oder Feind des Maklers sind, und wie dieser sich erfolgreich positionieren kann, wurde im Rahmen der „Pools & Finance” in Hamburg diskutiert. (Bild: Jeworrek) mehr ...
 
8.12.2016 – Der Referentenentwurf zur Umsetzung der Versicherungsvertriebs-Richtlinie in deutsches Recht hat in der Vermittlerschaft zum Teil scharfe Kritik hervorgerufen. Nun gibt es zwei Aktionen, mit der die Umsetzung in der jetzigen Form verhindert werden soll. mehr ...
 
29.11.2016 – Der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. hat mit sehr deutlichen Worten zum Referentenentwurf zur Umsetzung der Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD) in deutsches Recht Stellung genommen. Der Honorarberaterverband VDH hingegen jubelt – zumindest verhalten. mehr ...
 
25.11.2016 – Je nach Lager fallen die Reaktionen auf den vom Wirtschaftsministerium vorgelegten Referentenentwurf zur Umsetzung der Versicherungsvertriebs-Richtlinie in deutsches Recht höchst unterschiedlich aus. mehr ...
 
23.11.2016 – Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hat den Referentenentwurf zur IDD-Umsetzung begrüßt – insbesondere das mit dem Vorhaben zugleich auf Gesetzgebungsebene verbundene Provisionsabgabeverbot. Dennoch sieht der Verband noch Nachbesserungsbedarf. (Bild: Brüss) mehr ...
 
22.11.2016 – Kurz nach der Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur Umsetzung der Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD) in deutsches Recht haben sich der GDV und der VDVM mit ersten Stellungnahmen zu Wort gemeldet. Der Maklerverband äußerte heftige Kritik. mehr ...
WERBUNG